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Lindenberg Nachrichten mit Amtsblatt
Ausgabe 9/2020
Informationen aus den Mitgliedsgemeinden der VG
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Geistliches Wort von Tobias Reinhold, Pfarrer in Teistungen, St. Andreas

Die Seele auftanken

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Schwestern und Brüder,

wer mit dem Auto verreist oder dienstlich viel fährt und unterwegs ist, muss stets für einen gefüllten Tank sorgen. Wenn Sie sich jetzt von mir einen Tipp für die nächstliegende günstige Tankstelle erhoffen, dann muss ich Sie leider enttäuschen. Diesen Hinweis kann ich Ihnen bedauerlicherweise nicht geben. Aber, was ist eigentlich viel wichtiger als Ihr Auto? Sie selbst natürlich. Ich möchte Sie heute einladen, nach einer Tankstelle für sich oder für Ihre Seele Ausschau zu halten. Wann haben Sie das letzte Mal so richtig aufgetankt? Wenn Sie jetzt viel nachdenken müssen, dann ist dies vermutlich schon sehr lange her. Vielleicht fällt Ihnen der letzte Urlaub ein oder ein besonders schöner und feierlicher Tag oder Augenblick – dann ist es besser als nichts. Dennoch: der Autotank reicht auch nicht von einem Urlaub bis zum nächsten. Er muss regelmäßig gefüllt werden, wenn wir regelmäßig mit dem Auto fahren. Und so ist es auch mit unserer Seele – sie braucht kontinuierliche Tankstellen. Und wie könnten diese aussehen? Sich vielleicht in den Liegestuhl legen und einfach einmal den Wolken im Himmel zuschauen oder auch nur vom Fenster aus die Bäume und Blumen bewundern. Möglicherweise ein gutes Buch lesen oder einen ansprechenden Film schauen, eventuell eine lang geplante Wanderung endlich einmal durchführen. Ich bin mir sicher, dass Ihnen selbst noch viele Tank-Möglichkeiten und -Stellen einfallen. Seien Sie dabei ganz kreativ und machen das, was Ihnen gut tut!

Vielleicht möchten Sie ja einmal etwas tun, was Sie schon lange angedacht hatten und nie dazu gekommen sind. Das Tanken kann nicht endlos lange aufgeschoben werden, weder beim Auto, noch bei uns Menschen. Übrigens könnten auch unsere Kirchen solche Tankstellen sein: dabei denke ich nicht nur an die Gottesdienste, zu denen Sie natürlich eingeladen sind, sondern auch an die Kirchen als Räume der Stille, des Abschaltens, des Zu-Sich-Kommens. Wahrscheinlich können Sie dort auch eine Kerze anzünden und dabei an jemanden denken und beten oder auch für die eigenen Sorgen und Nöte und die unserer großen weiten Welt bitten. Eines steht fest: unsere Seele braucht Tankstellen, dringender und nötiger denn je. Stress ist inzwischen die zweithäufigste Ursache von Erkrankungen verschiedenster Art geworden. Der beste Schutz ist die Achtsamkeit für sich selbst – und damit auch für andere. Und da gibt es doch bei näherem Hinsehen tatsächlich auch noch einige kostenlose Tankstellen im Leben: direkt in unserer Umgebung. Wir sollten sie nutzen.

Herzliche Grüße!

Ihr Pfarrer Tobias Reinhold