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Uhlstädt-Kirchhaseler Anzeiger
Ausgabe 2/2022
Natur und Umwelt
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Revitalisierung der alten Kirschplantage von Großkochberg am FFH-Gebiet 143 „Muschelkalkhänge um Teichel und Großkochberg“

Baumpfleger auf der Kirschplantage Großkochberg (Foto: Uta Bosse, 21.12.2021)

Kirschplantage Großkochberg (Foto: Sophie Heinrich, 11.07.2021)

Im November 2021 wurde mit dem Obstbaumschnitt auf der alten Kirschplantage in Großkochberg begonnen. Die Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V. als Träger der Natura 2000-Station „Obere Saale“ beauftragte hierfür die Grüne Liga, die in einem Zeitraum von 2 Jahren die Bäume fachgerecht pflegt. Die Umsetzung des Projekts dient der Wiederherstellung, Verbesserung und langfristigen Erhaltung der Streuobstwiese sowie der Sicherung von Lebens- und Brutstätten verschiedener Tierarten. Mit dem Grünland im Unterwuchs bietet die Kirschwiese vielen im Gebiet vorkommenden Tierarten, wie Vögeln, Fledermäusen oder Reptilien Nahrung, Lebensraum- und Reproduktionsmöglichkeiten. Da ein Großteil der Bäume vom Obstbaumsplintkäfer befallen ist, muss zudem ein Teil des Schadholzes entnommen werden. Bereits abgestorbene Bäume werden zu Habitatbäumen entwickelt. Beratend für die ganzen Maßnahmen im Projekt steht der gebürtige Großkochberger Hans-Jürgen Mortag zur Seite.

Der Großkochberger Verein Plan zwanzig18 e.V., der das Projekt 2020 mit angestoßen hat, konnte einiges zur Geschichte der Kirschplantage zusammentragen. Auf der ca. 5 Hektar großen Fläche befinden sich 340 Bäume die in den 1950er Jahren hauptsächlich von Walter Engelmann gepflanzt wurden. Die niederstämmigen Bäume dienten hauptsächlich zur Eigenversorgung der Großkochberger Bevölkerung mit Obst. Die Kirschen wurden für den Eigenbedarf gepflückt und von der Dorfgemeinschaft in Körben auf dem Rücken über die Debra nach Rudolstadt getragen. Später kaufte der Konsum im Ort jegliches Obst auf und lieferte es im damaligen Großhandel in Rudolstadt zur Weiterverarbeitung ab. Heute bewirtschaftet die Agrarproduktion GmbH Engerda-Heilingen die große Kirschplantage und nutzt diese als Schafweide.

Diese und weitere wichtige Informationen zur ökologischen Bedeutung von Streuobstwiesen wurden auf zwei Infotafeln zusammengefasst, die im Laufe des Jahres auf der Fläche aufgestellt werden. Die Tafeln werden als Rückwand großer Insektenhotels integriert. Und der Verein Plan zwanzig18 e.V. hat noch viel vor: Neben Nachpflanzungen von Obstbäumen auf der Fläche und Übernahme von „Baumpatenschaften“ für die Sicherung der Pflege der Jungbäume soll ein Wanderweg und eine Schutzhütte im oberen Bereich der Wiese entstehen. Von diesem ehrenamtlichen Engagement wird wahrscheinlich noch die nächste Generation profitieren.

Südlich von Großkochberg, nahe der Scherfmühle wurden diesen Winter eine Baumreihe und zwei Streuobstwiesen mit NALAP Mitteln gepflegt.

Das Projekt wurde aus Mitteln des Freistaats Thüringen und des Bundes zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes finanziert. Ansprechpartner für dieses und weitere Projekte ist die Natura 2000-Station „Obere Saale“, Mötzelbach 10, Uhlstädt-Kirchhasel, Telefon 036742/703014.