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Uhlstädt-Kirchhaseler Anzeiger
Ausgabe 2/2022
Leserpost
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Meine Erinnerungen: Albanien, du zauberhaftes Land an der Adria

Vor kurzem sah ich im Fernsehen eine Sendung über Albanien.

Da war mein Interesse geweckt. Ich konnte das reizvolle Land Albanien 1960 bereisen.

Eigentlich wollte ich nach Schweden, ganz allein. Ich war 18 Jahre alt.

Durch ein verlorengegangenes Papier meiner Reiseunterlagen bei der Polizei versicherte mir diese, mir eine andere Reise über Jugendtouristik anzubieten. Es war Albanien.

Ich solle am Telefon auf meiner Arbeitsstelle sofort zu- oder absagen. Mein Chef sagte: „Sag ja, fahr hin. Es wird sicher sehr schön sein.“ Er sollte Recht behalten.

Nach dreimaliger Anfahrt zum Sammelpunkt in Gera konnten wir endlich ab Berlin mit einer IL-18 fliegen. Wir hatten vorher Dias von Palmen, von der Adria, von Moscheen, von Basaren, von den Bergen und den Menschen gesehen. Es war traumhaft.

Wir flogen mit jugoslawischer Flugbegleitung. Eine 22-jährige und ich waren die einzigen Jugendlichen in unserer Reisegruppe. Wir zwei freundeten uns sehr schnell an.

Es war mein erster Flug und ich war restlos begeistert. Wir zwei durften sogar mit ins Cockpit. Viel zu schnell waren wir in Tirana, der Hauptstadt Albaniens am Fuße des Dajti-Gebirges, gelandet. Ich setzte das erste Mal in meinem Leben meinen Fuß in ein so fernes, fremdes Land. Vom Flugplatz aus sahen wir die Berge, Es war Oktober mit immer noch 30 °C. Die Temperatur war aber angenehm, anders als bei uns.

Ein Bus brachte uns in die Nähe von Durrës. In großen Zelten, direkt wenige Meter von der Adria aufgebaut mit kilometerlangen Sandstrand, sollten wir unsere Ferien verbringen.

Wie war die Freude groß. Es kamen noch mehr Urlauber, Jugendliche aus dem Erzgebirge. Wir richteten uns häuslich ein. Auf einer Seite im Zelt lagen sechs Luftmatratzen, auf der anderen Seite spannten wir Mädels eine lange Leine, um unsere Kleider und Petticoats aufzuhängen.

Von Tag an waren wir Jugendlichen eine gute Gemeinschaft. Wir unternahmen alles gemeinsam. In Liegestühlen haben wir uns bräunen lassen und in der Adria gab es viel Spaß beim Baden. Zwei junge Männer wollten mir das Schwimmen lernen – aber es gelang ihnen nicht.

Es gab auch Busausflüge. Wir fuhren nach Tirana, eine schöne Stadt mit vielen Gesichtern. Wir lernten Elbasan kennen. Die Stadt Durrës konnten wir bequem zu Fuß erreichen. Der große Hafen war sehenswert.

Eine Busreise brachte uns in die zerklüfteten Berge bis Kruja. Bei einem Zwischenstopp hatten wir an der einstigen Petrelaburg einen weiten Blick über die Berge.

Kruja ist untrennbar verbunden mit dem albanischen Fürsten Skanderbeg. Er ist die Verkörperung des jahrhundertelangen Ringens des Volkes um Freiheit und Unabhängigkeit.

Abends waren wir zu Veranstaltungen. Auf einem großen langen Podium spielte eine albanische Kapelle flotte Weisen für uns Urlauber. In der Nähe war auch ein großes Hotel am Strand. Wir besuchten es gemeinsam zum Tanz. Hin und Zurück liefen wir barfuß im Sand und die Schuhe in der Hand.

Eines Abends brachten junge Männer ein Akkordeon. Woher habe ich nie erfahren. Wir alle saßen im „Männerzelt“ und ich spielte unsere deutschen Schlager und Volkslieder. Bald war das Zelt brechend voll. Alle zog es zur Musik und wir haben viel gesungen.

In der Mitte unseres Zeltlagers standen auch feste Gebäude. Dort nahmen wir die Mahlzeiten ein. Es gab mehrere Gänge und das Essen schmeckte gut.

Im Sand gab es kleine Schildkröten. Wir haben Schildkrötenrennen durchgeführt und Tomaten in den Sand gelegt. Da sind sie gelaufen.

Wir waren auf großen Basaren immer gemeinsam und haben so viel mehr gesehen als die anderen Urlauber. Wenn die Sonne unterging, standen wir oft andächtig am Sandstrand und schauten diesem Glanz zu.

In unserem Gepäck hatten wir kleine Geschenke mitgebracht. Es war ein Freundschaftstreffen geplant. Wir versammelten uns alle im großen Speisesaal. Dazu kamen die Albaner und mischten sich unter uns. Ein junger Albaner setzte sich an meine Seite. Er war schwarzhaarig, 22 Jahre und sah gut aus. Wir hatten kleine Wörterbücher bekommen, damit wir uns verständigen konnten. Es war ein angenehmes Treffen für uns alle. Wir tauschten die Adressen aus und versprachen uns zu schreiben. Ich hatte ihm ein Tuch geschenkt. Darauf waren Bilder und Namen meiner näheren Heimat. Er zeigt auf die Heidecksburg in Rudolstadt auf dem Tuch und auf Rudolstadt auf meiner Adresse und freute sich. Er wollte mich auf unserem Zeltplatz noch einmal besuchen. Er gab Tag und Uhrzeit an und unser Reiseleiter war einverstanden. Er ist auch gekommen. Diese Brieffreundschaft hat mit ein paar Jahren Unterbrechung 30 Jahre gehalten.

Dann kam der Abschiedstag. Wir waren alle braungebrannt und packten unsere Koffer. Ich hatte einige Andenken und guten Malaka-Wein im Gepäck. So manche Träne floss als wir uns verabschiedeten. Wir zwei stiegen mit unserer Reisegruppe in den einen Bus und die Erzgebirgler in den Anderen.

In Jugoslawien landete unser Flugzeug und wir stiegen alle aus. Etwas entfernt hörten wir lautes „Germansky“ rufen. Alle winkten und wir winkten zurück. Es waren unsere Urlauber, gute liebe Menschen. Sie waren auch in Belgrad zwischengelandet.

Ich habe einen unvergessenen zweiwöchigen Urlaub in Albanien verbringen dürfen.

Wahrscheinlich wäre es in Schweden für mich nicht so schön gewesen.

Gudrun Sömmer, Zeutsch