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Uhlstädt-Kirchhaseler Anzeiger
Ausgabe 4/2021
Natur und Umwelt
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Sanierung des Teiches bei Töpfersdorf

Für mehr Vielfalt!

Manchmal werde ich von Kindern gefragt: „Was macht Ihr Förster denn so?“. Die Beantwortung sollte mir nach über 20 Berufsjahren eigentlich ganz leichtfallen. Aber gibt es da wirklich eine ganz einfache Antwort? Jedenfalls sind wir nicht nur dafür da, um auf die Tiere, die Bäume und den Wald insgesamt „aufzupassen“. Ein bisschen vielleicht! Ein paar Tiere werden im Rahmen der Jagdausübung sogar getötet, aus gutem Grund. Wir sind auch nicht nur dafür da, um den Sägewerken Sägeholz und den Menschen in unseren Dörfern Brennholz bereitzustellen. Ein bisschen aber doch, auf jeden Fall! Ganz nebenbei helfen wir damit auch noch dem Klima. In Wäldern, in denen Holz geerntet wird, wächst auch wieder welches nach. Genutzte Wälder nehmen ständig Kohlendioxid aus der Luft und wandeln es in Holz um, anders als Urwälder mit geschlossenen Nährstoffkreisen. Den Wanderern Naturerlebnisse und die eine oder andere Schutzhütte zu bieten, den Schulkindern Lernerlebnisse im, mit und über den Wald zu ermöglichen - auch das gehört zu unseren schönen Aufgaben. Quad-, Motocross- und illegale Autofahrer vom Wald fernzuhalten ist auch Bestandteil unseres vielfältigen Aufgabenportfolios. Letzteres ist weniger schön und oft verzweifelt man fast am Egoismus und der Uneinsichtigkeit mancher Mitbürger. Es gibt eben Licht und Schatten, wie bei jedem Beruf.

Frage: Was hat das mit dem Teich bei Töpfersdorf zu tun?

Antwort: Alles!

Erklärung: Wir Förster haben die Aufgabe, mitzuhelfen, dass der Wald seine vielfältigen Funktionen für Flora, Fauna und uns Menschen heute und in der Zukunft bestmöglich erfüllen kann. Eigentlich ganz einfach und trotzdem nicht so leicht zu erklären. Es sei denn, man hat so ein gutes Beispiel wie die Instandsetzung des Teiches im Töpfersdorfer Grund. So eine Aufgabe braucht eine Vielfalt an Mitstreitern von der Idee bis zur Fertigstellung. Wenn es gelingt, entsteht ein Biotop, welches später vielfältige Aufgaben erfüllen kann, wie der ganze Wald und wie wir Förster.

Bestimmt hat fast jeder Mensch in unserer Gemeinde schon mal etwas vom verlassenen Dorf „Töpfersdorf“ gehört. Die Einwohner früherer Zeit haben dort nicht nur von der Töpferei gelebt. Töpfersdorf war auch Beherbergungsstätte und Umspannort an einem einstmals wichtigen Handelsweg, der das Saaletal mit den bekannten Handelsstraßen der „Uhlstädter Heide“, z.B. dem „Schustersteig“, verband. Unterhalb der Kirchruine Töpfersdorf im Töpfersdorfer Grund dienten einstmals 3 Teiche der Fischzucht und damit als eine Nahrungsquelle für die dortige Bevölkerung.

Zeitsprung: Nach einem jahrzehntelangen kontinuierlich sinkenden Restwasserspiegel im letzten vorhandenen Teich war im Jahr 2019 nur noch eine Wildschweinsuhle dort zu finden, wo früher vermutlich Karpfen schwammen.

Die Idee, den Teich zu sanieren, wurde erstmalig 2016 von Mitgliedern des Arbeitskreis „Natur- und Umwelt Saalleiten“ und dem örtlichen Förster formuliert. Schließlich liegt der „Teich“ direkt am Entdeckerpfad Saaleiten und an einem Teich lässt sich eine Menge entdecken - Vielfalt eben. Drei zentrale Fragen mussten vor den Bautätigkeiten beantwortet werden:

1.

Reicht der Wasserzufluss in „normalen“ Jahren überhaupt noch aus, um den Teich zu füllen? Die Trockenjahre 2018 und 2019 lassen Schlimmes erahnen.

2.

Wer bezahlt das alles?

3.

Welche Genehmigungen werden benötigt und bekommen wir diese auch?

Fragen, welche die Realisierung vorerst verzögerten. Im Dezember 2019 wurden an verschiedenen Stellen im Oberlauf des Teiches Löcher gebaggert. Durchgeführt von Herrn Michel Grünert vom Bauhof der Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel, hydrologisch analysiert vom Ingenieurbüro Dr. Götze aus Jena und dem Ingenieurbüro Dr. Fischer aus Pößneck (Baugrund - Umwelt - Geologie) und finanziert vom mittlerweile gegründeten Verein „Natur und Umwelt Saalleiten e.V.“ (Baggerkosten), sowie ThüringenForst (Gutachten und Durchführung der gesamten Maßnahme), ergab sich jetzt schon eine vielfältige Gruppe von Beteiligten.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die Kombination aus Wasser im Unterboden, Quellzufluss und oberirdische Wassermengen (Regen, Schnee) ausreichen werden, den Teich zu füllen.

ThüringenForst, vertreten durch das Forstamt Neustadt, organisierte den weiteren Verlauf der Maßnahme finanziell und bautechnisch. Im Jahr 2020 wurden dem Forstamt Gelder für die „Instandsetzung des Löschwasserteiches im Töpfersdorfer Grund“ bereitgestellt. Klar, hier geht es nicht nur um einen Löschwasserspeicher im Falle eines Waldbrandes, aber eben auch! Es sollte ebenso ein attraktiver Rastplatz am Waldentdeckerpfad Saalleiten entstehen, ein Ort für Kinder und Erwachsene, um mitten in der Natur, umgeben von frischer Luft, zu spielen, zu bauen, Wassertiere zu entdecken, zu experimentieren und zu lernen, kurz ein „neues“ Kleinod in unserem Wald. Die kulturhistorische Bedeutung des Teiches der Töpfersdorfer direkt unterhalb der Wallfahrtskirche „Ruine Töpfersdorf“ liegt auf der Hand und lädt zum Nachdenken, Nachforschen und „Eintauchen“ in vergangene Zeiten ein. Natürlich entsteht mit so einer Oase auch ein wichtiges Reproduktionsgewässer und ein wichtiger Lebensraum für viele Amphibien und Reptilien. Beispielhaft sollen hier Berg-, Teich- und Kammmolch, Erdkröte, Grasfrosch, Eidechsenarten, Blindschleichen und Ringelnattern erwähnt werden, die bereits jetzt wieder hier „wohnen“. Mal sehen, wer noch so kommt. Ein vielfältiger Lebensraum ist heute schon entstanden.

Das alles war auch der Unteren Naturschutzbehörde unseres Landkreises schnell klar. Die Instandsetzung konnte darum ohne bürokratische Schwierigkeiten genehmigt werden.

Ab Herbst 2020 kamen die Bautätigkeiten in die „heiße Phase“. Die Forstkollegen des Maschinenbetriebes Gehren, unterstützt durch Forstwirte des Forstamtes Neustadt führten alle Tätigkeiten fachgerecht und zügig bis kurz vor Weihnachten durch.

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Öffnen des „alten“ Teichdammes

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Ausbaggern der Teichfläche und der Zuläufe

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Ausbaggern eines Kleinstteiches zum Sammeln des Quellwassers

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Einbau eines Sperrriegels aus Ton in den Teichdamm

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Einbau eines Mönchs, inklusive Grundablass

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Einbau eines Überlaufes

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LKW-fähiger Ausbau des Forstweges zum Teich

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Bau eines Fußweges, über den der Teich umrundet werden kann.

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Neubau und Befestigung des Teichdammes

Beim Öffnen des Teichdammes wurde ein Stück des ehemaligen historischen Grundablassrohres, bestehend aus einem bearbeiteten Kiefernstamm, gefunden. Das Ergebnis der Altersbestimmung liegt derzeit leider noch nicht vor.

Ich wünsche mir, dass der Teich bald vollständig gefüllt ist und seine vielfältigen Aufgaben bestens erfüllen kann. Vielen Dank an alle Beteiligten, die mit Ideen, Handeln und Finanzieren zum Erfolg beigetragen haben. Vielleicht begegnen wir uns ja bald mal im Wald, am Teich. Dort gibt es jede Menge Platz zum Spielen und viel zu entdecken. Ich würde mich freuen.

Zur Beantwortung der Eingangsfrage: Manchmal bauen wir Förster auch Teiche, für mehr Vielfalt!

Maik Meißner

Förster im Revier Weißbach