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Wurzbacher Stadtkurier Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Wurzbach
Ausgabe 2/2026
Nichtamtliche Bekanntmachungen
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Arbeitsgruppe Stadtgeschichte

Die Wurzbacher Hämmer

Nicht allein die zahlreichen Schlackenfelder in unserem Oberland zeugen von der einstigen Eisenindustrie, sondern vor allem sind es die Namen zahlreicher Mühlen in den Flusstälern, die uns an die Blüte der Hammerwerke erinnern.

In der Umgebung von Wurzbach liegen allein fünf einstige Hüttenwerke, davon am Zusammenfluss des Oßla- und Vogelbaches und im Langwassergrund der Obere Wurzbacher Hammer, oder wie er später hieß, das Benignengrüner Eisenhüttenwerk. Mit dem Besitzer wechselte das Werk auch häufig den Namen, so hieß es 1600 Fasoldshammer, 1659 Greinershammer, bis endlich 1703 das gesamte Schmelz- und Hammergut in den Besitz der Gemahlin des Grafen Heinrich X. Reuß-Ebersdorf, Erdmuthe Benigne, überging, wodurch es den Namen Benignengrün erhielt. Das Hüttenwerk bestand aus einem Hochofen mit Gießerei, einem Blechhammer mit Verzinnhaus und zwei Frischfeuern mit Stabhammer. Noch Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde das Werk periodisch betrieben. Nach dem letzten Besitzer heißt es im Volke auch der Stiehlershammer. An der Stelle des Hochofens steht jetzt eine Bilderrahmenfabrik, an der Stelle des Blech- und Stabeisenhammers eine Schneidemühle; die Brauerei und die Schenke erhielten sich bis in die jüngste Zeit.

Wie billig zu jener Zeit das Holz war, geht aus einem Vertrag hervor, nach dem Heinrich XV. Reuß-Lobenstein 1721 an die verwitwete Gräfin Benigne Reuß-Ebersdorf 30000 Lachter, die Lachter drei Ellen weit, 3 ½ Ellen hoch und jedes Scheit 1 ¾ Ellen lang, für 8 Groschen verkaufte. Das Holz sollte aus Buchen-Holz, Schürbäumen und Fichten-Holz bestehen. (1 Elle = 56,8 cm, also 1 Lachter = 3,367 ebm).

Unterhalb Wurzbachs an der Sormitz, liegt Solmsgrün, der sogenannte Untere Hammer. Auch dieses Werk wechselte mit dem Besitzer häufig den Namen. Ende des 16. Jahrhunderts war es im Besitz von Nicol Fasold, der auch den Oberen Hammer besaß; 1720 kaufte die Gräfin Benigne Reuß-Ebersdorf auch diesen Hammer von den Brüdern Michael und Hans Nickel Dittmar. Da sie eine geborene Gräfin zu Solms-Laubach war, nannte sie ihn Solmsgrün. Das Hüttenwerk bestand aus einem Blauofen und einem Stabhammer. Seit Mitte der 1860er Jahre steht es ebenfalls still, an seiner Stelle wurde eine Schiefertafelfabrik errichtet.

Ebenfalls an der Sormitz liegt der Klettigshammer, der schon vor dem 30jährigen Kriege bestand, aber 1827 einging. Die mit ihm errichtete Mahl- und Schneidemühle und die Hammerschenke blieben erhalten.

Die Silbererze des Silberberges bei Gahma wurden in einer Schmelzhütte an der Sormitz verhüttet, die von 1699 - 1732 bestand. An ihrer Stelle wurde 1806 ein Drahthütten- und Zainhammerwerk (besteht aus einem Schmiedefeuer und einem wassergetriebenen Schwanzhammer) errichtet und einige Zeit im Betrieb gehalten. Heute erinnert der Name der Drahtmühle noch an dieses Werk an der Sormitz.

Die einzige Hütte, die ihren Betrieb als Eisenwerk bis heute erhalten hat, ist die Heinrichshütte. Sie ist die jüngste der in der Umgegend von Wurzbach gelegenen Hütten.

Im Jahre 1729 gab Graf Heinrich XXIX. Reuß-Ebersdorf dem Schleizer Christoph Adam Mangold die Erlaubnis, gegen Entrichtung von 12 Gulden Erbzins ein Drahtwerk zu erbauen, das Wasser der Sormitz in einem Wehr zu fassen und nach dem Werk zu leiten, welchem er den Namen Heinrichshütte gab. Mangold betrieb es kurze Zeit, konnte es aber aus Geldmangel nicht halten, sondern geriet in Konkurs. Da sich kein Käufer für das Drahtwerk fand, stand es einige Jahre still, bis es 1747 der Pächter der Hammerwerke Solms- und Benignengrün, Conrad Rudolph, für 120 Gulden kaufte. Er erhielt die Erlaubnis, Bier und Branntwein auf dem Werk auszuschenken, welches er zu einem Eisen- und Kupferhammer umwandeln wollte. Er war aber verpflichtet, alle Eisen- und Kupfererze in erster Linie von den Gruben in der Pflege Hirschberg und auf Pottigaer Flur und erst, wenn hier keine vorhanden waren, in den Herrschaften Lobenstein und Ebersdorf zu kaufen. 1758 starb Conrad Rudolph. Sein Sohn Christian David erhielt die Heinrichshütte, auf der 10 Jahre später ein Brauhaus errichtet wurde. Im Jahre 1779 verkaufte er sie mit allen Gebäuden, Wohnhaus für den Besitzer, Wohnung für die Hammerschmiede und übrigen Gesellen, Pferdeknechtwohnung, Ställen, Scheunen und Brauhaus für 3000 fränkische Gulden (1 Gulden = 20 Groschen, 1 Groschen = 9 Pfennige) an eine Gesellschaft, an deren Spitze der Pfarrer Heinrich Christian Grünler in Naila stand. Von dieser ging sie 1782 auf die Familie Dittmar in Oberklingensporn über. Johann Heinrich Friedrich Dittmar verkaufte die bisher von Hammermeister Schreck aus Saalburg gepachtete, aus Blauofen und Stabhammer bestehende Heinrichshütte 1859 für 5143 Taler an die Hüttensteinacher Eisenwerksgesellschaft, behielt sich jedoch das Brau- und Schankrecht in seinem daneben neuzuerbauenden Hause vor. Dadurch wurde der Bierschank von der Hütte getrennt. Die Eisenwerksgesellschaft baute die Hütte nach den neuzeitlichen Grundsätzen um, errichtete einen Hochofen mit Zylindergebläse und eine Eisengießerei mit zwei Kupolöfen (Schachtofen zum Schmelzen von Eisenwerkstoffen bei Temperaturen bis 1600°C). Nachdem sie jedoch 1865 in Zahlungsschwierigkeiten geriet, verringerte sich der Betrieb der Hütte sehr stark. Sie wechselte mehrmals den Besitzer, hat sich aber bis heute als Eisengießerei erhalten.