Auszug aus der Schönauer Flurkarte (1873)
Das älteste Wohnhaus in Eichborn mit Bushaltestelle
In loser Folge sollen an dieser Stelle die kleinsten Ortsteile der Gemeinde Wutha-Farnroda vorgestellt werden. Berlinchen, Burbach, der Rehhof und der in den 1970er Jahren noch bewohnte Hof Hucheroda haben zum Teil schon im Mittelalter existiert. Im ersten Teil befassen wir uns mit Eichborn.
Der Schönauer Ortsteil Eichborn besteht gegenwärtig aus zwei bewohnten Häusern und befindet sich unmittelbar an der östlichen Gemarkungsgrenze und verdankt seinen Namen einer kleinen Quelle - dem „Eichborn“ sie befindet sich jetzt gefasst und somit unsichtbar geworden, unmittelbar östlich des Hauptgebäudes, welches vermutlich um 1870 erbaut wurde. In dem 1856 erstellten Urmesstischblatt ist an dieser Stelle noch kein festes Gebäude eingezeichnet.
Über die Geschichte dieses Ortteiles gibt es fast keine Nachrichten, es deuten sich aber Hinweise an, die hier, gestützt auf die Nachborte ein anschauliches Bild zeichnen.
Seit dem Mittelalter verlief von Eisenach kommend die südliche Route der Via Regia in Richtung Gotha, und Erfurt durch das Hörseltal. Diese Altstraße verlief quasi identisch der heutigen Hauptstraße von Eichrodt über Schönau, Kälberfeld und Sättelstädt, wo die Hörsel passiert werden musste. Für die einheimische Bevölkerung der genannten Orte, wie auch für die unzähligen Reisenden war die Benutzung der Straße mit Vorschriften und der Zahlung von Zoll für die mitgeführten Waren - und die Mautgebühren für die Benutzung des jeweiligen Straßenabschnitts verbunden. Diese Zahlstellen wurden bevorzugt an Brücken, Kreuzungspunkten und fast immer auch an Grenzübergängen verlangt.So befindet sich beispielsweise an der Sättelstädter Brücke ein denkmalgeschütztes Relikt aus dieser Zeit, eine hölzerne Tafel trägt den Namen „Zollscheune“. Der Ort Sättelstädt war bis 1918 Bestandteil von Sachsen-Coburg-Gotha, wie auch Sondra, Kälberfeld und Kahlenberg. Schönau, Deubach, Farnroda, Eichrodt und Wutha waren Sachsen-Weimar-Eisenach zugehörig. Eine Grenzübergangsstelle mit Schlagbaum war folglich im Nahbereich vom Eichborn zur Kontrolle der Ein- und Ausreisenden erforderlich. Die beiden Thüringer Teilstaaten traten 1834 dem Zollverein bei, wodurch zumindest die zeitaufwendige Ermittlung und Kassierung der Zollgebühren aufhörte.
Diese Binnengrenze war im 19. Jahrhundert auch für die Durchsetzung des Landfriedens und der Inneren Sicherheit von großer Bedeutung. Seit der Napoleonischen Besatzungszeit wurden entlang der Hauptstraßen Polizeiposten beauftragt, die unerwünschte Kleinkriminelle, auch Bettler, Vagabunten und Desserteure sowie politisch auffällige Eiferer am Grenzübertritt hindern sollten. Es wurden fast wöchentlich Steckbriefmitteilungen aus den angrenzenden Staaten übermittelt, um solchen Personen habhaft zu werden.
Die französische Besatzungszeit hatte auch einen positiven Einfluss auf die Benutzung der Hauptstraßen. Die jeweiligen Orte entlang der Hauptstraßen wurden für die Instandhaltung der Wege und Flussübergänge eingeteilt, die Verantwortung trug der jeweils zuständige Amtmann. In regelmäßigen Abständen wurden mit Bäumen beschattete Rastplätze und Brunnen oder Trinkwasserstellen geschaffen. Die Straßen erhielten meist steinerne Obelisken als Wegweiser, zudem wurden Meilensteine am Straßenrand gesetzt.
Der damalige Rastplatz am Eichborn mag in keiner zeitgenössischen Karte vorkommen, hatte aber für unsere Vorfahren und die Reisenden der damaligen Zeit eine gewisse Bedeutung. In den 1870er Jahren wuchs die Bevölkerung in den Orten rasch an, auch die bis dahin benötigte Genehmigung von einzeln stehenden Wohnhäusern abseits der Ortschaften nahm damit zu. Meist waren solche Häuser auch als Schenken oder Herbergen an Wegekreuzungen oder Brücken in Nutzung, das scheint wegen der geringen Bausubstanz hier nicht der Fall zu sein. Der Grund für die Errichtung des ersten Wohnhauses am Eichborn liegt noch im Dunkeln. Die sonstigen Gebäude am Eichborn entstanden erst in der DDR-Zeit.