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Hörsel-Zeitung
Ausgabe 6/2026
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Der Rehhof

MTBL5028 Kartenausschnitt von 1873

Der Rehhof im Juli 1991 [Quelle: Wikipedia Commons, im Verzeichnis Wutha (Wutha-Farnroda), - Fotograf Matthias Köhler]

Der Rehhof im Jahr 1986.

Die fast 100 m hohe Esse, einstmals die Landmarke im Hörseltal.

Die östlichen Teile der Gemarkung Wutha (Flur 17 und 18) waren seit dem Mittelalter zum Rehhof gehörig. Der noch bis 1991 sichtbare Gebäudekomplex aus Fachwerkhäusern, Stallungen und Scheunen wurde aufgegeben, um das dort benötigte Betonmischwerk zu errichten. Mitte der 1980er Jahre lebten vier oder fünf Familien auf dem Rehhof.

 

 

Die Gemarkung von Wutha-Farnroda und der umliegenden Höhen haben zum größten Teil relativ magere Böden, diese sind aus verwitterten Buntsandsteinschichten entstanden, deshalb war es für die einstigen Bewohner immer sehr mühsam, ihr täglich Brot zu erarbeiten. Eine Ausnahme bildeten die Randbereiche entlang des Hörselufers, hier dominierte die Viehzucht: Rinder-, Schweine- Geflügel- und Schafhaltung war auf den feuchten Uferwiesen und Weiden unproblematisch. An den einstigen Rehhof erinnert heute nur noch eine Bushaltestelle und das 1990 eröffnete Ausflugslokal „Rehhofstübchen“, es wurde schon 1929 als „Haus Wilhelmine“ erbaut.

 

 

Geschichtliches

Über die Entstehung des Rehhofes im Mittelalter liegen keine urkundlichen Belege vor. Die Ortschaften im unteren Hörseltal bis nach Sättelstädt waren seit dem 12. Jh. mit dem Eisenacher Nikolaikloster verbunden. Die Erträge gelangten auch an die in der Region ansässigen Adelsfamilien. In unserer Gemeinde waren das z.B. die Herren von Farnroda, die Wangenheimer, Uetterodts und die Burggrafen von Kirchberg.

Die verkehrsgünstige Lage an der Via Regia brachte für den Rehhof nicht nur Vorteile, es gab auch existenzbedrohende Zeiten mit Seuchen, Einquartierungen, Truppendurchzügen zu überstehen. Als Buße für die Beteiligung am Bauernkrieg 1525 hatte der Rehhof 9 Gulden zu zahlen.

Der Hauptort der Herrschaft Farnroda war über den „Rehhofer Weg“ direkt mit dem Gehöft verbunden. An exponierter Lage, unweit der heutigen Ruhlaer Straße, befand sich noch vor drei Jahrhunderten am Feldrand der Galgen von Farnroda. In Farnroda gibt es auch den Flurnamen „Schanze“ am östlichen Steilufer über dem Erbstrom, im Nahbereich der heutigen Nettokaufhalle. Er verweist auch eine zeitweise militärische Verschanzung. Ebenfalls militärisch klingt der Flurname „Generalsberg“ - heute eine teilweise bewaldete Anhöhe am Rehhof, dieser Name bezieht sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Episode aus dem Siebenjährigen Krieg.

Im September 1757 lagerten über eine Zeitdauer von drei Wochen zwei verbündete Heeresverbände in der Umgebung von Eisenach. Vom Gefilde im Osten, auf dem Pflugensberg sowie am westlichen und südlichen Stadtrand von Eisenach lagerten damals Reichstruppen. Vom Clausberg bis zum Rangenhof und weiter bis zur Werra bei Neuenhof lagerte eine französische Armee. Die gesamte Truppenstärke erreichte wohl 200.000 Mann. Beide Einheiten sollten sich ausruhen und auf eine zeitnahe Entscheidungsschlacht mit den Preußen in Thüringen vorbereiten. Die Generalität musterte gezielt die östlichen Vororte von Eisenach, es wurden Schanzarbeiten angeordnet, um Geschützstellungen und andere militärische Bollwerke im Gelände zu platzieren. Auf zwei geeigneten Anhöhen östlich vom Trenkelhof mit weitem Blick in das Nessetal sowie am Rehhof mit Panoramablick bis Sättelstädt sollten Zelte als Unterkunft für den Generalsstab aufgestellt werden. Das mögliche Schlachtfeld wäre somit im Bereich der Lupnitzorte und/oder im Hörseltal zwischen Kälberfeld, Farnroda und Seebach gelegen. Doch die gegnerischen preußischen Regimenter tappten nicht in diese Falle und gingen nicht zum Angriff über. Die biwakierte Reichsarmee und ihre französischen Verbündeten zogen deshalb noch 1757 unverrichteter Dinge ab, vorbei an Erfurt zog man in das Saaletal bei Naumburg. Dort erlitten sie auf dem unübersichtlichen Schlachtfeld von Roßbach (ein Vorort von Freyburg/Unstrut) eine schwere Niederlage.

Im Vorbeifahren am Rehhof konnte man noch Anfang der 1970er Jahre die stattlichen Wohn- und Stallgebäude, Scheunen und Schuppen, überwiegend in Fachwerkbauweise um einen weitläufigen Hof gruppiert, bestaunen. Auch die landwirtschaftliche Nutzung des ursprünglichen Rehhofes endete um 1990. Die letzten Familien wurden zum Teil auf den Mölmen umgesiedelt, die nun leerstehenden historischen Fachwerkbauten fielen in mehreren Abrisskampanien. An gleicher Stelle entstand wenige Monate später das heute noch genutzte Betonmischwerk.

 

 

Bereits in den 1970er Jahren war es mit der beschaulichen Idylle am Rehhof vorbei: ein Anschlussgleis vom Bahnhof Wutha wurde auf dem südlichen Reichsbahngeländestreifen bis dicht an den Rehhof errichtet, es entstand eine Art erweiterter Güterbahnhof mit jeweils separater Be- und Entladetechnik der Anliegerbetriebe. Im Bereich des heutigen Baumarktes in der Gothaer Straße, etwa 1,5 km östlich vom Bahnhof, wurde das Agrochemische Zentrum Wutha (ACZ) errichtet. Die damals mit einem Durchfahrgleis versehene, vor zwei Jahren teilsanierte Lagerhalle neben dem Rehhof war damals zentraler Stützpunkt für die Versorgung der LPGs im östlichen Altkreis Eisenach.

Etwa 1,0 km östlich vom Bahnhof Wutha befindet sich heute ein als «Hübner-Lagerparks» bezeichneter Komplex gegenüber der Tankstelle an der Gothaer Straße. Auf diesem Gelände waren mehrere parallele Gleise vorhanden. Der Staatliche Forstbetrieb Eisenach hatte in den 1970er Jahren hier einen neuen Holzverladeplatz erhalten, da nun in Eisenach alle vorhandenen schienengebundenen Verlademöglichkeiten vom AWE benötigt wurden. Das in den 1970er Jahren erbaute dreigeschossige Hauptgebäude wurde als Lehrlingswohnheim und Sozialgebäude für die Beschäftigten am Verladeplatz genutzt. Am Gleiskörper waren Schienenstränge und eine mobile Krananlage für das Beladen von Güterwagons vorhanden. Eine Reparaturwerkstatt für Forsttechnik und den Fuhrpark war ebenfalls in Wutha vorhanden.

Der Holzverladeplatz um 1980.

Am Beginn des Gleisanschlusses im Bereich des heutigen REWE-Marktes in Wutha befanden sich ursprünglich Verladerampen der PETKUS Fabrik, daran wurde eine Fläche ab Mitte der 1980er Jahre in Beschlag genommen, sie diente als separate Station für die Entladung der vorgefertigten Betonteile für die seit 1984 im Aufbau befindlichen Plattenbausiedlung. Per Schienentransport gelangten so maschinell vorgefertigte Bauteile aus dem Bau- und Montagekombinat Erfurt nach Wutha, auch Leitungsmasten, Rohrleitungen, Kabeltrommeln.

Das vorläufige Ende des damals 1,5 km langen Gleisanschlusses wurde ca. 1984 bis dicht an den westlichen Ortsrand von Schönau/Hörsel verlängert, Gesamtlänge nun 2,2 km. Das hier neu errichtete Fernheizkraftwerk sollte das neue Wohngebiet „Auf dem Mölmen“ und im weiteren Ausbau sogar Gebäude in Seebach versorgen. Es wurde kontinuierlich mit Braunkohle per Güterwagons beliefert, die beim Verbrennen entstandene Asche wurde in einer Schlucht am Gipfel des benachbarten Generalsberg deponiert. Damit war nach der Wende Schluss, das Heizwerk nutze dann bis zur Abschaltung Gasbrenner.

 

 

Bildernachweis

(1)

Der Rehhof im Juli 1991 [Quelle: Wikipedia Commons, im Verzeichnis Wutha (Wutha-Farnroda), - Fotograf Matthias Köhler]

(2)

Der Rehhof im Jahr 1986. Sammlung B. Siedentopf

(3)

Die fast 100 m hohe Esse Sammlung Bernd Siedentopf