Die Jubiläumsschützenscheibe
In diesem Jahr feiert Zella-Mehlis ein ganz besonderes Jubiläum: Im Jahre 1526 beurkundet erstmals der Chronist Pfarrer Kröhn mit einer Rechnung die hohen finanziellen Ausgaben der Gemeinde Mehlis für Pulver und Blei im Schießhaus.
Sicherlich wurde schon vor diesem Datum in unserer Region eifrig geschossen, doch die Geschichtsschreiber legten wohl früher keinen Wert auf eine Berichterstattung oder Zeitdokumente wurden durch Feuersbrünste vernichtet.
Mit der Entdeckung der Eisenerzlager wurden die hiesigen Waldarbeiter zu Bergleuten und Metallhandwerker.
Die Erzgewinnung und Verarbeitung wurde zur dominierenden Erwerbsquelle. Vom Ende des 12. Jahrhunderts bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wurden in unserer Region über 76000 Tonnen Eisenerz gefördert.
Der Historiker Dr. Herbert Kallsen beschrieb in seinem Buch “Feuerlohe und Eisenklang“ das 16. Jahrhundert: “Der Eisenbergbau am Eisenberg bei Mehlis wird als sehr alt und bedeutend geschildert. In 4 Erdstollen sind so viele Knappen und Stollner beschäftigt, dass die Einsetzung eines eigenen Bergmeisters und zweier Berggeschworenen nötig wird“.
Der Wald lieferte die Holzkohle und der Lubenbach mit seinen zahlreichen Zuflüssen bot den Mühlrädern die notwendige Energie für die Hammerschmieden. Mit diesem Reichtum waren günstige Voraussetzungen vorhanden für den Broterwerb unserer geschickten und fleißigen Vorfahren.
Berufe wie Nagelschmiede, Kettenschmiede, Hufschmiede und Feilenhauer blühten auf.
Nach 1318 brachten Büchsenmacher aus Nürnberg die Kunde zur Herstellung von Feuerwaffen nach Suhl.
Die Verarbeitung großer Mengen an Erz trieb auch die Entwicklung der Feuerwaffen voran, die rasch die gebräuchlichen Bogen, Speere und Schleudern ablösten.
Anfangs waren es kurze Handrohre, aus Bronze gegossen. Ab etwa 1400 wurden die Rohre aus Eisenbändern um mehr als 1 Meter lange Eisenstäbe geschmiedet.
Die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, besonders der 30-jährige Krieg, führten dazu, dass unsere Region zur europäischen Waffenschmiede wurde. In Mehlis und Zella St. Blasii arbeiteten im Jahre 1642 über 140 Büchsenmacher.
Der Chronist von Zella St. Blasii, Oberpfarrer Buddeus schrieb im 19. Jahrhundert: “Die in Zella St. Blasii, Mehlis und Suhl gefertigten Waffen haben die Bewohner dieser Orte also vor größerem Unheil bewahrt. Hier wurde der Unfriede der Welt zur ernährenden Macht“.
Der derzeitig immer noch anhaltende Unfriede in der Welt zeigt uns aber, dass eine weitere Anhäufung der Waffen der falsche Weg ist.
Der hiesige Schützenverein SV-SK bereitet in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ein umfangreiches Programm vor, um das Jubiläum würdevoll zu begehen.
Am 17.05.26 wird das Festbuch zur Feier in der Beschussanstalt vorgestellt. Eine Buchlesung mit dem Autor Alf Treumann findet im Juni auch in der Beschussanstalt statt.
Während eines Schießwochenendes vom 04. bis 06. Sept. werden eine Vielzahl von Schützenprogramme angeboten und das diesjährige Stadtfestschießen steht ganz im Zeichen des Jubiläums.
Alf Treumann