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Stadt Anzeiger
Ausgabe 12/2026
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500 Jahre Schützenwesen in Zella-Mehlis: Waffenschmiede Zella-Mehlis

Die im Mittelalter verwendeten Waffen für Jagd und Krieg, die Armbrüste, Bogen und Speere, wurden rasant durch die Feuerwaffen abgelöst. Obwohl die alten Waffen, vor allem die Armbrüste, noch lange im Gebrauch blieben. Doch die Entwicklung ließ sich nicht aufhalten und zum Ende des 14. Jahrhunderts waren die Feuerwaffen schon weit verbreitet.

Besonders im Raum um Zella-Mehlis waren die Bedingungen für die Herstellung von Feuerwaffen durch das Vorhandensein von Erz, Holzkohle und Wasserkraft und einem fleißigen und geschickten Menschenschlag besonders günstig.

Zügig ging die Entwicklung der Feuerwaffen voran. Die von vorn mit Pulver und Blei geladenen Gewehrrohre wurden anfangs mit einem glühenden Draht, später mit einer Lunte zur Zündung gebracht. Das von einem Nürnberger Uhrmacher erfundene Radschloss brachte die Produktion der Waffen weiter voran. Der Dreißigjährige Krieg verschlang eine Unzahl von Waffen, so dass die hiesigen Büchsenmacher reichlich Aufträge hatten. Allein in Mehlis beschäftigten sich um 1642 106 Büchsenmacher mit der Herstellung von Waffen. Viele Hammerschmiede und ein Schmelzofen waren ständig im Betrieb. Im Jahre 1593 lieferte Zella-St.Blasii Waffen nach Polen, Dänemark, England, Spanien, Italien und Ungarn.

Ununterbrochen tüftelten die Büchsenmacher an neuartigen Produkten. Es wurde versucht, die Gewehre von hinten zu laden. Patronen in vielfältiger Art kamen aber erst mit der Erfindung des Zündhütchens in einer Messing- oder Kupferhülse zum Erfolg. Der Weg für das Perkussionsgewehr war frei.

Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten in den Berufen Schmiede, Büchsenmacher, Schäfter und Graveure viele Hundert Bewohner. 

1901 übernahm der bekannte Erfinder und Konstrukteur Heinrich Ehrhardt das Waffenwerk von Dreyse. Die patronierte Munition führte zur Herstellung von Mehrladewaffen, die mit verschiedenartigen Magazinen bestückt waren. Chroniken belegen, dass 1890 über 220.000 Handfeuerwaffen hergestellt wurden.

Das Zella-Mehliser Stadtbuch von 1929 beschreibt folgende Anzahl von Gewerken: 98 selbständige Büchsenmacher, 51 Schäfter, 11 Rohrmacher, 8 Graveure, 5 Brünierer.

Ihnen standen zur Verfügung: 1 Gesenkschmiede, 37 Waffenfabriken, 17 spezielle Gewehrfabriken.

Solche weltbekannten Firmen wie Walther, Anschütz, Weihrauch führten die große Riege der Waffenfabrikanten an. Leider mussten sie ihre Produktion immer wieder den Bedürfnissen der Kriege anpassen.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden diese verzweigten Strukturen zerschlagen. 29 Waffenfirmen, die ihre Wurzeln in Zella-Mehlis hatten, haben sich inzwischen in Deutschland angesiedelt.

2 renommierte Firmen haben heute ihren Sitz in Zella-Mehlis: Die Firma Dr. Jörg Schilling und die Firma Ziegenhahn und Sohn.

Alf Treumann

 

 

Mehr über die Geschichte und die Schützentradition erfahren Sie im Buch „500 Jahre Schützenwesen Zella-Mehlis“. Die Vorstellung des Buches findet am 25. Juni 2026 um 18 Uhr im Stadtmuseum Beschußanstalt statt.