Was könnte besser zum stillen Tag zwischen Karfreitag und Ostern passen als das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms? Brahms, der die Bibeltexte für seine Komposition selbst auswählte, richtet sein Werk nicht an die Toten, sondern an die Hinterbliebenen – an die trauernden Menschen, die von geliebten Angehörigen Abschied nehmen müssen. So beginnt der erste Satz mit den tröstenden Worten: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“
Am Karsamstag erklang dieses eindrucksvolle Werk in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Evangelist in Groß-Winternheim. Als Solisten wirkten Marina Lukas (Sopran) und Hans-Christoph Begemann (Bariton). Begleitet wurden sie vom Kammerchor und -Orchester der Jugenheimer Passionsmusiken unter der Leitung von Csaba Grünfelder.
Neben der bekannten Fassung für großen Chor und Sinfonieorchester schuf Brahms selbst auch eine reduzierte Version für Chor und zwei Klaviere. In Groß-Winternheim erklang nun eine neue Bearbeitung für Kammerchor (24 Sängerinnen und Sänger) und ein Kammerorchester mit fünf Streichinstrumenten, Bläserquintett, Pauken und Harfe. Diese Besetzung vermochte es auf beeindruckende Weise, die klangliche Fülle des großen Orchesters zu evozieren, ohne an Transparenz zu verlieren. Gerade in der intimen Atmosphäre der Kirche entfaltete diese „kleine“ Besetzung ihre besondere Wirkung.
Mit ihrer klaren, fast engelsgleichen Stimme überzeugte Marina Lukas in der Arie „Ihr habt nun Traurigkeit“ durch einen glockenreinen Sopran und fein nuancierte Gestaltung.
Tief bewegt und teilweise mit Tränen in den Augen dankten in der voll besetzten Kirche die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer der ergreifenden Aufführung mit lang anhaltendem, stehendem Applaus.