In seiner Sitzung am 11. Juni 2026 im Bürgerhaus hat sich der Ortsbeirat Großwinternheim mit zwei für den Ort zentralen Zukunftsthemen befasst: einem konkreten Konzept zur Nahversorgung und der überarbeiteten Planung für den Ausbau der Landesstraße L 428. Daneben ging es um die Erneuerung der Schilder des historischen Rundgangs.
Erstmals liegt für Großwinternheim ein konkretes Konzept zur Verbesserung der Nahversorgung vor. Eine Beraterin und REWE-Kaufmann Markus Brzezina stellten das Modell eines „Smart Store“ vor: ein vollautomatisierter kleiner Supermarkt in modularer Bauweise, der rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche geöffnet ist und ohne Personal auskommt. Der Zugang erfolgt per Bank-/Kreditkarte oder App, bezahlt wird bargeldlos am Self-Checkout. Angeboten werden sollen Lebensmittel des täglichen Bedarfs – von Backwaren über Frischeprodukte bis zu regionalen Erzeugnissen, gerne auch unter Einbindung der örtlichen Winzer. Das Sortiment soll laufend an die Wünsche der Kundschaft angepasst werden. Betrieb, Befüllung und Wartung lägen vollständig beim Betreiber.
Als Standort wurde der Parkplatz am Bürgerhaus vorgeschlagen – zentral gelegen, fußläufig und barrierefrei erreichbar. In der Diskussion zeigte sich allerdings, dass dort noch einige Fragen zu klären sind: Die Stellplätze sind baurechtlich dem Bürgerhaus zugeordnet, die Fläche wird für die Kerb benötigt, und das Gefälle des Parkplatzes erschwert die Aufstellung. Geprüft werden sollen daher auch Alternativen im Umfeld der Hauptstraße. Der Ortsbeirat begrüßte die Initiative einhellig und bat zugleich um Verbindlichkeit: In der nächsten Sitzung soll ein Zeitplan mit Meilensteinen vorgestellt werden. Klar ist: Mit der Schließung der letzten Bäckerei in Schwabenheim im Juli wird das Thema Nahversorgung für Großwinternheim noch drängender – hier bietet sich nun eine echte Chance.
Der Ortsbeirat hatte sich bereits im Februar kritisch zur damaligen Ausbauplanung des Landes für die L 428 zwischen Großwinternheim und Schwabenheim geäußert und seine Stellungnahme direkt an das Land gerichtet. Diese Bemühungen haben sich ausgezahlt: Bei einem Abstimmungsgespräch beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Worms am 12. Mai wurden zentrale Anliegen aufgegriffen. Die wichtigste Nachricht: Die zunächst angedachte monatelange Vollsperrung der L 428 ist vom Tisch. Stattdessen wird der neue Geh- und Radweg während der Bauzeit als örtliche Umleitungsstrecke genutzt – die offizielle Umleitung über L 426 und A 60 mit rund 25 Kilometern wäre für Pendler, Betriebe, Busverkehr und Rettungsdienste nicht zumutbar gewesen. Der Weg wird dafür auf drei Meter verbreitert, tragfähig ausgebaut und bleibt dauerhaft erhalten; gebaut wird in zwei Abschnitten mit Ampelregelung.
Für die Landwirtschaft werden parallele Wirtschaftswege auf Kosten des Landes angelegt, sodass landwirtschaftlicher Verkehr, Radfahrer und Fußgänger künftig entflochten sind – ohne zusätzliche Abstandsauflagen bei der Bewirtschaftung der Weinberge. Straßennahe Ausgleichsflächen werden reduziert; dafür sucht das Land eine externe Ausgleichsfläche von rund 3.000 m². Wer hierfür geeignete, verkaufsbereite Flächen kennt, kann sich gerne an den Ortsvorsteher oder die Verwaltung wenden.
Der Ortsbeirat empfahl einstimmig, der Planung als Grundlage für das Planfeststellungsverfahren zuzustimmen. Mit der Zustimmung verbindet er die Bitte, die Anregungen des Bauern- und Winzervereins im weiteren Verfahren zu berücksichtigen – unter anderem eine möglichst flache und geschwungene Einmündung des neuen Wirtschaftsweges, eine gerechte Verteilung der Ausgleichsflächen zwischen den Gemarkungen Großwinternheim und Schwabenheim, den Erhalt wichtiger Zufahrten zu den Weinbergen und Betriebsgrundstücke sowie die dauerhafte landwirtschaftliche Nutzbarkeit der Querung des Landgrabens. Die abschließende Entscheidung trifft der Bau- und Planungsausschuss am 23. Juni. Das Planfeststellungsverfahren kann frühestens im September 2027 eingeleitet werden; bis zum Baubeginn wird noch einige Zeit vergehen.
Auf Antrag der CDU-Fraktion befasste sich der Ortsbeirat mit den verwitterten und teils nicht mehr lesbaren Tafeln des historischen Rundgangs. Die gute Nachricht aus der Verwaltung: Die Erneuerung ist bereits in Arbeit. Die Texte werden derzeit inhaltlich überarbeitet und historisch aktualisiert, anschließend folgt das neue, stadtweit einheitliche Layout. Die Arbeiten sollen Ende 2026 abgeschlossen sein, die neuen Tafeln werden 2027 aufgestellt. Das Konzept wird zuvor im Ortsbeirat vorgestellt.
Aus den Mitteilungen: Am Häuserweg wird eine weitere Wellenbank aufgestellt, die bestellte Mitfahrerbank erhält in Kürze ihren Standort. Das Sportplatzgebäude wird planmäßig im Sommer fertig. Beim Glasfaserausbau sollen die letzten Lücken geschlossen werden, sodass die Anschlüsse nach Auskunft der Deutschen Glasfaser bis Jahresende nutzbar sein sollen.
Christian Fürst
Ortsvorsteher