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Ingelheimer Kurier
Ausgabe 37/2020
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Wohndialog: Viel Interesse an Auftaktveranstaltung im WBZ

Mehrere „Aha-Erlebnisse“ rund um das Thema Wohnen gab es im großen Saal des WBZ. Zur Auftaktveranstaltung des Wohndialogs mit Oberbürgermeister Ralf Claus waren etwa 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger anwesend und sahen sich den Vortrag von Andreas Hofer an. Der Schweizer Architekt und Intendant der Internationalen Bauausstellung IBA27 in Stuttgart präsentierte vielfältige Beispiele von zukunftsweisenden Wohnimmobilien und -quartieren, die unter Einbeziehung von Kriterien einer nachhaltigen Stadtentwicklung umgesetzt wurden. Die Bandbreite reichte vom Umbau eines Einfamilienhauses in ein barrierefreies Wohnprojekt bis hin zur Erstellung eines neuen Wohnquartiers am Reißbrett. „Die Knappheit von Wohnraum ist keineswegs ein neues Phänomen des 21. Jahrhunderts. Aber natürlich ist heute vor allem ein möglichst breiter Dialog wichtig, um gemeinschaftliche Wohnprojekte sinnvoll umzusetzen. Dann ist ein solcher Transformationsprozess auch eine große Chance“, zeigte sich Hofer überzeugt von der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Nach der Präsentation gab es zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum, die von Hofer, OB Claus und Philipp Laur, Leiter des Amtes für Bauen und Planen, aufgegriffen wurden. Vor allem das Thema des mehrgeschossigen Bauens wurde diskutiert. „Mein Aha-Moment des Abends ist auf jeden Fall, dass Verdichtung und mehrgeschossiges Bauen nicht unbedingt abzulehnen sind“, so eine Bürgerin. Philipp Laur schlug einen ähnlichen Ton an: „Die Existenz von Einfamilienhäusern und mehrgeschossigem Wohnungsbau nebeneinander kann sich ergänzen und birgt nicht zwangsläufig Probleme.“ Neben dem Ausblick auf mögliche Projekte der Zukunft sprachen einige Personen im Publikum aber auch die handfesten Schwierigkeiten an, die sich aktuell bei der Suche nach Wohnraum in Ingelheim ergeben. Preisexplosion und akuter Mangel an Wohnraum machen Familien, Senioren und auch Alleinstehenden zu schaffen, wie auch Oberbürgermeister Claus anmerkte: „Die Problematik reicht bis weit in die Mittelschicht hinein. Ob Krankenschwester, Kassiererin, Handwerker oder Erzieherin: für alle Menschen mit einem mittleren Einkommen können wir keinen bezahlbaren Wohnraum mehr bieten.“ Umso drängender sei die Thematik unter Miteinbeziehung der Bürgerschaft, denn ein Patentrezept für den Wohnungsbau der Zukunft gebe es nicht, wie Architekt Hofer bestätigte. Dass im Fall von Ingelheim hierbei vor allem die Nachverdichtung eine Rolle spielen wird, daraus machte Claus keinen Hehl: „Ein urbaneres Ingelheim wird wohl nötig sein, weil wir als Stadt einfach nicht mehr so leicht an neues Bauland kommen.“

Zum Abschluss warben Claus und Kristina Oldenburg, die mit der Beratungsfirma KOKONSULT den Wohndialog begleitet, für die Website www.ingelheim-wohnt.de, dort kann auch ein Mitschnitt des Vortrags als Video abgerufen werden. Künftig sollen dann weitere Veranstaltungen zum Thema stattfinden, über die die Stadt rechtzeitig informieren wird. „Es ist nun wirklich eines der komplexesten, aber auch spannendsten Themen für unsere Stadt. Darum freue ich mich auf die Beteiligung und Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger“, beschloss Ralf Claus den Abend.