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Ingelheimer Kurier
Ausgabe 42/2020
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Stadt zieht sich aus Krankenhausprojekt zurück – Insolvenzverfahren ist die Folge

Die Stadt Ingelheim hat beschlossen, keine weiteren Mittel mehr für das Krankenhaus Ingelheim zur Verfügung zu stellen und sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Infolge dessen hat die Krankenhaus Ingelheim GmbH am 7. Oktober 2020 Insolvenz beantragt. Das Amtsgericht Bingen hat Herrn Dr. Rainer Eckert als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Im April diesen Jahres hat die Stadt Ingelheim entschieden, das Krankenhaus Ingelheim auch vor dem Hintergrund der beginnenden Corona-Pandemie vor der Schließung zu bewahren und den Betrieb durch eine neue Gesellschaft zu übernehmen und umzustrukturieren. Verwaltung und Rat, dem die damalige Entscheidung sehr schwer gefallen war, haben beim Kauf stets betont, dass dieser „letzte Rettungsversuch“ auch scheitern kann. Ziel war neben der Sicherstellung von Bettenkapazitäten für Corona-Patienten eine Umstrukturierung des Krankenhauses in ein „Intersektorales Gesundheitszentrum“ (IGZ). Dieses sollte stationäre und ambulante Strukturen an einem neuen Standort verbinden und mittelfristig zu einem positiven Ergebnis führen.

Die jetzt vorliegende Aufarbeitung der aktuellen Situation durch die (Interims-)-Geschäftsführung von Borchers & Kollegen ist im Ergebnis ernüchternd. „Die Auswirkungen der letzten drei Jahre, vor allem die der Insolvenzzeit, sind leider größer als gedacht.“ so Dr. Jan Schlenker, Interimsgeschäftsführer der Krankenhaus Ingelheim GmbH. Trotz eingeleiteter Sanierungsmaßnahmen ist mit einem deutlich höheren Liquiditätsbedarf zu rechnen. Daneben ist auch klar geworden, dass die Umsetzung des wirtschaftlich erforderlichen „IGZ-Konzeptes“ nicht in dem erwarteten Zeitraum möglich sein wird. Damit werden auch erhebliche Instandhaltungsmaßnahmen in das jetzige Gebäude unumgänglich. Es war jedoch das Ziel, diese unbedingt zu vermeiden. „Die Höhe der dafür insgesamt notwendigen Mittelzuflüsse stehen in keinem Verhältnis zur Erfolgseintrittswahrscheinlichkeit“, erklärt Dr. Schlenker.

Oberbürgermeister Ralf Claus zur aktuellen Entscheidung: „Die Gremien der Stadt Ingelheim als Gesellschafter und der Aufsichtsrat haben in Abwägung aller Aspekte – insbesondere der Chancen und Risiken für die Stadt insgesamt - entschieden, keine weiteren städtischen Mittel mehr zur Verfügung zu stellen.“

Für die Stadt Ingelheim hat sich allerdings nach wie vor nichts an der grundsätzlichen Zielsetzung geändert, dass dass man auch im Falle einer möglichen Schließung des Hauses neben stationären Angeboten auch zukunftsfähige und nachhaltige ambulante ärztliche Versorgungstrukturen entwickelt und langfristig sichergestellt werden müssen. Hierzu wurden und werden Gespräche mit potentiellen Partnern geführt. „Es liegen z.B. bereits erste konzeptionelle Überlegungen mit einem Krankenhausträger aus der Region zur Entwicklung gemeinsamer Gesundheitsstrukturen und einer Notfallversorgung in der Region Ingelheim-Bingen vor“, so Claus.

Der vom Amtsgericht eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter wird jetzt in Zusammenarbeit mit dem Gläubigerausschuss die Amtsgeschäfte übernehmen und zunächst alle Möglichkeiten für das Krankenhaus und die Belegschaft prüfen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden offen und transparent über die aktuelle Situation informiert. Der Betrieb des Krankenhauses wird zunächst uneingeschränkt fortgeführt.