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Friedrichsthal Aktuell
Ausgabe 12/2018
Aus unserer Stadt
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Edelkastanie ergänzt den Baumbestand auf dem Hoferkopf

v.l.n.r.: Bürgermeister R. Schultheis, Robert Weber, Manfred Maurer, Bernhard Quint

Bernhard und Helmut Quint

Die Baumpflanzaktionen auf Initiative des örtlichen SaarwaldVereines gehören zu den beliebten Traditionen innerhalb der Stadt Friedrichsthal. In diesem Jahr fand man wieder auf dem Hoferkopf zusammen, um in unmittelbarer Nähe zu dem Spielplatz die von fachkundigen Kräften des städtischen Baubetriebshofes vor wenigen Tagen gepflanzte Edelkastanie zu begutachten.

Vereinsvorsitzender Bernhard Quint konnte zahlreiche Vereinsangehörige und interessierte Gäste bei dieser stimmungsvollen Feier begrüßen. Seit Jahren pflegt der SaarwaldVerein diese Tradition, die auf eine US-amerikanische Initiative aus dem 19. Jahrhundert zurückgeht und in der Bundesrepublik erstmals im Jahre 1952 begangen wurde. Wenngleich der eigentliche Tag des Baumes alljährlich am 25. April stattfindet, so hatte man sich der besseren Startchancen wegen für eine vorgezogene Pflanzung der Edelkastanie entschieden.

Bernhard Quint stellte gelegentlich seiner Begrüßung heraus, dass der Star als Vogel des Jahres heuer besondere Aufmerksamkeit erfährt. Vor Jahren war er in Deutschland noch sehr zahlreich. Wie viele andere Vögel, so leidet auch der Star unter der rapide sinkenden Insektenpopulation.

Den Tieren geht das Futter aus, dies ist Folge der Verwendung von Insektiziden, aber auch die Veränderungen in der Landwirtschaft und die für Insekten und Vögel wenig geeignete Gestaltung von Nutz- und Hausgärten. Vereinskamerad Winfried Becker betonte, dass die Bürger selbst mit einer naturnahen Gestaltung ihres Hausumfeldes viel für den Bestand an Insekten und Vögeln unternehmen könnten.

Der SaarwaldVerein und der Bienenzuchtverein Friedrichsthal haben ein gemeinsames Projekt auf den Weg gebracht und damit sowohl etwas für die „Kinderstube“ der Vögel als auch für die Wildbienen getan. Der SaarwaldVerein in Person von Bernhard Quint und Otto Flammann hat 10 Nistkästen für Höhlenbrüter auf dem Hoferkopf platziert, während Werner Risch mit Unterstützung von Vereinskameraden aus dem SaarwaldVerein 10 Nisthilfen für Wildbienen an geeigneten Stellen rund um den Hoferkopf angebracht hatte.

Der SaarwaldVerein kümmert sich in diesem Jahr wieder darum, rund um den Hoferkopf die Ruhebänke zu restaurieren, mit dabei ist auch die beliebte Rundbank an der schönen Aussicht.

Bürgermeister Rolf Schultheis begrüßte den Ersten ehrenamtlichen Regionalverbands-beigeordneten Manfred Maurer sowie vom Fachdienst Regionalentwicklung und Planung des Regionalverbandes Herrn Robert Weber.

Letzterer ging fachkundig auf die Bedeutung der Ess-Kastanie ein, die ihren deutschen Namen erst im 15. Jahrhundert bekam. Der Name wurde vom lateinischen Baumnamen ‚castanea‘ entlehnt, den die Römer wiederum von den Griechen (‚kastana‘) übernommen hatten. Die Esskastanie weist eine vielhundertjährige Kulturgeschichte auf. Im nordöstlichen Teil Anatoliens, begann vermutlich die Kulturgeschichte der Ess-Kastanie. Später waren es dann die Griechen, die die Kultivierung und Veredelung der Ess-Kastanie weiterentwickelten und ihre Erfahrungen dann auch in ihren Kolonien im gesamten Mittelmeerraum verbreiteten. So kam das Knowhow auch ins aufstrebende Römische Reich und mit den Römern letztlich dann nach Mittel- und Westeuropa.

Obwohl außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets, hat die Ess-Kastanie in Südwestdeutschland ausreichend warme Standorte gefunden, auf denen sie sich voll entfalten und wohl auch längerfristig behaupten kann. Auch im übrigen Deutschland und noch weiter nördlich, in Dänemark und Südschweden, ist die Ess-Kastanie anzutreffen. Doch befindet sie sich dort eindeutig außerhalb ihres klimatischen Optimums. Sie kann zwar auch in diesen Regionen zu eindrucksvollen Bäumen heranwachsen, allerdings reifen ihre Früchte hier nur in Jahren, in denen das sommerlich warme Wetter bis in den Herbst hinein anhält.

Die Ess-Kastanie wird in diesen Gebieten meist als Garten-, Park- oder Alleebaum, gelegentlich auch als Forstbaum gepflanzt.

Wer einmal ihre auffallend gelblichweiße Blütenpracht gesehen hat, die die gesamte Baumkrone im Frühsommer überzieht, wer einmal erlebt hat, wie im Oktober ihre großen, runden, mit unzähligen Stacheln besetzten Früchte herunterfallen, aufplatzen und die wunderschönen, mahagonibraun glänzenden Kastanien mit der zart behaarten weißen Spitze freigeben, der wird diesen Baum nicht mehr vergessen.

Wer es dann noch versteht, aus diesen Kastanien Suppen, Bratenfüllungen, Süßspeisen, Torten, Brot oder schlicht „Heiße Maroni“ zu fabrizieren, der zählt diesen Baum bestimmt schon längst zu seinen Lieblingsbäumen. Die Edelkastanie kann bis zu 200 Jahre alt werden und erreicht mitunter eine stattliche Höhe von rund 25 Metern.

Manfred Maurer, der in den zurückliegenden Jahren bereits mehrfach Gast beim Tag des Baumes in Friedrichsthal war, überbrachte die herzlichen Grüße von Regionalverbands-direktor Peter Gillo.

Zum Abschluss des offiziellen Teiles intonierten Bernhard –mit Gitarre- und Helmut Quint zünftige Wanderlieder – unter anderem „Wohlauf in Gottes schöne Welt“, wobei sich die wohl gestimmten Gäste dieses Nachmittages nicht lange bitten ließen und kräftig mit sangen.

Der Veranstaltung schloss sich noch ein gemütliches Beisammensein aller Gäste in der rustikalen Hoferkopfhütte an.