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Sulzbacher Umschau
Ausgabe 20/2026
Geschichte der Woche
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Seit 60 Jahren ein Sulzbacher: Besonderer Jahrestag für Vito Bertucci

 

„Ich bin ein stolzer Sulzbacher“, sagt Vito Bertucci. Der gebürtige Italiener stammt aus Simbario, kam vor genau 60 Jahren nach Deutschland, wohnte in Dudweiler und zog schließlich nach Sulzbach, genauer gesagt nach Altenwald. Man sieht: Das Leben des 77-Jährigen war eine Zeit lang wechselvoll. Mit viel Mut, Hoffnung und dem Wunsch, sich hier eine Zukunft aufzubauen, begann er seinen Weg in der Stadt, die für ihn längst zur Heimat geworden ist. Und Heimat ist eines der wichtigen Themen in Bertuccis Leben, denn er war langjähriges Mitglied im Ausländerbeirat der Stadt.

Aber der Reihe nach. Geboren wird Vito Bertucci als zweitältestes von acht Kindern in Italiens Südwesten, in der Region Kalabrien. Sein Herkunftsort Simbario zählt heute rund 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt in der Provinz Vibo Valentia. Als junger Bursche, „mit 17 Jahren und drei Monaten“, wie er erzählt, kommt er nach Deutschland, wohnt zuerst im Herrensohrer Weg in Dudweiler. Nur wenige Tage nach seiner Ankunft findet er Anstellung bei der Eisen- und Metallgießerei „Dingler, Karcher u. Comp. zu Sankt Johann“. An seinem ersten Arbeitstag arbeitet er an einem Stromkasten im Schnappacher Weg in Sulzbach, wie er sich erinnert. Er sagt lächelnd: „Der steht heute noch.“

An der Abendschule und zusätzlich jeden Sonntag lernt er Deutsch. „Schritt für Schritt hat es sich gebessert“, so Vito Bertucci. Doch nicht nur seine Sprachkenntnisse machen Fortschritte, auch sein Wille, sich zu integrieren, entwickelt sich prächtig. In der Katholischen Mission auf dem Rastpfuhl erfährt er von der Möglichkeit, sich im Ausländerbeirat zu engagieren. Das passt gut zu seiner sozialen Ader, denn auch bei seinem späteren Arbeitgeber Saarmetall, wo er ab 1974 als Kranführer beschäftigt ist, ist er im Betriebsrat aktiv.

Im Ausländerbeirat – später umbenannt in Integrationsbeirat – setzt er sich mit viel Herzblut unter anderem effektiv für die Belange von Migrantinnen und Migranten ein, übersetzt Briefe oder Formulare. Er unterstützt bei Behördengängen, wobei ihm zugutekommt, dass er auch Französisch spricht, und trägt so zu einer gelungen Integration bei. Zusammenhalt und ein respektvolles Miteinander sind ihm stets ein großes Anliegen, wie er betont. Er will nicht nur hier leben, sondern Sulzbach aktiv mitgestalten. Er übt mehrere Berufe gleichzeitig aus, arbeitet unter anderem im Eiscafé Venezia beim ehemaligen Cap-Markt. Zu Beginn der Nullerjahre fangen gesundheitliche Probleme an, sodass er schließlich in Frührente geht.

Seitdem kümmert sich Familienmensch Vito Bertucci noch stärker um seine Familie. „Mehr als Familie und Gesundheit brauche ich nicht“, sagt er ebenso bescheiden wie stolz. Mit seiner Frau Teresa ist er seit 53 Jahren verheiratet. Sie stammt ebenfalls aus Italien, aus dem Nachbardorf Spadola, doch sie lernen sie sich hier in Deutschland kennen, heiraten dann in Frankreich. Gemeinsam haben sie zwei Söhne und eine Tochter sowie mittlerweile fünf Enkel.

„Ich bin stolz auf meine Familie“, betont er. Sichtlich erfreut zeigt er sich auch darüber, dass zu seinem 60. Jahrestag in Deutschland Bürgermeister Michael Adam es sich nicht nehmen ließ, ihn persönlich aufzusuchen und seiner Geschichte zu lauschen. Denn für Vito Bertucci und seine Familie ist dieser Jahrestag ein besonderer Meilenstein, der alle mit großem Stolz und großer Dankbarkeit erfüllt.