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Sulzbacher Umschau
Ausgabe 28/2019
Geschichte der Woche
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Karl Vogt: Wie wir den Salzbrunnen wieder entdeckten

Karl Vogt vor dem Salzbrunnenhaus/ Foto: Stadt Sulzbach

Salzbrunnenhäuser um 1905/ Foto: Archiv/Stadt

Blick auf die Salzhäuser aus der Mühlenstraße um 1960/ Foto: Archiv/Stadt

Karl Vogt ist 83 Jahre alt und noch topfit. Und der Schnappacher hat auch noch ein prima Gedächtnis. Und so ist es kein Wunder, dass er sich noch sehr gut an ein Ereignis erinnert, das nunmehr 66 Jahre zurückliegt. Damals war der junge Karl im dritten Lehrjahr zum Bau- und Möbelschreiner. Bei der Firma Möhringer in der Sulzbachtalstraße lernte er das Handwerk. „Eines Tages“, so erzählt er, „kam der Meister mit einem Gesellen zu mir und gab uns den Auftrag, in der Wohnung der Familie Brenner im Salzbrunnenhaus im vorderen Raum den Fußboden zu verlegen. Frau Brenner war bekannt als Brezelbiene. An einem Stand auf dem oberen Marktplatz verkaufte sie ihr Brezeln. Karl und der Geselle machten sich schließlich auf den Weg. Im Haus rissen sie den alten Boden heraus, verlegte die neuen Dielen und waren zum Feierabend fertig. Nur die Fußleisten rundherum fehlten noch. Die sollten dann am nächsten Tag angebracht werden. Doch dazu kam es vorerst nicht. Denn als Karl Vogt und der Geselle am nächsten Morgen am Haus waren, erlebten sie eine böse Überraschung. Als sie die Tür aufsperrten, war der am Tag zuvor verlegte Fußboden nicht mehr da. Alle Balken und die Fußbodenbretter lagen etwa sieben Meter tiefer im Salzbrunnen. Geselle Ernst Müller, der die Tür aufmachte, wäre fast in die Tiefe gefallen. Doch geistesgegenwärtig hielt Karl seinen Kollegen fest. Die beiden riefen ihren Meister und der sah sich die Bescherung an. Schließlich kam auch noch die Kriminalpolizei. Und danach dauerte es vier Wochen, bis der Geselle und Karl Vogt zuerst den Fußboden und dann die Fußleisten anbringen konnten. Diesmal klappte dann alles. Und so hatten die Boden-Verleger Ernst Müller und Karl Vogt den Salzbrunnen wieder entdeckt. „Das was damals 1953 passiert ist, werde ich nie vergessen“, so Karl Vogt.