Am Montag, 7. September 2026, wurde in der Aula in Sulzbach der „Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis“ verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis, der für außergewöhnliche Leistungen bei der Übertragung von französischen Texten ins Deutsche oder umgekehrt überreicht wird, würdigt das Andenken des bekannten Sulzbacher Übersetzers und Autors Eugen Helmlé. Der Preis wird von der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes, dem Saarländischen Rundfunk und der Stadt Sulzbach verliehen. Dieses Jahr ging der vom SR initiierte Preis an die französische Übersetzerin Rose Labourie.
Für die Stadt Sulzbach ist der Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis von großer Bedeutung, wie Bürgermeister Michael Adam betonte. Als Partner der Preisverleihung könne die Bedeutung des Lebenswerkes von Helmlé, der in Sulzbach beheimatet war, noch stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken. Seit 2010 begleitet die Stadt Sulzbach den renommierten Preis als Partner. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, bei der die Preisträgerin im Gespräch mit SR-Kulturredakteurin Tilla Fuchs ihre Übersetzungsarbeit erläuterte. Der Abend gab einen tiefen Einblick in die „Werkstatt“ der Übersetzung und die besondere Dynamik zwischen Autor und Übersetzerin, die beispielhaft für die Kraft der Literatur über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg steht.
Tilla Fuchs führte mit spannenden Fragen die Fragerunde. Sie betonte die Rolle der Literatur, „damit wir uns auch wirklich in die Welt der anderen reindenken können“. Dies führte sie direkt zur unverzichtbaren Rolle der Übersetzer: „Mit den Augen anderer auf Dinge schauen … dafür brauchen wir Literaturübersetzerinnen und -übersetzer.“
Oswald Bubel, der Vorsitzende der Stiftung ME Saar, begrüßte die geladenen Gäste, darunter Generalkonsul Spinoza, und würdigte die Preisträgerin und ihre Arbeit mit sehr persönlichen und wertschätzenden Worten. Seit Beginn ihrer professionellen Tätigkeit vor zwölf Jahren hat sie mehr als 40 Werke übersetzt.
Im Anschluss ergriff der Laudator Olivier Mannoni, selbst Helmlé-Preisträger, das Wort. Er verglich die mühsame, aber schöpferische Arbeit des Übersetzens, mit der Metapher eines Steinbruchs, in dem Übersetzer mit „unserem Meisel, unserer Empfindlichkeit, unserer fragilen Technik“ arbeiten. Er warnte: „Wenn wir mal in diesem Steinbuch nur Maschinen haben werden, wird es nicht nur das Ende der alten oder jungen Übersetzerinnen sein, sondern einer ganzen tiefmenschlichen und empfindlichen Welt.“ Mit einer Anekdote über ein Buch, das er selbst für „total unübersetzbar“ hielt und ablehnte, nur um es zwei Jahre später in Labouries gefeierter Übersetzung wiederzufinden, zollte er ihrer Kunst Tribut. Er schloss mit einem direkten Lob: „Solange es begabte und begeisterte Übersetzerinnen wie dich gibt, Rose, wissen wir es. Unsere Kunst hat nur lange und schöne Jahre vor sich.“
Nach der Laudatio verlas Johannes Kloth vom Saarländischen Rundfunk die Begründung der Jury. Dieser hob Labouries Mut hervor, sich sowohl etablierten Autoren als auch neuen Stimmen zu widmen. Eine sichtlich bewegte Rose Labourie trat ans Mikrofon. Sie dankte den Anwesenden und erklärte: „Kultur, Literatur und Übersetzung zu würdigen, ist heute ein engagiertes Zeichen, und ich bin umso dankbarer, diesen Preis zu erhalten.“ Sie beschrieb das Übersetzen als einen Akt, der im Kern von drei Säulen getragen wird: Ein Akt der Hoffnung („Übersetzen ist eigentlich unmöglich“, und dennoch hofft man, dass die Leser dieselben Emotionen empfinden), Ein Akt des Vertrauens (Autoren und Leser müssen den Übersetzern als „unerwünschte Gäste“ vertrauen) und Ein Akt des Glaubens („Ich glaube, dass Übersetzung keine rationale Aktivität, keine Kalkulation, kein algorithmischer Vorgang ist, den man Maschinen überlassen könnte.“)
Angesichts düsterer politischer Aussichten in Frankreich und Deutschland schloss sie mit einem nachdenklichen Appell: „Mögen wir weiterhin die Schönheit erkennen, wo sie noch zu finden ist: in der Kunst, in der Literatur und in der Hoffnung.“
Im Anschluss bat Tilla Fuchs den Autor Chris Kraus und die Preisträgerin für ein spannendes Gespräch über deren Arbeit und die Hintergründe auf die Bühne. Der Abend schloss schließlich mit einer deutsch-französischen Lesung aus dem neuen Roman „Die Sonne und die Mond“, um das Zusammenspiel von Original und Übersetzung hörbar zu machen. Der Mitschnitt der Veranstaltung wird demnächst auch auf SR2 KulturRadio ausgestrahlt.