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Sulzbacher Umschau
Ausgabe 7/2026
Thema der Woche
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Sulzbacher Faasend – die Vereine präsentierten ihre Session 2025/2026 mit Herz, Humor und viel Konfetti

Die Sulzbacher Karnevalsvereine feierten ihre Kostümsitzungen gemeinsam mit ihren „verboozten“ Gästen in ausverkauften Sälen. Die Garden und Schautanzgruppen überzeugten mit anspruchsvollen Choreografien, präzisen Formationen, farbenfrohen Kostümen und mit sehr viel Liebe zum Detail. Die Marschtänze waren energiegeladen, präzise und natürlich synchron. Die fantasievollen Schautänze rissen das Publikum mit. Auch in der Bütt und auf der Sketch-Bühne wurde das gesellschaftliche Geschehen genüsslich auf die Schippe genommen. Mit viel Lokalkolorit, Wortwitz und liebevoller Selbstironie trafen die Rednerinnen und Redner den Nerv des Publikums. Die Pointen zündeten, die Lacher kamen im Sekundentakt. Neben den Bühnenprogrammen beeindruckten die Vereine zusätzlich mit viel Kreativität hinter den Kulissen und mit der hervorragenden Organisation ihrer Veranstaltungen.

Bürgermeister Michael Adam dankte bei seinen Besuchen für die Verleihung der Vereins-Orden, die tolle Vorbereitung sowie das großartige Engagement und betonte, dass er sich schon auf den Aula-Sturm freue. Er wünschte allen Anwesenden eine tolle Session und viel Spaß.

Der Karnevalsverein Ka-Ju-Ka Hühnerfeld entführte in seinen vier Sitzungen seine Gäste mit einem Sessionsmotto, das aktueller kaum sein könnte, in eine ebenso digitale wie herrlich analoge Fastnachtswelt. „Liken, Streamen und K.I. – So wild vernetzt war Faasend noch nie“ zog sich als roter Faden durch die rund vierstündigen Sitzungen im jeweils krachvollen Martin-Luther-Haus – und sorgte viele Lacher, Staunen und Begeisterung. Doch schon zu Beginn der Sitzungen wurde klargestellt, dass die Seele der Fastnacht auch im digitalen Zeitalter am besten fest in menschlicher Hand bleibt. Mit Witz und Charme forderte das Moderatorentrio das Publikum auf, statt digitaler Likes lieber „analog zu liken“ und zwar mit lautstarkem Applaus.

Und der ließ im prächtig dekorierten Saal nicht lange auf sich warten. Besonders die vielen jungen Talente auf der Bühne machten deutlich: Bei der Ka-Ju-Ka ist der Nachwuchs gesichert. Ein traditioneller Höhepunkt war der Marschtanz der Ka-Ju-Kadetten, der mit dem Einsatz der Konfetti-Kanone das Publikum mitriss. Die Einnahmen aus der Versteigerung von Ehrenlogen-Plätzen fließen in eine große Spendenaktion, die zur Anschaffung neuer Uniformen für die Ka-Ju-Kadetten – dem Aushängeschild des Vereins seit 1996 – gestartet wurde. Neben der Versteigerung und Suppenaktionen werden hierfür weiterhin Sponsoren für den notwendigen fünfstelligen Betrag gesucht.

Liebevoll gestaltet sind die neue Ehrenloge, der überdimensionale „Bobby“, das Vereinsmaskottchen, im Eingangsbereich des Martin-Luther-Hauses sowie die stets handgefertigten Orden – dieses Jahr in Form einer Handyhülle mit 3D-Bobby – über die sich die Aktiven und Ehrengästen freuen durften.Die Sitzungen endeten, wie es sich für Hühnerfeld gehört: mit einer großen Konfetti-Party. Die Aktiven der Ka-Ju-Ka Hühnerfeld haben bewiesen, dass Fastnacht nicht von Algorithmen gemacht wird, sondern von Menschen mit Herzblut, Humor und Gemeinschaftssinn. Oder wie es die Moderatoren treffend formulierten: Für eine gelungene Faasend braucht es keine Millionen Follower – nur einen Saal voller begeisterter Gäste.

Wer zu den Sitzungen der Hofer Narren kam und durch die Türen des Jugendfreizeitheims Neuweiler trat, fand sich in einer anderen Welt wieder: blinkende Lichter wie im Kontrollraum der NASA, ein funkelnder Sternenhimmel, Planeten und Sonnensysteme, die von der Decke schwebten. Der Saal selbst wirkte wie das Innere eines riesigen blau-silbernen Raumschiffs – geschmückt nach dem Sessionsmotto „Die Hofer Narren blicken ins Universum“. Entsprechend bunt zeigte sich das Publikum: Astronauten, Außerirdische und Galaxiereisende schunkelten Seite an Seite und sorgten für eine Riesenstimmung bei den Kostümsitzungen.

Die Abende stand unter einem doppelten Vorzeichen des Abschieds: Zum einen von der langjährigen Heimat des Vereins, dem Jugendfreizeitheim Neuweiler, das im Laufe des Jahres schließen und nach aktuellem Stand sogar abgerissen werden soll. Zum anderen verabschiedete sich Yvonne Comont-Kirsch nach 40 Jahren von der närrischen Bühne und geht nun – wie sie sagt – in den „Faasend-Ruhestand“. Doch von Wehmut war zunächst wenig zu spüren: Fünf Stunden lang ließen die Hofer Narren den irdischen Alltag hinter sich und starteten eine närrische Rakete nach der anderen. Sieben Tanzgruppen – von der Minigarde über Jugend-, Junioren-, Aktiven- und Ehrengarde bis hin zu den Hofer Chaoten und dem Männerballett „Muskelkaters“ – sowie fünf hochbegabte Tanzmariechen zeigten, was in ihnen steckt. Von 21 Programmpunkten waren 14 dem Tanzen gewidmet. Choreografien, Pirouetten, Spagate und federleichte Sprünge, die begeisterten.

Auch das Publikum blieb nicht auf den Stühlen: Auf Zuruf formierten sich fröhliche Polonaisen, die sich durch die Stuhlreihen schlängelten und für zusätzlich gute Laune sorgten. Zwischen den Tänzen glänzten Wortbeiträge, Sketche und Gesang. Der Höhepunkt des Abends gehörte Yvonne Comont-Kirsch. Sie präsentierte sich in einer fulminanten Doppelrolle als Prinzenpaar zunächst als Prinzessin Crémant I., die auf ihren abwesenden Prinzen mit frechen Pointen schimpfte, bevor sie sich auf die Suche nach ihm machte. Schließlich betrat die Protagonistin erneut die Bühne – diesmal als prachtvoller Prinz – und bat Bürgermeister Michael Adam als Herold hinzu, um die in Reimen formulierte Ansprache zu halten. Nach 40 Jahren sagte sie mit ihrem bemerkenswerten Auftritt dem närrischen Volk ihr letztes „Tschüss“ – ein Abschied, der tief berührt und der in der Neuweiler Fastnacht eine Lücke hinterlassen wird. Zum großen Finale vereinten sich alle Aktiven ein letztes Mal auf der Bühne und sangen das Vereinslied „Ich bin nur ein Hofer Narr“. Selbst als die Musik verklang, hallte der Gesang weiter bis hinaus auf die Straße.