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Sulzbacher Umschau
Ausgabe 9/2026
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Marlies Krämer – Zeitspuren einer Persönlichkeit

Am Mittwoch, 4. Februar 2026, verstarb Marlies Krämer im Alter von 88 Jahren. Mit ihr verliert die Stadt eine herausragende Persönlichkeit, die sich Zeit ihres Lebens mit großer Leidenschaft für die Gleichstellung von Mann und Frau in Alltag, Sprache und Politik widmete. Ihr unermüdliches Engagement hat das soziale Erbe der Region und sogar bundesweit geprägt.

Marlies Krämer wurde am 28. Dezember 1937 in Illingen geboren. Ihr Vater sprach sich gegen weitere Schulbildung aus, daher machte sie eine Lehre als Verkäuferin und arbeitete unter anderem als Hilfskraft in der Mensa der Universität Saarbrücken. Sie durchlief ein komplettes Soziologie-Studium, durfte aber keine Abschlussprüfungen ablegen, da sie kein Abitur hatte. Nachdem ihr Ehemann bereits 1972 verstarb, zog sie die vier Kinder allein groß. Ihr zweiter Partner verstarb 2019. Ihm widmete sie eine literarische Liebeserklärung „Dieser Mann war mein Weckruf“, eine Art Doppelbiografie.

Von 1987 bis 1994 gehörte sie der SPD-Fraktion im Sulzbacher Stadtrat an. 2008 wechselte sie zur Partei Die Linke und wurde Ortsverbandsvorsitzende der Linke in Altenwald. Von 2009 bis 2014 war sie für die Die Linke im Stadtrat von Sulzbach.

Marlies Krämer engagierte sich früh für feministische Themen. Sie setzte gerichtlich durch, dass in Reisepässen die Formulierung „Inhaber bzw. Inhaberin“ benutzt wird. Sie setzte auch die Umbenennung von Tiefdruckgebieten durch, die bis 1999 ausschließlich weibliche Vornamen trugen.

Für ihren Einsatz wurde Malies Krämer mehrfach ausgezeichnet. Am Weltfrauentag im März 2020 erhielt sie den Marie Juchacz-Frauenpreis der Landesregierung von Rheinland-Pfalz für ihren lebenslangen Einsatz für die Gleichstellung von Mann und Frau in Alltag, Sprache und Politik. Anlässlich einer Kunstaktion der Hochschule der Bildenden Künste Saar im Juli 2020 wurde der Rathausplatz in Saarbrücken in Marlies Krämer Platz umbenannt. 2024 wurde sie dann mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die Stadt Sulzbach verliert mit Marlies Krämer einen hinterfragenden und konsequenten Geist, der beharrlich seine Überzeugungen lebte und auch Unbequemes ansprach. Sie war ein Mensch, der mit seiner Arbeit Generationen inspiriert hat.

Die Stadt Sulzbach wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.