Nach 101 Jahren schließt die Eifel-Destillerie, Petra und Peter-Josef Schütz blicken dankbar auf viele Jahre rund um den "Eifelgeist."
LANTERSHOFEN. TW. Die klare Kräuterspirituose „Eifelgeist" ist eines der bekanntesten Produkte der Eifel. Bald wird sie Geschichte sein. Die im Jahr 1925 im Grafschafter Ort Lantershofen gegründete Kornbrennerei der Familie Schütz wird nach 101 Jahren schließen. Schon Ende April 2026 wird die Türe beim Hofladen in der Lantershofener Schmittstraße 3, der zuletzt ohnehin nur noch an Donnerstagen und Freitagen öffnete, endgültig abgeschlossen. Nur der Onlineshop bleibt zunächst noch offen.
Da schwingt bei dem Inhaberehepaar eine Menge Wehmut mit. „Natürlich war das eine total schwere Entscheidung, mit der wir in den letzten Jahren gerungen haben", sagt Peter-Josef Schütz. Seine Frau Petra ergänzt: „Aber es war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt." Unisono sagen beide aber auch: „Wir blicken mit großer Dankbarkeit und Freude zurück auf 100 Jahre Tradition, auf Mut zur Entwicklung, auf das Vertrauen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kundinnen und Kunden – und auf starke Partnerschaften, ohne die vieles nicht möglich gewesen wäre."
Dass die letzte der noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts fünf Lantershofener Brennereien aufgibt, hat natürlich Gründe: Schütz nennt den aktuellen Blick der Menschen auf sich selbst und die aktuelle Situation rund um das Ahrtal. Die Trinkgewohnheiten der Menschen hätten sich total verändert, das Leben weg vom Alkohol beginne schon mit der Aussage der Weltgesundheitsorganisation WHO, schon der erste Schluck Alkohol sei krebserregend. „Und das geht weiter bis hin zum körperoptimierten Idealbild, bei dem Alkohol den Muskelaufbau schädigt", so Schütz, der flächendeckende Absatzrückgänge in der Branche erkennt. Nur Discounter oder Anbieter von Fertigmixdrinks würden kaum Rückgänge verzeichnen.
Daneben nennt der Unternehmer die aktuelle touristische Situation vor Ort als Grund für den Umsatzeinbruch: „Es fehlen nach wie vor die Tagestouristen. Gleiches gilt für die großen Tagungen, bei denen es im Rahmenprogramm immer wieder Brennereibesichtigungen gab." Eifelgeist und die anderen Produkte der Destillerie standen in den großen Hotels der Kreisstadt hoch im Kurs. „Nur das Steigenberger ist noch da", sagt er und sieht die Spätfolgen der Flutkatastrophe als weiteren Grund für das Aus.
Die Angestellten des Unternehmens sind mittlerweile in anderen Jobs oder gehen in Rente. Als letztes neues Produkt hat das Ehepaar Schütz noch ein besonderes Destillat aufgelegt: eine limitierte Abschlussedition namens „Finale", ein Whisky aus Destillaten, die bis zu 30 Jahre in Holzfässern gereift sind, erklärt Peter-Josef Schütz. Was bleibt, ist der Blick auf die Honorierung der Arbeit, die staatliche Preise und Auszeichnungen bei renommierten Wettbewerben gewinnen konnte. Alleine fünf Mal wurde die Eifel-Destillerie mit dem Bundesehrenpreis des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ausgezeichnet. Im Jahr 2018 wurde das kleine Unternehmen in New York als Deutschland Destillerie des Jahres geehrt.