Untem Dach war einst der Jugendraum, bis die deutsche Vorschriftenflut neue Rettungswege forderte. Jetzt lagern dort alte Stühle.
Thomas Jahnen ist seit März Vorsitzender Trägergemeinschaft der Kiaserhalle Vettelhoven.
VETTELHOVEN. TW. Als am 14. Juli 2021 der Swistbach über die Ufer trat, erwischte es auch die Kaiserhalle in der Vettelhovener Mittelstraße. Der Keller samt Ölheizung und Toiletten wurde bis zur Decke geflutet, im Erdgeschoss stand das Wasser einen halben Meter hoch. Schnell war klar: hier muss umfassend saniert werden. Jetzt ist alles fertig. Erstmal. Denn es liegen noch Umbaupläne in den Schubladen der Grafschafter Verwaltung. Die werden so schnell allerdings nicht zum Tragen kommen.
Mit der Sanierung der Halle ging auch ein Inhaberwechsel einher: die lange im Raum stehende Übernahme des Gebäudes durch die Gemeinde Grafschaft wurde vollzogen. Denn die Kommune ist bemüht, in allen Ortsbezirken Dorfgemeinschaftshäuser zu errichten. In Vettelhoven sprach sich die Bevölkerung gegen einen Neubau eines Bürgerhauses an der Dorfperipherie und für den Beibehalt der Kaiserhalle mitten im Ort aus. Im Jahr 2024 beschloss der Rat den Ankauf, noch im selben Jahr wurde der Kauf abgewickelt. Geblieben ist die Trägergemeinschaft, die nun als Verein für die Verwaltung des Hauses zuständig ist. Seit Februar steht Thomas Jahnen mit neuem Vorstand an der Spitze, löste Herbert Bies nach rund einem Vierteljahrhundert ab. Jahnen und sein Team hoffen nun auf viele Mieter und eine Weiterentwicklung der Halle.
Aktuell sieht es so aus, dass nach der Entkernung von Keller und Erdgeschoss eine Gasheizung unterm Dach die alte Ölheizung ersetzt. Die Toiletten sind nun im Erdgeschoss, wo auch ein neuer Boden eingezogen wurde. Wo einstmals eine Stufe den 180 Quadratmeter großen Saal vom Anbau trennte, ist nun alles eben. Eine Theke mit Küche ist schon vorhanden, dazu 60 neue Stühle und passende Tische. „Das reicht noch nicht ganz“, sagt Thomas Jahnen, aber die Grafschafter Bürgerhäuser behelfen sich im Bedarfsfall untereinander. Bühne, Beschallungsanlage und die ein oder andere Kleinigkeit fehlen auch noch. Manches wird die Trägergemeinschaft aus eigenen Mitteln beschaffen müssen.
Der Keller dient als Lagerraum, ebenfalls ein großer Raum im Dachgeschoss, dort war mal ein Jugendraum. Den wünscht sich das Dorf auch wieder zurück, es müssen allerdings neue Fluchtmöglichkeiten geschaffen werden. Das passiert vielleicht dann, wenn es einmal zu einem Umbau kommt. Denn noch immer ist das Haus nicht barrierefrei zu erreichen. Vom Flur führt eine Treppe direkt auf die Straße, ein Seiteneingang führt über einige Stufen auf einen engen Bürgersteig. Die Planungen, an der Stirnseite der Halle einen neuen Zugang zu schaffen, wurden vom Gemeinderat erst einmal auf Eis gelegt, wichtiger war der Abschluss der lange dauernden Schadensreparaturen, für die in großen Teilen eine Gebäudeversicherung aufkam. Aktuell haben sie am Seiteneingang Rampen für die Überdeckung der Treppen, mit Unterstützung kann ein Rollstuhlfahrer diese nutzen.
„Langfristig wird empfohlen die Außenfassade teilweise neu zu verfugen, die Stirnwand zu streichen sowie die Barrierefreiheit des Objektes herzustellen“, sagt die Grafschafter Verwaltung in einem Sachstandsbericht zum Unterhaltungs-/Sanierungsstau Kommunaler Liegenschaften aus dem vergangenen Jahr.
Es geht alles Schritt für Schritt in der Kaiserhalle, die ihren Namen keineswegs von einem Kaiser erhielt, eher vom ehemaligen Pastor Brooks, der 1878 verkündete: „Der Eschweilers Nies baut einen Saal, das wird die reinste Kaiserhalle.“ Der genannte war Wirt und schuf eine Halle für Veranstaltungen, die im Jahr 1984 von den Mitgliedern der jungen Trägergemeinschaft noch ein ganzes Stück weit angebaut wurde. Erste Feiern im frisch renovierten Haus fanden schon statt. Bald ist Kirmes, dann soll es Haus ein Konzert geben und das Martinsfest ist auch in der Planung. Die Trägergemeinschaft wird aber auch selber aktiv, bietet am 26. November in Kooperation mit dem Projekt „Älter werden in der Grafschaft“ und dem Verein Kulturlant eine Lesung mit Bestsellerautorin Adrienne Friedlaender an.