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Grafschafter Zeitung
Ausgabe 34/2026
Wirtschafts-Info
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Agri-PV stößt auf weltweites Interesse

Staatssekretär Daniel Stich (v.l.) informierte sich bei Christian Nachtwey über das Forschungsprojekt Agri-PV.

 

Gelsdorfer Obstbauer Christian Nachtwey führte Staatssekretär Daniel Stich über das Projekt

GELSDORF. TW. Für Christian Nachtwey ist Agri-PV eines der spannendsten Projekte seit der Erfindung des Traktors. So sagte er es jedenfalls vor wenigen Tagen dem rheinland-pfälzischen Wirtschafts- und Klimastaatssekretär Daniel Stich. Der hat sich nach dem Regierungswechsel nun erstmals die Versuchsanlage in der Grafschaft angesehen, um sich dabei umfassend über Vor- und Nachteile zu informieren. Nachtwey, der bei der Vorstellung der Anlage regelmäßig ins Schwärmen gerät, berichtete Stich über das weltweite Interesse an dem Projekt, bei dem auf der gleichen Fläche sowohl Lebensmittel wie Energie erzeugt werden.

„Gerade erst habe ich die 400. Gruppe in die Anlage geführt“, so Nachtwey. Und das seien keine Ausflügler, sondern Wissenschaftler und Entscheider aus der ganzen Welt. Aus Südkorea sei besagte Gruppe gekommen, zuletzt war auch eine Abordnung aus Südafrika da. „Weltweit haben alle die gleichen Probleme, nämlich immer größere Hitze und Dürre, dazu immer stärkere Unwetter, die teils nicht mehr in den Griff zu bekommen sind.“ Nachtwey hat in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz mit Blick auf das Obst, das unter den Solardächern wächst und gedeiht, viel Positives festgestellt. In Gelsdorf ist die Agri-PV-Anlage mit Apfelbäumen kombiniert, insgesamt acht Apfelsorten sind mittlerweile im fünften Ertragsjahr und damit im letzten Jahr des aktuellen Forschungsprojekts. Sie wachsen unter 2,10 Meter breiten Glasdächern mit jeweils anderen Solartypen.

Die Dächer schützen die Apfelkulturen in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel gegen Sonnenbrand oder Hagelschäden. Auch Apfelschorf kommt bei Vergleichsbäumen ohne entsprechenden Schutz viel häufiger vor. Überhaupt muss der BIO-Landwirt viel weniger natürliche Pflanzenschutzmittel einsetzen. Spätfrost in der Blüteperiode ist unter Agri-PV seltener, da die Temperaturen dort ein wenig höher sind, im Sonnenlicht sorgen dagegen die Solardächer für Schatten und absinkende Temperaturen. Ist die Qualität der Erzeugnisse also deutlich höher, so fällt die Erntemenge geringer aus. Einer der wenigen Nachteile, der aber mehr als kompensiert werde. Rund ein Viertel weniger Äpfel werden derzeit in der Agri-PV-Anlage gegenüber der Freifläche geerntet, bestätigte Jürgen Zimmer vom (DLR) Rheinpfalz. Die Qualität gleich das aus.

Neben den Lebensmitteln wird Energie produziert. Der große Vorteil: es bedarf keiner eigenen Fläche für Photovoltaik-Anlagen. Gerade in der Grafschaft ist die Politik mit der Entscheidung auf Bundesebene, neben Autobahnen ohne großen Aufwand Solarfelder zu genehmigen, nicht sonderlich glücklich, verfügt die Gemeinde doch über Böden von höchster Qualität, die eigentlich zur landwirtschaftlichen Nutzung verwendet werden sollten. In der Versuchsanlage wird keinerlei Anbaufläche für die Stromherstellung geopfert.

Für Nachtwey steht fest: „Wir brauchen Innovation im Obst- und Weinbau, um die noch vorhandenen Familienbetriebe resilient in die Zukunft führen zu können.“ Und da sei Agri-PV ein Zukunfts-Baustein, auch hinsichtlich der Nutzung des erzeugten Stroms. Hier wünscht sich der Obstbauer ein neues Themenfeld der Forschung. Denn in der aktuellen Sommerlage erzeugt seine Anlage derart viel Strom, dass sie über Tag meisten abgestellt wird. Hier wären Stromspeicher eine Lösung. „Die könnten auch zur Deckung des kommunalen Strombedarfs vor Ort beitragen, so eine der Ideen des Obstbauern. Er könnte also am Tag auf seiner Obstplantage den Strom produzieren, der im Ort am Abend die Straßenlampen zum Leuchten bringt.

Staatssekretär Stich zeigte sich für eine weitere Forschungsphase offen: „Die Synergie von Agri-PV kann zum besseren Ertrag des Landwirts als auch zum Schutz des Klimas beitragen“, betonte er mit Blick auf das Forschungsprojekt in Gelsdorf. Gerade im Obstbau könnten zunehmende Hitze und extreme Wetterereignisse die Ernten belasten. Das Forschungsprojekt in Gelsdorf zeige, wie Klimaanpassung und der Ausbau erneuerbarer Energien zusammengedacht werden können.