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Grafschafter Zeitung
Ausgabe 38/2026
Wirtschafts-Info
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Innovationspark Rheinland soll wieder wachsen

Der IPR Rheinland soll wieter wachsen, und zwar in Richtung Beller Kreisel.

 

Dabei steht die Gemeinde Grafschaft vor schwierigen Verhandlungen

GRAFSCHAFT. TW. Zwei Fliegen mit einer Klappe möchte die Gemeinde Grafschaft schlagen. Am Ende soll ein erweiterter Innovationspark Rheinland (IPR) mit weiteren Betrieben, aber auch einer Dreierkombi aus Supermarkt, Discounter und Drogeriemarkt stehen. Die Erweiterung ist geplant an der Joseph-von-Fraunhofer-Straße zwischen dem IPR-Kreisel beim Ortsteil Beller und den ersten bestehenden Gewerbeobjekten. Im Bauausschuss wurde das Vorhaben nun auf den Weg gebracht.

Zum einen gibt es seit vielen Jahren die Idee, unmittelbar am Kreisel bei Beller, dort wo derzeit noch das flutbedingte Provisorium des Are-Gymnasiums steht, ein Sondergebiet „Einzelhandel“ zu errichten. Vor mehr als fünf Jahren votierte die Grafschafter Bevölkerung mehrheitlich für diesen Plan, der den Umzug des bestehenden Rewe-Marktes aus der Ortslage Im Kreuzerfeld in Ringen heraus mit sich bringen würde. Da es vor allem durch einheimische Betriebe noch Flächenbedarf an gewerblichen Grundstücken gibt, die Gemeinde diesen aktuell aber nicht bedienen kann, soll im gleichen Zug die Lücke zwischen Einzelhandelsflächen und IPR geschlossen werden. Flächennachfrage und -angebot im aktuellen IPR zeigen aktuell eine Diskrepanz von 2,69 Hektar auf, der Lückenschluss würde 2,80 Hektar neues Gewerbegebiet mit sich bringen.

Dass die Grafschafter Verwaltung auf dem Weg hin zur Verwirklichung dieses Vorhabens noch dicke Bretter zu bohren hat, machte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses Unternehmensberater Joachim Will deutlich. Im Hinblick auf die Einzelhandelsplanungen hatte die Gemeindeverwaltung die Wirtschafts- und Unternehmensberatung ecostra mit der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes beauftragt. Will ist dort Geschäftsführer und war schon häufiger für die Grafschaft aktiv.

Denn unabhängig von den geplanten Änderungen könnte es mit Blick auf die bestehenden Handelsflächen, vor allem in Ringen und Gelsdorf, zu Änderungen kommen. Mit dem derzeitigen Standort Ringen zeigt sich der Inhaber des Rewe-Marktes nicht unbedingt zufrieden, er würde gerne expandieren. In Gelsdorf droht dem Norma-Markt mitsamt den umliegenden Geschäften neue Konkurrenz, weil im nahen Wormersdorf neue Einzelhandelsflächen in der Planung sind. Es droht ein Verlust der ohnehin schwachen Kaufkraft aus der Grafschaft und dazu das Szenario, dass die Gemeinde ihrem Versorgungsauftrag nicht mehr gerecht wird. Dem soll die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepten vorbeugen. Das sieht im Gegensatz zum derzeitigen Zentralen Versorgungsbereich (ZVB) Hauptzentrum Gelsdorf und ZVB Nahversorgung Ringen künftig ein ZVB Hauptzentrum Beller und ein ZVB Nahversorgung Gelsdorf und dazu ein ZVB Ortsmitte Ringen vor.

Größte Hürde auf dem geplanten Weg: die Genehmigungsbehörde SGD Nord. Die will keine Präzedenzfälle schaffen und der muss die besondere Situation der Gemeinde Grafschaft als wohl einzige Gemeinde im nördlichen Rheinland-Pfalz ohne echtes Zentrum vermittelt werden. Hinzu kommen Vorgaben über die Größe von Einzelhandelsflächen in Grundzentren, die auf 1.600 Quadratmeter begrenzt ist. In der Nachbarkommune Wachtberg nördlich der Grafschaft, aber in Nordrhein-Westfalen, steht eine Kombination aus Edeka, Aldi, Drogeriemarkt Müller und Lidl mit fast 7.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Die Grafschafter Politik hat sich nun entschieden, den Weg der Planung einzugehen. „Wir wollen für die Grafschaft Versorgungssicherheit und Nahversorgung sicherstellen“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Roland Schaaf. Auch SPD-Chef Hubert Münch sieht keine Alternativen zu den Plänen: „Wir haben den Auftrag eine Grundversorgung zu gewährleisten.“ Skepsis herrscht nur bei den Grünen vor, die den Beschlussvorschlag ablehnten. Ansonsten gab es Zustimmung zum geänderten Einzelhandelskonzept, der Abstimmung mit der Regionalplanung, dem Antrag auf Zielabweichung und der Landesplanerischen Stellungnahme sowie der Änderung des Flächennutzungsplans für den „Lückenschluss“ und der Aufstellung des Bebauungsplans. „Gewerbe und Nahversorgung am Kreisel IPR.“