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Zusamtaler Landbote
Ausgabe 6/2025
Allgemeine Nachrichten
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Zuhörer hält es bei sechs Jubiläumskonzerten des Projektchors nicht auf ihren Stühlen

Binswangen - Ein wahres Song-Feuerwerk haben „Saitenwind“ bei ihrer Jubiläums-Konzertreihe gezündet. An sechs Abenden nahmen die Sängerinnen und Sänger um Chorleiter Willy Mück ihre Zuhörer mit auf eine musikalische Zeitreise durch 25 Jahre Chorgeschichte. Die wenigsten der Gäste in der alten Synagoge Binswangen hielt es bei „25 Jahre Saitenwind in Concert #best of“ auf ihren Stühlen.

Sich selbst nicht unbedingt ganz ernst zu nehmen ist vielleicht eines der Erfolgsgeheimnisse des Projektchors. Das zeigte sich schon beim Eingangsvideo. Hier erlaubten die Chor- und Bandmitglieder den Zuhörern einen tiefen Einblick in die Vorbereitungen direkt vor dem Konzert. Da wurde rasiert, meditiert, Nägel lackiert, es wurden Zähne ge- und Gurkenscheiben verputzt, die eigentlich als Augenmaske dienen sollten, sowie Outfit-Diskussionen geführt. Schließlich kündigte der Bahnhofsvorsteher den „Sonderzug nach Pankow“ stilgerecht mit Megaphon an. Ab diesem Moment gab es kein Halten mehr bis zur Pause.

Dem Publikum wurden die „Liedperlen“ der vergangenen Konzertreihen präsentiert - das Beste vom Besten sozusagen. Willy Mück führte gekonnt durch das Programm und sorgte mit dem einen oder anderen Scherz und kleinen Anekdoten für so manchen Lacher.

In den 25 Jahren ist bei „Saitenwind“ einiges an Schätzen zusammengekommen. Zu Gehör kamen unter anderem Schlager-Juwelen wie „Himbeereis zum Frühstück“ oder „Beautiful Sunday“ und ein Beach-Boys-Medley. Es gab aber auch ruhigere Töne mit „Hoamatg’fühl“ von der Gruppe „Die Seer“ oder dem amerikanischen Traditional „Down in the river to pray“. Zwischendurch wurden die Zuhörer noch Zeugen eines Geschlechterkampfs mit den Spaß-Einlagen genervter Ehemänner und verwitweter Ehefrauen. Die Pause läutete ein Oberkrainer-Medley ein, bei dem 28 Frauen- und 12 Männerstimmen mal eben a capella die Blasmusik-Instrumente ersetzten.

Als hätten Chorleiter, Chor und Band in der Pause den Turbo gezündet, ging es danach mit „Aquarius“ und „Let the sunshine in“ aus dem Musical „Hair“ weiter. „Oh Baby“ von der „Münchner Freiheit“ und das Stück „Morning of my life“, das die Vorgruppe des Chors präsentierte, leiteten über zu den zarten Harmonien des a capella-Stücks „Über’n See“ und dem mystischen „Africa“ der Gruppe Toto. Chorleiter Willy Mück lud die Zuhörer ein, mit geschlossenen Augen zu genießen, und so gelang es den Chormitgliedern, den afrikanischen Regen in die Binswanger Synagoge zu zaubern.

Richtung Finale nahm der „Saitenwind“-Zug dann nochmal richtig Fahrt auf. Ob mit Fächern, barocken Perücken und Jacken zu Falcos „Amadeus“, bei dem auch ordentlich gerappt wurde, oder beim Revolverheld-Hit „Lass uns geh’n“: Das Publikum war voll auf Betriebstemperatur für das abschließende Abba-Medley. Fast alle standen, klatschten und hatten die Arme in der Luft, als schließlich die letzten Akkorde des unsterblichen „Dancing Queen“ erklangen.

Nur eine kurze Verschnaufspause war Sängern, Chorleiter und Band vergönnt, denn ohne Zugaben ging es natürlich nicht. Mit einem Rock-Medley kam „Saitenwind“ krachend zurück auf die Bühne und Chorleiter Mück hatte bei Bon Jovi’s „In these arms“ Gelegenheit, sein eigenes Gesangstalent zu beweisen. Das Ende des Konzertabends war ein Gemeinschaftswerk von Chor, Band und Publikum. Zum Allzeit-Klassiker „Lena“ der Band Pur wurde der Text auf der Videoleinwand eingeblendet, und alle waren beim Refrain zum Mitsingen aufgefordert. Wovor sich die allerwenigsten drückten.

Mit strahlenden Augen und mit den Klängen von „I am sailing“ von Rod Stewart, das Willy Mück als „Rausschmeißer“ mit seiner Akustik-Gitarre zum Besten gab, begleitet vom in der Synagoge verteilten Chor, verabschiedete „Saitenwind“ sein Publikum nach einem Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Silke Schulz-Könicke

Infokasten „Saitenwind“:

Dass sich der Projektchor in den 25 Jahren seines Bestehens eine echte Fan-Basis geschaffen hat, zeigte sich schon beim Vorverkauf: Bereits Anfang April waren die sechs Konzerte restlos ausverkauft.

Entstanden ist der Chor „Saitenwind“ aus dem „Jugendsingkreis Binswangen“ Anfang der 90er Jahre unter der Leitung von Willy Mück. 1998 wurde dann „Saitenwind“ daraus. Die musikalische Truppe entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer eingeschworenen Gemeinschaft aus Sängerinnen, Sängern und Band, deren gemeinsame Leidenschaft die Musik ist und deren Herzblut im Projekt „Saitenwind“ steckt.