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Unsere Bergstätten Mitteilungsblatt mit amtlichem Bekanntmachungsteil
Ausgabe 1/2025
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Verbissschäden im Wald noch tragbar Forstliches Gutachten: Die Förster mahnen dennoch zu verantwortungsvoller Jagd

Simon Östreicher, Bereichsleiter Forsten des AELF Kempten (rechts), und Franz Prestel, Vorsitzender der WBV Kempten, begutachten die Verjüngungssituation in einem Wald. (Foto: Robert Baldauf)

Kempten/Oberallgäu – Alle drei Jahre wird im Wald gezählt: Bayernweit durchstreifen Försterinnen und Förster der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Wälder und nehmen nach einem festgelegten Verfahren die Verbissschäden auf. In diesem Jahr war es wieder so weit und die sogenannten Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung wurde angefertigt. Die Ergebnisse im nördlichen Landkreis Oberallgäu und der Stadt Kempten sind insgesamt zufriedenstellend.

Wo hat das Wild wie viele junge Bäume angefressen, wie stark sind die Beeinträchtigungen für das Wachstum? Diese Fragen sind wichtig für die Zukunft des Waldes. Die Wälder im Allgäu schützen vor Muren und Lawinen, dämpfen die Folgen von Starkregenereignissen ab, bieten Erholungsraum und liefern den nachwachsenden Rohstoff Holz. Das können jedoch künftig nur klimastabile Mischwälder optimal erfüllen, in denen verschiedene junge Bäume – ob angepflanzt oder aus sogenannter Naturverjüngung – nachwachsen und zur Vielfalt beitragen können. Wenn Rehe, Gämsen und Hirsche die schmackhaften Triebe der jungen Bäumchen fressen, kann das die Waldverjüngung empfindlich stören. Beim Forstlichen Gutachten werden deshalb alle drei Jahre die Verbissschäden in ganz Bayern erfasst. Genutzt werden die Ergebnisse für die Abschussplanung der Jagdgenossenschaften und Jäger.

Bayernweit zeigte das Forstliche Gutachten in diesem Jahr insgesamt positive Tendenzen. Ein Ausreißer ist der Bergwald, in dem sich – unter anderem auch im südlichen Oberallgäu – die Verbisssituation spürbar verschlechtert hat. In der Stadt Kempten und im nördlichen Landkreis Oberallgäu wurden rund 16.000 junge Bäumchen auf über 160 Verjüngungsflächen überprüft. Das Ergebnis: Im nördlichen Landkreis und in Kempten wird die Verbisssituation in allen fünf Hegegemeinschaften als insgesamt „tragbar“ eingestuft. In der Hegegemeinschaft Buchenberg hat sich die Situation verbessert, in den Hegegemeinschaften Altusried und Dietmannsried-Haldenwang hat sich die tragbare Verbisssituation stabilisiert. Für diese drei Hegegemeinschaften wird deswegen eine Beibehaltung der Abschusshöhe für die nächsten drei Jahre empfohlen. In den Hegegemeinschaften Stadt Kempten und Sulzberg gab es dagegen Verschlechterungen und die Experten empfehlen hier, die Abschüsse zu erhöhen.

Für viele der Jagdreviere haben die Förster zusätzlich „ergänzende revierweise Aussagen“ erstellt, in denen die Verbisssituation und die Entwicklung im einzelnen Revier bewertet werden. Simon Östreicher, Bereichsleiter Forsten des AELF Kempten, appelliert an die Jagdvorstände, Eigenjagdbesitzer und Jäger, die Gutachten und revierweisen Aussagen zu nutzen: „In den nächsten Jahren brauchen wir weiterhin eine verantwortungsvolle Abschussplanung, die dann auch konsequent umgesetzt wird, um das Ökosystem Wald und Wild in Einklang zu halten.“

Franz Prestel, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kempten, betont, wie wichtig die Zusammenarbeit von Waldbesitzern und Jägern ist: „Erfolgreicher Waldumbau funktioniert nur gemeinsam. Natürlicher Verjüngung und Pflanzungen muss über die kritische Zeit geholfen werden. Deshalb sind wir Waldbesitzer gerade in Zeiten des Klimawandels auf die Unterstützung durch die Jäger angewiesen, damit wir unseren Kindern und Enkeln gesunde und ertragreiche Wälder übergeben können.“ Das Forstliche Gutachten sei eine gute Grundlage, um die Zusammenarbeit erfolgreich zu gestalten und fortzuführen.

Die ausführlichen Ergebnisse und Gutachten sind auf der Internetseite des AELF Kempten abrufbar: https://www.aelf-ke.bayern.de/forstwirtschaft/jagd/263766/index.php