Unser Tagesausflug führte uns dieses Jahr zum Kloster Reutberg mit der Wallfahrtskirche Maria Verkündigung bei Sachsenkam. Nachdem wir morgens noch mit dem Regenschirm zum Bustreffpunkt starten mussten, blieb es danach trocken und am Nachmittag steigerte es sich zum besten Ausflugswetter. Wir fuhren zuerst nach Bad Tölz, um uns mit Kaffee und Brezen zu stärken. Von dort waren es nur ca. 10 km zum Kloster Reutberg. Die Führerin Frau Benz erklärte uns mit großer Begeisterung die Geschichte des Klosters und der Wallfahrtskirche. Sie wurde zwischen 1733 und 1735 erbaut und erinnert als Loretokirche an den Ort der Verkündigung des Engels Gabriel an Maria und das Zuhause Jesu. Der Hochaltar ist mit 84 Einstellungen verstellbar. Durch die umfassende Renovierung zwischen 2021 und 2025, z. T. mit Lasertechnik, sind die Originalfarben wieder wunderbar sichtbar. Über dem Loretohaus sitzen viele Putten aus dem 16. Jahrhundert. Sie stellen die Gefühle der Besucher dar, jede in einer anderen Haltung. Die Kirche beherbergt 400 Reliquien. Die Franziskanerinnen leben in strenger Klausur. Sie beten 7 Stunden täglich. Zum Empfang der Kommunion gibt es ein kleines Fenster im Loretohaus. Über der Empore bestaunen wir in Bild und Text die lauretanische Litanei und das Deckenbild der Maria-Verkündigungsszene. Am Kreuzaltar ist Jesus mit einem Strahlenkranz dargestellt, im Kopf mit einem Originalsplitter des Heiligen Kreuzes. Das Kloster wurde 1618 durch Johann Jakob und Anna von Papafava, die Hofmarktsherren von Reichertsbeuren und Sachsenkam, als Kapuzinerinnenkloster gegründet. 1651 wechselten die Schwestern zu den Franziskanerinnen. Das Kloster wurde durch viele Brände und das Einfallen der Schweden bedroht, aber oft auf wundersame Weise verschont. 1803 führte die Säkularisation zur Aufhebung des Klosters. Das Gebäude blieb erhalten. König Ludwig I. von Bayern genehmigte 1835 eine Wiedereröffnung und zusätzlich eine Mädchenschule, die bis 1958 bestand. Viele Pilger besuchen auch das Grab von Schwester Maria Fidelis Weiß, einer bedeutenden Mystikerin. Sie wurde am 12.6.1882 in Kempten als Eleonore Weiß geboren und trat mit 20 Jahren ins Kloster Reutberg ein. Sie wirkte zwei Jahrzehnte als Organistin und Lehrerin. Viele Jahre durchlitt sie die Leiden Jesu und die Schmerzen Mariens. Nach ihrem Tod am 11.2.1923 verbreitete sich der Ruf ihrer außergewöhnlichen Heiligkeit. 1936 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet. 2007 wurde ihr durch Papst Benedikt XVI. der heroische Tugendgrad verliehen. 2018 bestand eine große Schließungsgefahr des Klosters, da nur noch drei ältere Schwestern dort lebten. Der Altbürgermeister sammelte viele Unterschriften und ist nach Rom gefahren. Der Vatikan hat sich dann eingesetzt und es sind viele Spenden eingegangen und sechs junge Schwestern eingezogen, darunter eine Redakteurin von Radio Horeb, die nach einer Reportage über das Kloster geblieben ist. Zum Abschluss haben wir noch ein „Gegrüßet seist du, Maria“ gebetet und ein Marienlied gesungen. Nach diesen vielen Eindrücken gingen wir ins Klosterbräustüberl zum Mittagessen und probierten das dort gebraute Bier. Auf der anschließenden Fahrt nach St. Ottilien durch München mussten wir viel Geduld wegen des starken Verkehrs aufbringen. In St. Ottilien konnten wir dafür bei strahlendem Sonnenschein spazieren gehen, im Biergarten etwas Gutes genießen, in den Läden einkaufen und abends die Vesper besuchen. Danach machten wir uns auf den Heimweg, zufrieden über den gelungenen Ausflug.