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Betzigauer Hoigarte. Amtsblatt der Gemeinde Betzigau
Ausgabe 19/2020
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Was tun bei Pilzvergiftungen?

Schön, aber giftig – der Fliegenpilz.

BRK gibt Erste-Hilfe-Tipps für Schwammerlsucher

Allgäu – Ab August zieht es Pilzsucher wieder in die Wälder. Wer sich bei Steinpilz, Pfifferling & Co gut auskennt, kann sich nach einem erfolgreichen Tag auf eine richtig leckere Mahlzeit freuen.

Was aber ist zu tun, wenn versehentlich ein ungenießbarer, verdorbener oder gar giftiger Pilz ins Essen geraten ist? Im schlimmsten Fall drohen dann bleibende Organschäden oder garein tödlicher Verlauf. Frank Schönmetzler vom BRK Oberallgäu gibt wertvolle Tipps, woran man eine Pilzvergiftung erkennt und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen im Fall der Fälle wichtig sind.

So erkennt man eine Pilzvergiftung

„Die Symptome einer Pilzvergiftung sind abhängig von der Art des Pilzes und der Verzehrmenge“, sagt Frank Schönmetzler. „Manchmal treten bereits nach weniger als zwei Stunden die ersten Beschwerden auf, manchmal nach sechs Stunden oder mehr.“

Mögliche Symptome einer Pilzvergiftung

(nicht alle müssen auftreten):

- Übelkeit / Erbrechen
- Bauchschmerzen / Durchfall
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Kreislaufprobleme
- Halluzinationen
- Schweißausbrüche, Hitzegefühl
- beschleunigter Puls
- Blutdruckabfall
- erweiterte Pupillen, Sehstörungen
- tränende Augen und erhöhter Speichelfluss
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit

„Eine Pilzvergiftung zu erkennen, ist für Laien nicht einfach“, weiß Frank Schönmetzler und rät darum dringend: „Bereits beim ersten Verdacht sollten Betroffene sofort den Giftnotruf anrufen - in Bayern ist dieser unter 089/19240 zu erreichen - oder den Notarzt unter 112 alarmieren.

Warten Sie nicht, ob die Symptome schlimmer werden! Eine zu späte Behandlung kann zu bleibenden Organschäden oder sogar dem Tod führen!“

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Pilzvergiftung:

-

eigene Sicherheit beachten, Schutzhandschuhe und Mund-Nase-Maske anziehen

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den Betroffenen beruhigen

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Notruf 112 verständigen und/oder Giftnotrufzentrale (089 – 19240) anrufen

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Anweisungen der Giftnotrufzentrale befolgen

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Pilze oder (falls vorhanden) Erbrochenes sicherstellen und dem Rettungsdienst mitgeben

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bei Bewusstlosigkeit des Betroffenen: stabile Seitenlage regelmäßig Atmung und Puls prüfen

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bei fehlender Atmung/Puls: bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen (30x Herzdruckmassage, 2x Beatmung immer im Wechsel), wenn möglich weitere Helfer hinzuziehen

-

ist der Betroffene bei Bewusstsein: beruhigen, trösten, beobachten, nicht alleine lassen

Wichtig! Was man nicht tun sollte

-

kein Erbrechen herbeiführen!

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keine Milch verabreichen - diese kann unter Umständen sogar die Giftaufnahme begünstigen!

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keine Kohletabletten – sie können eine Verschlimmerung herbeiführen!

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kein Salzwasser trinken lassen!

„Wenn mehrere Personen das Pilzgericht gegessen haben, aber nur einer oder einige davon Beschwerden entwickeln, sollten sich dennoch alle in ärztliche Behandlung begeben“, rät Frank Schönmetzler. „Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn kleine Kinder sowie kranke oder alte Menschen nur wenig Pilze essen. Im Zweifelsfall kann eine Vergiftung bei ihnen gefährlichere Folgen haben als bei gesunden Erwachsenen.“

Um in Notfällen effektiv helfen zu können, empfiehlt das BRK eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. Nähere Infos zu Kursen in Kempten und dem Allgäu finden Sie unter https://www.kvoberallgaeu.brk.de/.