Die Gemeinde Bischberg setzt ein starkes Zeichen für Naturschutz und gelebte Tradition: Im Gemeindewald an der B26 wird auf einer Fläche von 5,4 Hektar ein historischer Mittelwald reaktiviert. Diese traditionelle Form der Waldbewirtschaftung, einst in Franken weit verbreitet, ist heute selten geworden – und zugleich von großer Bedeutung für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Mittelwälder verbinden aktive Holznutzung mit hoher ökologischer Wertigkeit. Das Unterholz wird in regelmäßigen Abständen „auf den Stock gesetzt“, während einzelne Altbäume – sogenannte Lassreitel – gezielt stehen bleiben. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches Mosaik auslichten, warmen und strukturreichen Bereichen. Diese äußerst dynamische Bewirtschaftungsform unterscheidet Mittelwälder deutlich von geschlossenen Hochwäldern und schafft Lebensräume, die vielerorts verschwunden sind. Ursprünglich diente diese Waldform der Gewinnung von Brennholz bei gleichzeitiger Erzeugung von Bauholz.
In Bayern existieren heute nur noch rund 6.200 Hektar Mittelwald – davon etwa 5.700 Hektar in Franken. Der Bischberger Gemeindewald knüpft damit an eine jahrhundertealte Nutzungstradition an und trägt gleichzeitig zur Erweiterung eines wertvollen Biotopverbundes bei.
Von der Wiederherstellung des Mittelwaldes profitieren zahlreiche lichtliebende Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten, die in geschlossenen Hochwäldern nicht überleben könnten. Zu den typischen Bewohnern gehören beispielsweise der Kleine Maivogel, der Hirschkäfer, der Mittelspecht und die Bechsteinfledermaus. Viele dieser Arten gelten als stark gefährdet und finden in Mittelwäldern ideale Bedingungen zum Überleben.
Die Maßnahmen werden vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg sorgfältig geplant und von der Trosdorfer Rechtlergemeinschaft fachgerecht umgesetzt. Eine Förderung erfolgt über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm.
Mit dem neuen Mittelwaldprojekt stärkt die Gemeinde nicht nur die Artenvielfalt, sondern bewahrt auch ein Stück fränkischer Kulturgeschichte. Das Projekt zeigt, wie traditionelle Waldnutzung und moderner Naturschutz erfolgreich zusammenwirken können – und setzt ein positives Signal für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung im Landkreis Bamberg.