Im Alten Herrenhaus aus dem Jahr 1735 ist neben dem Leichenhaus im ersten Obergeschoss die Isinger Schatzkammer untergebracht.
Die auffallendsten und kostbarsten Stücke sind die beiden Heiligenfiguren aus dem 15. Jahrhundert: Links die heilige Katharina, rechts die heilige Barbara. Im Zuge der Barockisierung im 18. Jahrhundert war für die beiden spätgotischen Heiligen am Isinger Hochaltar kein Platz mehr.
Ein besonderes Exponat der Schatzkammer ist das aus Granatensplittern zusammengeschweißte Kreuz, das von einem Soldaten aus Dankbarkeit für den überlebten ersten Weltkrieg erstellt wurde und aus dem Nachlass von Irma Kalcher stammt - eine langjährige Nachbarin von Kirchenpfleger Franz Hausmann.
Ising. Die Vorstandschaft des Chieminger Heimatvereins unter Leitung von Hubert Steiner machte sich auf den Weg nach Ising, um sich von Kirchenpfleger Franz Hausmann die Isinger „Schatzkammer“, die zur Wallfahrtskirche gehört, zeigen zu lassen. Die Schatzkammer befindet sich im Alten Herrenhaus an der Südostecke des ummauerten Friedhofes, neben dem vor Kurzem ein barrierearmer Zugang errichtet und an Mariä Himmelfahrt feierlich eingeweiht wurde. Gebaut wurde das Herrenhaus 1735 von Georg Mader aus Marwang.
Aufgrund der zunehmenden Bedeutung als Wallfahrtskirche im 18. Jahrhundert wurde der Bau eines kleinen Priesterhauses erforderlich. Ising wurde in der Barockzeit seelsorglich von der Pfarrei Truchtlaching von Geistlichen vom Pfarrhof und Schloss Poing aus betreut. Die Wallfahrt zur Isinger Kirche kam Ende des 14. Jahrhunderts mit der Fertigstellung des gotischen Kirchenumbaus in Schwung. Der romanische Erstbau wurde Anfang des 14. Jahrhunderts errichtetet. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts florierte die Isinger Wallfahrt bis zur Säkularisation 1803 zum Höhepunkt. Die durch den Wallfahrts-Boom erzielten finanziellen Einnahmen ermöglichten aufwendige Stuckarbeiten im Sinne des damals vorherrschenden Schönheitsideals des Rokokos. So entstand mit der Isinger Wallfahrtskirche, „eine Perle im Acker“, die mit ihrem Stuck und der einheitlichen Einrichtung aus dem 18. Jahrhundert zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern des Chiemgaus zählt, wie Prälat Dr. Walter Brugger im Isinger Kirchenführer schreibt.
Franz Hausmann erzählte mit Stolz, dass er auf Anfrage immer wieder Kirchenführungen mit Schatzkammerbesuch anbietet. Zu besonderen Gästen gehörten unter anderem die Äbte von Sankt Peter in Salzburg und von Kremsmünster.
Als der Kirchenpfleger die unscheinbare Tür der Schatzkammer neben dem Leichenhaus öffnete, war die Überraschung der Besucher groß, welche Fülle von historischen Sakralgegenständen und religiösen Bildwerken es in Ising zu bestaunen gibt. Kaum einer der Chieminger Hobby-Historiker kannte die Sammlung der Heiligenfiguren und Reliquien, über die Hausmann mit viel Hintergrundwissen erzählte.
Gegründet wurde das Isinger Sakralmuseum 1985 von Homiletik-Professor Dr. Winfried Blasig, der von 1973 bis 1987 Wallfahrtskurat in Ising war und gleichzeitig einen Lehrauftrag an der Päpstlichen Fakultät für Theologie in Linz hatte. Blasig stand damals in Kontakt mit Professorin Irmgard Weithase, die an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität als Privatdozentin Sprachkunde, Phonetik und Neuere deutsche Literaturgeschichte bis zu ihrem Ruhestand 1974 lehrte. Weithase starb 1986 in München und überließ ihre private Sammlung sakraler Exponate der Pfarrei Ising. An die Gönnerin erinnert eine Gedenktafel, die an der Fassade des Alten Herrenhauses angebracht ist.
Beim Eintritt in den Museumsraum fallen dem Besucher zunächst zwei überlebensgroße weibliche Heiligenfiguren auf, die sich in scheinbar nicht restauriertem Zustand befinden. Doch das Gegenteil ist der Fall: als im Zuge der Museumserstellung der Dachboden des Alten Herrenhauses Mitte der 1980er-Jahre entrümpelt wurde, fanden sich darin die beiden heiligen Damen, aus Holz gearbeitet. Sie wurden in das Kunstreferat der Erzdiözese nach München überführt und in den Rohzustand gebracht, in dem sie sich noch immer befinden. Die Restaurierungsarbeiten damals kosteten 22.000 D-Mark, die sich die Gemeinde, das Landratsamt, das Denkmalschutzamt und das Kunstreferat zu je 5.000 Mark teilten. 2.000 Mark mussten über ein Pfarrfest auf Spendenbasis durch die Pfarrei Ising erwirtschaftet werden, berichtete Franz Hausmann, der sich bereits seit 25 Jahren als Kirchenpfleger um das Wohl der kirchlichen Immobilien in Ising kümmert.
Bei den heiligen Frauen handelt es sich um die Vorgänger der gut zwei Meter hohen Assistenzfiguren im Hochaltar, die seit der Umgestaltung im Rokokostil 1778 zu sehen sind. Sie stellen die heilige Katharina und die heilige Barbara dar, die im Museum ohne ihre Insignien, dem Rad und dem Turm, sowie weitgehend ohne Hände beziehungsweise Unterarme dastehen. „Die hat das Kunstreferat behalten“, informierte Hausmann. Der Kirchenpfleger vermutet, dass die beiden Figuren wie die im 15. Jahrhundert erschaffene Mondsichelmadonna, die im Zentrum des Hochaltars steht, ebenfalls spätgotisch sind und nicht zum Ideal der barocken Kirchenrenovierung in den 1750er-Jahren passten. Deshalb wurde der Traunsteiner Künstler Joseph Dietrich mit der Herstellung der zwei „heiligen Madln“ in Barockform beauftragt. Sein Stil orientiert sich an der Münchner Hofkunst und ist von Ignaz Günther als Meister des Rokokos geprägt. In Kombination mit der filigranen Stuckarbeit des späteren Traunsteiner Stadtmaurermeisters Placidus Nitzinger, der aus Herbsdorf bei Traunwalchen stammte, entstand in Ising die hochwertigste Rokoko-Ausstaffierung im ganzen Chiemgau und Rupertiwinkel, fasst es Prälat Brugger im Kirchenführer zusammen.
Franz Hausmann zeigte eine Vielzahl von sakralen Gegenständen aus verschiedenen Epochen, die sich durch den Nachlass von Irmgard Weithase, aus der etwa 700-jährigen Kirchengeschichte und aus Zuwendungen von Privatpersonen angehäuft haben. Besondere Beachtung legte Hausmann auf ein Siegel, das er im Dachboden des 1856 gebauten Pfarrhauses fand. Es zeigt das Wappen des Hofmarksherren Heinrich von Baumbach, dessen Frau Ursula Apfenthaler 1559 verstarb. Ihr Epitaph ist in der Truchtlachinger Kirche zu sehen. Apfenthaler gehörte zur Familie von und zu Ruestorf, die als Truchtlachinger Hofmarksherren von 1582 bis 1643 das Schloss Poing bewohnten. Dann kaufte das Kloster Baumburg für 36.000 Gulden die Hofmark Truchtlaching und nutzte das Poinger Schloss bis 1910 als Pfarrhof.
Die Kirche in Ising wurde bis 1872 von Truchtlaching aus seelsorglich betreut. 1872 wurde Ising zur Expositur erhoben, 1961 als Kuratie weitergeführt. Als Ruhestandspfarrer Josef Neumann 2007 Ising verließ, endete die 150-jährige Ära, in der Ising einen Geistlichen am Ort hatte. Seitdem werden die 305 „Seelen“, die zur Kuratie gehören, von den Seelsorgern des Pfarrverbands von Chieming aus betreut.
Ein besonderes Exponat des Museums erhielt Hausmann aus dem Nachlass seiner langjährigen Nachbarin Irma Kalcher: ein Kreuz, das aus Granatensplittern aus dem ersten Weltkrieg von einem Soldaten zusammengeschweißt wurde, der den Krieg überlebt und das Kreuz aus Dankbarkeit dafür herstellte.
Nach dem Besuch im Museum gab Franz Hausmann eine detaillierte Kirchenführung und zeigte die Sakristei mit weiteren wertvollen und geschichtsträchtigen liturgischen Geräten sowie die Kreuzwegbilder im Nazarener-Stil von Joseph Weinberger von 1847. Der Kreuzweg war bis 1973 in der Kirche angebracht, dann aber durch um 1830 geschaffene Apostelbilder des Vachendorfer Künstlers Johann Baptist Neumüller ersetzt.
Auch auf die mehrmals im Jahr praktizierte Umkleidung der Mondsichelmadonna je nach liturgischer Jahreszeit mit Mantel, Zepter und Krone ging Hausmann ein. Diese findet jedoch seit einigen Jahren nicht mehr statt, um der wertvollen Figur im Hochaltar keinen Schaden zuzufügen. Der Jahreszeit um Mariä Himmelfahrt entsprechend stand beim Besuch des Heimatvereins auch die ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammende Marienfigur vor dem Seitenaltar, die früher in der Kapelle unterhalb des Kirchbergs stand. Der Kirchenraum war zum Patrozinium feierlich geschmückt.
Danach zeigte Franz Hausmann der geschichtsinteressierten Gruppe noch das Pfarr-Archiv im Pfarrhaus, mit teilweise weit zurückreichenden Belegen aus dem 19. Jahrhundert. Mit Christoph Leinberger, dem General Manager von Gut Ising, der ebenfalls an der Führung teilnahm, ging es anschließend in den Biergarten, um die gemeinsamen Eindrücke zu besprechen. Hubert Steiner bedankte sich bei Franz Hausmann für die interessante Geschichtsstunde in der Heimatgemeinde mit selbstgemachter Aprikosenmarmelade vom Grundstück des Heimathauses.