Langjähriger ehrenamtlicher Helfer und Dolmetscher im Alter von 72 Jahren verstorben
Als vor 10 Jahren die Chieminger Gemeinschaftsunterkunft (GU) für geflüchtete und asylsuchende Menschen in der Vorbereitung war, fanden sich viele engagierte Mitbürgerinnen und -bürger im Helferkreis zusammen, um ehrenamtlich bei der Integrationsarbeit zu helfen.
Auch Abdelkader Bedj-Bedj, der seit kurzem mit seiner Ehefrau in Chieming wohnte, hat sich im Rathaus gemeldet, um im Helferkreis mitzuarbeiten.
Ben, (so nannten wir ihn auf Grund der deutschen Übersetzung seines Nachnamens Bedj-Bedj = Benjamin, der Sohn des Benjamin) war für uns, die wir damals noch wenig Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit hatten, ein großer „Glücksfall“. Zum einen sprach er als Nordafrikaner nicht nur fließend Arabisch und Französisch, sondern auch Englisch und Deutsch. Mit den persischen Sprachen Farsi und Dari kam er ebenfalls zurecht. Zum andern kannte er, mittlerweile längst deutscher Staatsbürger, aus eigener persönlicher Fluchterfahrung, was asylsuchende Menschen erleben und mitunter durchmachen.
Auf Grund seiner Sprachkenntnisse und seinem arabisch-kulturellen Hintergrund (Ben war liberaler Muslim) fassten die Menschen in der GU rasch Vertrauen zu ihm. Die Kinder nannten ihn stets „Onkel“. Er war, ganz gleich zu welcher Tages- oder Nachtzeit, immer da, wenn es galt, Gespräche zu dolmetschen, Schriftstücke zu übersetzen, Behördengänge zu begleiten oder bei der Arbeits- oder Wohnungssuche zu helfen. Zudem hat er an der Chieminger Schule Bundesfreiwilligendienst geleistet.
Im letzten Jahr wurde bei ihm ein schwere Erkrankung diagnostiziert, an deren Folgen er in der Silvesternacht verstorben ist.
Ben wird uns immer in Erinnerung bleiben als eine engagierte, den Menschen zugewandte Persönlichkeit, die ein feines Gespür für die so unterschiedlichen Menschen in der GU hatte. Zugleich fühlte er sich mehr und mehr als Chieminger und genoss es, Teil unserer Dorfgemeinschaft zu sein. Und so müssen wir uns nicht nur von einem vielseitigen und multikulturellen Weltbürger verabschieden, sondern auch von einem wahrhaften Chieminger!