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Duracher Wochenblatt
Ausgabe 12/2026
Vereine und Verbände
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Verein für Heimat, Museum und Geschichte Durach e.V.

v.l.Christl Hurtig, Christl Engstler, Marianne König, Gitte Weixler, Dete Dürichen und Brigitte Schrägle

COURAGE-Projekt Abschlussveranstaltung in Durach.

Gedenk- und Erinnerungsjahre prägen unseren Kulturkalender – doch wie gehen wir heute sinnvoll damit um? Reicht ein Festakt aus, oder braucht es neue, mutige Formen der Vermittlung?

Diesen und weiteren Fragen stellten sich die Partner des COURAGE-Projekts und weitere Gäste bei einem ganztägigen Symposium am 23. Februar in Durach im Allgäu. Die Regio-V leitet das Projekt und hat die Veranstaltung organisiert. Gastgeberin im Veranstaltungszentrum Villa K war die Gemeinde Durach, ebenfalls Partnerin im Projekt zusammen mit dem Verein für Heimat, Museum und Geschichte e.V. Durach.

Das Symposium reflektierte das Bauernkriegs-Gedenkjahr. Die Projektpartner hatten Fachleute und Interessierte eingeladen.

Besprochen wurden die unterschiedlichen Formate und Themenzugänge. So setzten die Landesausstellung Baden-Württemberg und die Ausstellung in Memmingen überwiegend auf moderne Aktionen mit Unterstützung der KI Möglichkeiten und Kampagnen auf Instagram und YouTube und erreichten so mehrere Tausend Menschen. Mehrere Redner hoben die Schwierigkeit hervor, dass es aus der Bauernkriegszeit kaum Originalquellen und

Exponate gibt. Auch deshalb setzten viele auf digitale und mediale Inhalte.

Mit dem Jugendtheater Durach und der Freilichtbühne Altusried wurden ganz unterschiedliche Theaterprojekte vorgestellt. Die gemeinsame Besonderheit: Die Schauspieler konnten den Inhalt der Stücke über Beteiligungs-formate wie Workshops mitgestalten. Dass die Aufführungen auch für die Besucher sehr bewegend waren, veranschaulichte Amira Steinsberger (Bild) vom Jugendtheater Durach: „Die Zuschauer waren berührter als bei unseren vorherigen Stücken. Jemand sagte mir danach bei einer zufälligen Begegnung im Dorf: Das Stück hat etwas mit mir gemacht.“ Verantwortlich in Durach für das erfolgreiche Jugendtheater war Gabi Striegl.

Demokratie am eigenen Wohnort erleben

Auch für den Projektpartner Heimatbund Allgäu, der 37 Heimatvereine unter sich vereint, war es besonders wichtig, die Menschen vor Ort einzubinden. „Wir wollen nicht nur Postkarten sammeln, wir wollen politisch aktiv sein“, erklärte Vorsitzender Karl Milz die Motivation hinter den Aktionen zum Gedenkjahr. Heimatvereinsvorsitzender Herbert Seger erläuterte die Schwerpunkte des Heimatbundes am Beispiel Durach mit insgesamt sieben unterschiedliche Veranstaltungen zusätzlich zum schon genannten Jugendtheater. Seger und Milz waren der lokale Bezug besonders wichtig, um viele Menschen zu erreichen. „Wir haben den Menschen gezeigt, dass Demokratie nicht nur in Brüssel passiert, sondern an ihrem Wohnort“. Zusätzlich initiierte der Heimatbund Stelen mit entsprechenden Erklärungen an diversen Erinnerungsorten im Allgäu.

Die anschließende angeregte Diskussion und die Gespräche beim Marktplatz der „Themen-Erfahrungs-Inseln“ brachten weitere wichtige Erkenntnisse aus den Projektumsetzungen zur Sprache:

So sei es gelungen, die regionale und lokale Ebene sowie Stadt und Umland zusammenzubringen, Junge Menschen einzubeziehen, die Rolle der Frauen zu verdeutlichen. Die Aktivitäten haben ermöglicht, dass Menschen sich begegnen und neue Kooperationen entstanden sind. Courage ist nicht nur ein Label. Courage zahlt sich aus – 2025 hat dafür einen wichtigen Schub gegeben.

Geschichte mit der Gegenwart verbinden

Bei der abschließenden, vom Bürgerbeteiligungs-Experten Hilmar Sturm moderierten Podiumsdiskussion waren sich verschiedene Redner einig: Wichtig ist vor allem der Gegenwartsbezug: Wie stehen wir heute zu Themen wie demokratische Werte und Freiheit, die in den historischen Ereignissen präsent waren? Meinungen hierzu u.a. Geschichte wird nicht entwertet, indem man sie in Beziehung zur Gegenwart setzt. Oder „Wir haben das Bewusstsein dafür geweckt, was vor 500 Jahren geschehen ist. Jetzt wissen zum Beispiel mehr Menschen, worum es in den zwölf Artikeln geht.“

Historiker Wolfang Petz- er hat für Durach bekanntlich eine eigene Broschüre herausgebracht - gab zu bedenken, dass es beim Gedenkjahr nicht darum ging, neue geschichtliche Erkenntnisse zu generieren, sondern um den Umgang mit Geschichte und darum, Geschichte ernst zu nehmen und für unterschiedliche Altersgruppen zugänglich zu machen.

An die jungen Menschen im Publikum stellte der Moderator die Frage, was sie vom heutigen Tag mit nach Hause nehmen. Stellvertretend meinte eine Studentin, dass es wichtig sei, Geschichte zu erleben und am eigenen Körper zu erfahren. Formate funktionieren vor allem dann gut, wenn junge Menschen sie von Anfang an mitgestalten können. Außerdem sei für junge Menschen ein Fokus auf Werte besonders relevant. „Werte müssen immer wieder neu verhandelt werden“.

COURAGE-Projektleiter Peter Neudert stellte fest, dass demokratische Werte aktuell sehr gefährdet sind und es schön wäre, wenn zu diesem Thema neue Projekte bei den Partner und darüber hinaus entstehen können. Abschließend appellierte Peter Steurer von der Regionalentwicklung Vorarlberg an alle Anwesenden: „Das Projekt geht mit jeder und jedem von uns weiter. Wir müssen den Mut haben, etwas zu tun!“

Ein Lob für Durach. Die Gäste beim Symposium zeigten sich im übrigen beeindruckt von der Gastfreundschaft der Gemeinde und des Heimatvereins Durach. Die Frauen hatten Brezen und Kuchen organisiert, das Seniorenzentrum die leckeren Brötchen geliefert und der Mittagstisch kam vom Wirt der gemeindeeigenen Wirtschaft „Gasthauses Adler in Bodelsberg, Bernhard Hoffmann und hat bestens geschmeckt. Für Technik war Thommy Krause zuständig. Unterstützung gab es vom Bauhof und von der Schule Durach.

Für Herbert Seger und Bürgermeister Gerhard Hock war es ein würdiger, wertvoller und interessanter Abschluß des über mehrere Jahre dauernden Interreg Projektes COURAGE. Bezeichnend sei, dass dieses Projekt in Durach mit dem Symposium seinen Abschluss findet. Durach ist auch der Ort wo der Bauernkrieg im Juli 1525 letztlich sein Ende fand. Durach wird das Projekt im Rahmen der Jahresversammlung des Heimatvereins am 24. April offiziell beenden und Bilanz ziehen. Bilder W. Nagelrauf.

Das Buch zum Thema

Bereits vor 50 Jahren gab es in Durach eine von Hans Weixler erstellte Broschüre. Zum Gedenkjahr ist im Auftrag der Gemeinde und des Heimatvereins ein neues Büchlein über „Durach und das Kemptener Land im Bauernkrieg“ erschienen. Geschrieben hat es der Historiker Dr. Wolfgang Petz aus Kempten. Kompakt und spannend schildert Petz die damaligen Ereignisse und deren Hintergründe. Die Buchkritiken hierzu sind bestens ausgefallen.Es kann erworben werden: Im Rathaus und im Bekleidungshaus Bufler für den Spezialpreis von 5 €