In den zurückliegenden 4 Wochen machte unsere heimatliche Bahn leider durch 5-20 minütige Verspätungen auf sich aufmerksam, welche aus einem gesperrten Kreuzungsgleis in Sulzbrunn als auch mehreren weiteren Langsamfahrstellen resultieren. Was ist passiert? DB Netz hat in Sulzbrunn aufgrund eines „Gleislagefehlers“ (instabiler Untergrund) das gewöhnlich zur Durchfahrt verwendete Gleis gesperrt, so dass das über das andere, nicht im Streckenblock abgesicherte zweite Gleis gefahren werden muss. Dazu muss der Zug in Richtung Pfronten jeweils vor Einfahrt in Sulzbrunn, zufällig genau auf Brücke über die A7 gelegen, anhalten. Triebfahrzeugführer und Fahrdienstleiter in Durach haben sodann vor der Weiterfahrt die Streckensicherung nach amtlichen Sicherheitsvorschriften miteinander abzuwickeln und das kann 2-3 wertvolle Minuten dauern. Hinzu addieren sich noch andere Langsamfahrstellen. Der Umstand, dass in Sulzbrunn die Züge nun auch nicht mehr kreuzen können betrifft insbesondere die Schülerzüge! Wann alles wieder in’s Lot kommt, darüber kann nur spekuliert werden, vielleicht ist es diese Woche bis zur Drucklegung auch passiert.
Dann ist noch eine weitere unerwartete Veränderung eingetreten die letzten Tage, „der Neue“ musste wieder „dem Alten“ auf der Schiene Platz machen! Hier ein Bild des aus polnischer Produktion stammenden und hier vertragsgemäß einzusetzenden Neubau-Triebwagens PESA VT633 (Baujahr 2020) welcher auf unserer kurvenreichen Strecke teils zwar dröhnt und scheppert, dafür jedoch am mittleren Einstieg sehr große Fahrradabteile aufweist sowie überall Steckdosen für Tabletts oder Handys bietet.
„Der Neue“ Baureihe 633 in Durach; nein, keine Antenne auf dem Dach, das ist unsere Kirchturmspitze.
Der Neue ist jedoch ziemlich störanfällig, nicht zuletzt der Grund dafür, dass die Deutsche Bahn ihren Großauftrag für dieses Fahrzeug aufgekündigt hat und der polnische Hersteller dadurch in finanzielle Turbulenzen geriet. Die weiteren Folgen daraus in Bezug auf die Ersatzteilbelieferung und Instandhaltung im Werk Kempten kann man wohl nur erahnen.
Auf Überraschungen bei der Bahn ist halt stets Verlass. Ob ein solch störanfälliger Bahnbetrieb volkswirtschaftlich als auch ökologisch auf Dauer Sinn macht, die große Frage.
Daher sind momentan wieder die „guten“ ca. 23 Jahre alten Desiro-Triebwagen des Herstellers Siemens bei uns im Einsatz, auch an der Baureihenkennzeichnung 642 erkennbar, hier nachfolgend im Bild bei einer außerplanmäßigen Zugkreuzung in Durach:
Diese VT642 Triebwagen, aufgrund der Panorama-Scheiben auch „Gläserner Zug“ genannt, sind etwas kürzer, trotz ihres Alters laufruhiger, beim Einstieg ein klein wenig unbequemer weil ganz wenige Zentimeter höher und haben Platz für max. 6 Fahrräder. Daher bitte ausschließlich den mit einem Fahrrad-Symbol gekennzeichneten Einstieg benutzen! Leider gibt es im Betriebswerk Kempten davon nur mehr 3 Exemplare so dass der Schülerzug in der Frühe in der Woche dieses Berichtes nicht mehr in Doppeltraktion gefahren werden konnte.
Unser Tipp: Bei Reisen Richtung Ulm war es aufgrund der Verspätungen und den sehr knappen Anschlüssen in Kempten angeraten, mit dem Pkw bis zum Hbf in KE am Parkplatz auf der Ostseite zu fahren oder den 20er Bus zu nehmen und auf der Hinfahrt in der Nähe auszusteigen, auch war auf die Verspätungsangaben in der Bahn-Navigator App wenig Verlass.
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