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Der Gemeindeanzeiger - Gablingen Langweid
Ausgabe 28/2026
Gemeinde Langweid
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Katholische Landvolkbewegung - „Ein großer Kraftaufwand, aber er gelang“ - Zeitzeugen erzählen von Herausforderungen und Bereicherungen bei der Ankunft von Vertriebenen und Flüchtlingen vor 80 Jahren

Petra Wittmann, Christa Schaller und Rosy Lutz nehmen den Dank von Dieter Gruber entgegen

„So viel Neues brachten die Schlesier mit, im bayrischen Agrarland bei uns kannte man damals doch noch keinen Konditor, Handschuhmacher oder Ingenieur“, so eine Erfahrung von Rosy Lutz aus Klingen bei Aichach. Kath. Landvolkbewegung und Pfarrgemeinderat luden am 28. Juni, dem Tag des Patroziniums „St. Peter und Paul“, zu einem besonderen Abschluss des Festes in die Eggelhofkapelle ein. „Flucht und Zuflucht“ sollten aus gegebenem Anlass erinnert werden, in einem Raum, der dies selbst in drei beeindruckenden Bildern zum Thema macht.

An diesem Nachmittag schilderte Frau Schaller aus der Sicht eines 9-jährigen Mädchens: „Vor genau 80 Jahren, am Nachmittag des 28. Juni, dem Tag vor dem Patrozinium, kamen wir nach einem Transport zunächst im Viehwaggon und einem mehrtägigen Lageraufenthalt in der Nähe des Augsburger Bahnhofs auf einem Lastwagen am Platz vor der Schule in Achsheim an, eine Puppe in der Hand, die zu dem Wenigen gehörte, was wir mitnehmen konnten.“ Während sie zu Hause im böhmischen Neudek im eigenen Haus ein eigenes Zimmer hatte, lebte sie dann für 10 Jahre im zugewiesenen Zimmer mit ihren Eltern. Die Herausforderungen seien schon sehr groß gewesen, auf beiden Seiten. Konkret für das kleine Dorf Achsheim hieß das: 244 Neubürger binnen weniger Tage kamen auf etwas mehr als 400 „Einheimische“. Für eine andere Familie mit 13 Angehörigen, die Platz brauchten, war das nicht so einfach. Aber es brachte jemand Gemüsesuppe für sie in den Schulsaal. Frau Schaller konnte nicht weit weg davon das etwas festlichere Essen, das es zum Patrozinium auf „ihrem“ Bauernhof gab, genießen. „Das war so wichtig nach dem Verlust und den Strapazen der vorherigen Tage.“ Auch sie erlebte, dass sie „anders“ waren, allein die Skihose, die sie als Mädchen schon tragen konnte, war für die Achsheimer eher ungewohnt. Aber das Brücken schlagen gelang, was eine spätere Rückmeldung bezeugte: „Die Flüchtlingsbälle waren immer die lustigsten.“

Frau Lutz wuchs auf einem landwirtschaftlichen Anwesen auf, dem 1946 aus Schlesien kommende Flüchtlinge und Vertriebene zugewiesen wurden. Weil sie engen Kontakt hatte zu den Schlesiern, färbte manches auch auf sie als kleines Mädchen ab. Gerade auch die Sprache. Deshalb konnte sie teils in schlesisch davon erzählen, dass Breslau als Paris des Ostens galt. Sie fiel dann in der Schule eher mit lustigen Liedern aus dem Feierleben der Schlesier gegenüber dem einheimischen braven Liedgut auf. Auch die Klage einer schlesischen Frau, die bis 1986 auf ihrem Hof lebte zitierte sie – darüber nämlich, dass eben jene Sprache wohl bald aussterben würde.

Eine große Spannung galt es für viele ein Leben lang zu überbrücken: zwischen Verlust und Wehmut und neuem Lebensmut und gelingendem Miteinander. Die Beiträge, teils in den alten Dialekten, spiegelten Fröhliches und Traurige wider.(Die Leser müssten sich die böhmische „o“-s in Richtung „eou“ offen-dunkel vorstellen - die Besucher, die die Kirche bis zur letzten Bank füllten, erlebten live Einmaliges.)

 

 

Aufs Schönste die Spannung zu verbinden gelang Petra Wittmann am Flügel. Im Klavierzyklus „Auf verwachsenem Pfade“ komponierte der tschechische Komponist Leoš Janáček nahezu lautmalerisch „verwehte Blätter“ oder „schwatzende Schwalben“. Lange Zeit vor den thematisierten Fluchtereignissen, die auch dazu führten, dass manche Dörfer und Wege buchstäblich von Grün überwuchsen.