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Germaringer Gemeindeblatt
Ausgabe 7/2020
Kurz informiert
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Aus der Chronik

Ein beliebtes Ausfluglokal war der Obergermaringer Keller

Heute erinnert ein Gedenkstein an den Standort des „Obergermaringer Kellers“

Der Obergermaringer Keller

(Betriebsende um 1920)

Wer von der Wiesenstraße nach der B12-Unterführung nach links auf den Rad- und Wirtschaftsweg Richtung Dehner abbiegt, kommt ca. 50 m vor der Unterführung Steinholz-Neugablonz an der Stelle vorbei, wo rechts des Weges in den Hang hinein der Obergermaringer Sommerkeller stand.

Der Lehrer Joseph Alois Hutter, der Erbauer der Wendelwirtschaft, errichtete auch den Sommerkeller. Im Steuerkataster aus dem Jahre 1807 sind folgende Einträge für das Haus Nr. 60 (Wirt) – Fol. 737 festgehalten: „Sommerkeller-Gebäude; Pl. Nr. 1516 ½ 0 Tgw. 69 Dez.; Rustikalsteuer 2 kr 5 hl, ohne Zehent; Gerichtsbar zum königl. Landgericht; Erbrechtsweise grundbar zum Königl. Rentamt, ehemals zu St. Moritz in Augsburg mit fixiertem jährlichen Bestand; Bestandsgeld bisher 4 kr 4 hl; Im Jahre 1807 neu erbaut.“

Die Besitzer der Wendelwirtschaft waren bis um 1920 jeweils auch Eigentümer des Kellers. Als Gastwirt Joseph Gilg einen Teil des Waldes, der den Keller umschloss, 1920 an das Sägewerk Espermüller in Kaufbeuren verkaufte, forderte er vom neuen Besitzer den Abbruch des Kellers. Vielleicht wollte Gilg für die Zukunft eine Konkurrenz ausschalten. Auch die Germaringer Frauen sollen die Maßnahmen begrüßt haben, um ihren trinkfreudigen Männern die Möglichkeit zur Einkehr auf dem Weg von Kaufbeuren nach Obergermaringen zu entziehen.

Ein weiterer Grund für den Abbruch mag auch in dem Umstand gelegen sein, dass der Keller keinen Wasseranschluss hatte und deshalb das benötigte Wasser mit Fuhrwerken in Fässern von Obergermaringen zum Keller befördert werden musste.

Folglich endete mit dem Abbruch eine ca. 115 Jahre währende Tradition eines in der gesamten Umgebung beliebten Ausfluglokales, das für Jung und Alt ein Treffpunkt für Erholung, Frohsinn und Gemütlichkeit war.