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Ausgabe 19/2019
Gessertshausen
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Gartenbau-, Landespflege- und Imkerverein Gessertshausen und Umgebung e.V.

Der Gartenbau-, Landespflege- und Imkerverein Gessertshausen und Umgebung e.V. wird am Samstag, den 11. Mai ab 9.30 Uhr vor dem EDEKA-Markt in Gessertshausen eine Blühfläche anlegen. Wir wollen unsere Mitglieder und interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Gessertshausen und den Umlandgemeinden herzlich einladen praktische Tips zum Gelingen mitzunehmen und mit uns zu diskutieren welch wichtigen Beitrag gerade wir Garten-, Terassen- oder Balkonbesitzer für Bienen, Wildbienen, Fluginsekten und intakte Fauna leisten können. Wir sind auf trockenes Wetter angewiesen; bei zweifelhafter Witterung informieren sie sich bitte bei Herrn Bauer unter 0171/9351551 nach dem Ausweichtermin. Sie können auch Samen einer erprobten Blühflächenmischung zum Selbstkostenpreis bei der Aktion erwerben. Für 100 Quadratmeter müssen sie mit rund 35 € rechnen. Lassen sie sich vom nachfolgenden Artikel einstimmen und bis Samstag:

Blumenwiesen, Blühflächen und Blühbiotope

1. Blumenwiese

Der eingebürgerte Begriff ist doch etwas irreführend, suggeriert der Begriff Wiese doch eine Mischung aus Gräsern, Kräutern und Wiesenblumen. In Wirklichkeit handelt es sich hier um Samenmischungen die vorrangig auf den optischen Reiz und nicht so sehr auf den ökologischen Nutzen ausgerichtet sind. Es handelt sich überwiegend um einjährige Blühpflanzen, teilweise außereuropäischer Herkunft, ohne Gräser-, Stauden- und Kräuteranteile. Die Blühphase ist kurz und intensiv. Das Blattwerk ist relativ unscheinbar und nicht bodendeckend. Entsprechend hoch ist der Pflegeaufwand. Feinkörnige Bodenaufbereitung, Einwalzen und Düngung sind notwendig. Generell sollte nicht vor der ersten Maiwoche an- oder nachgesät werden. Im Herbst werden die Blumenwiesen i.d.R. gemäht.

2. Blühflächen

Unter Blühflächen versteht man ein- oder mehrjährige einheimische Wiesenblumen-, Blühkräuter- und Blühstaudenmischungen mit einem ausgewogenen Nektar- und Pollenangebot. Die Mischungen können stärker auf Wild- und Honigbienen oder auf die Gesamtheit der Fluginsekten ausgerichtet sein. Die Mischungen entwickeln bei guter Bodenbeschaffenheit und ausreichend Wasserangebot intensives, bodendeckendes Blattwerk und sind entsprechend pflegeleicht. Die Blütenstände sind weniger spektakulär, aber die Blühphase reicht von Ende Mai bis in den November. Die feinkörnige Bodenaufbereitung bei der Erstanlage und einjährigen Mischungen sowie Einwalzen ist notwendig, eine Düngung nicht erforderlich. Die Blühflächen werden im Herbst nicht abgemäht. Das Blattwerk verrottet über den Winter, dient der Düngung im nächsten Jahr und die ausgetrockneten Blütenstengel sind die Kinderstube der Insekten. Bei mehrjährigen Mischungen werden die verholzten Pflanzenteile nicht vor Anfang Mai ausgerecht und bei Bedarf muss nachgesät werden.

3. Blühbiotope

Samenmischungen für Blühbiotope sind fast ausschließlich mehrjährige Blühmischungen, ergänzt um Disteln und Stauden mit ausgeprägten Samenständen und einem hohen Anteil verschiedener Sonnenblumenarten. Totholzablagen, Steinanschüttungen, sandige Böschungen oder künstliche Sandhügel in sonniger Lage, Wasserfurchen und Feuchtstellen, aber auch Strauchwerk bieten ideale Lebensräume für die gesamte heimische Fauna. Das Blühbiotop bietet Nahrung und Heimat nicht nur für alle einheimischen Insekten, sondern auch für Vögel, Fledermäuse, Igel, Mäuse, Frösche, Kröten und Lurche. Die Erstanlage erfordert eine gute Plabung, ist aufwändig und erfordert ein größeres Flächenangebot. Nach vier bis fünf Jahre des Selbstüberlassens folgt ein arbeitsintensives Jahr der Runderneuerung. Mit Ausnahme der Brennnessel - sie liebt lockeren und stickstoffreichen Boden - sind keine hohen Aufwendungen für Bodenaufbereitung und Düngung notwendig.

4. Empfehlung

Versuchen sie nicht eines der beschriebenen Ideale zu realisieren. Nutzen sie die unterschiedlichen Bereiche ihres Gartens um auszuprobieren und zu mischen. Hängende, aufgestockte und bodenstehende Vogeltränken aus unlackiertem Gußeisen oder Keramik ersetzen Feuchtstellen und den Gartenteich. Ausreichend große Insektenhotels und Nistkastenangebote bringen Leben in ihren Garten. Stellen sie den Nutzen für unsere heimischen Lebewesen über ihren Ordnungstrieb. Lassen sie Gänseblümchen, Löwenzahn, Veilchen und Margarite im Rasen eine Chance. Mähen sie sparsam und um ihre Blüher herum. Diskutieren sie mit ihren Nachbarn und verteidigen sie ihren naturnahen Garten gegen die Unterstellung der Verwahrlosung.

Wir vom Gartenbauverein Gessertshausen wünschen ihnen viel Freude und unzählige Naturbeobachtungen in ihrem Gartenreich.