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Über den Zaun
Ausgabe 20/2020
Ustersbach
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AK Dorfleben – Geschichten des Corona-Alltags

Das Mauldäschleteam – Nähen für einen guten Zweck

Eine sehr gute Freundin fragte mich vor Wochen, ob ich mit meinen Strickmädels nicht Masken (Mauldäschle) nähen wollte. Ich schob diesen Gedanken beiseite, da ich in dieser freien Zeit ein Nähzimmer einrichten (geschafft!), putzen, räumen und garteln wollte.

Plötzlich wurde es ernst! Maskenpflicht beim Einkauf! Also – grübel, grübel, grübel Tag und Nacht - wie kann ich das organisieren? Stoffe habe ich zwar reichlich, da ich umweltfreundliche Taschen in der Freizeit nähe, aber alleine macht es keinen Spaß. Also bildete ich über WhatsApp eine Gruppe und machte den Mädels den Vorschlag Masken zu nähen. Anja Völk fragte ich, was sie davon hält und ob sie über die Aktiven Bürger Ustersbach (ABU) etwas organisieren könnte?

Die Resonanz auf die Idee war super, in kürzester Zeit hatten sich Näherinnen gefunden und wir begannen am 24. April Masken zu nähen. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen bildeten wir drei Zweierteams und teilten die Aufgaben auf: zuschneiden, nähen und bügeln, Gummi und Draht schneiden und einziehen. Alles in allem, ein ganz schöner Aufwand. Jede machte das, wozu sie Lust hatte und was sie am besten konnte. Der Austausch für die verschiedenen Arbeitsgänge funktionierte wie am Schnürchen. Ein Superteam hatte sich gefunden.

Als sich unsere Stoffe langsam zu Ende neigten, suchte jede zuhause nach entbehrlichen Stoffen und fragte bei Freunden und Bekannten nach, bis wir wieder genug Material hatten.

Großer Mangel herrschte an Gummibändern, doch auch da tat sich ein Türchen auf. Thomas Germscheid bot über die ABU Gummibänder und Metallbügel als Spende an.

In der Zwischenzeit nähen wir fast täglich Masken, mittlerweile jede eigenständig zuhause, nachts träumen wir schon davon. Bei uns ist es schon soweit gekommen, dass mein Mann Haus-, Garten und Küchenarbeit übernommen hat, da ich ja jetzt etwas Wichtigeres zu tun habe. Bis zum 2. Mai hatten wir 152 Masken genäht, danach wagten wir uns an Kindermasken.

Dass wir so produktiv sein können, ermöglichen uns viele, denen ich an dieser Stelle herzlich danken möchte: unseren Männern für ihre Hilfe und Geduld, den Spendern von Stoffen und Zubehör für die Masken und ganz besonders unserem supertollen Team. Es ist schön zu wissen, dass wir uns in besonderen Zeiten so gut aufeinander verlassen können. Wenn ich in unseren Dorfbioladen komme, ist es jedes Mal eine Freude, wenn mir die Mauldäschle wie kleine Fähnchen aufgereiht an einer Schnur, entgegenlachen. Wir freuen uns, dass wir damit zum Schutz der Bevölkerung beigetragen haben.

Henriette Biber