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Grabenstätter Gemeindeanzeiger
Ausgabe 19/2026
Aus dem Gemeindearchiv
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Ortsheimatpfleger

Haus der Fotografie, Burghausen

Vor 200 Jahren wurde der Bildhauer Paul Horchler geboren

 

Noch nie gehört,-wer ist denn das, werden sie jetzt fragen, was hat dieser Mann mit Grabenstätt zu tun?

Die Erklärung, Paul Horchler aus Burghausen ist der Künstler der heuer vor 160 Jahren die Altäre unserer Johanneskirche schuf.

Der Grund hierfür war, dass am 29. Juli 1862 ein Großbrand den Ort Grabenstätt vernichtete. Zum zweiten Mal innerhalb einer Generation wurden über 70 Firste des Ortes vernichtet, so auch wieder die Johanneskirche.

Waren bei dem ersten Dorfbrand 1834 nur der Turm und das Dach unserer Filialkirche betroffen, löste beim zweiten Dorfbrand loderndes Dachholz, das durch den Turmaufstieg und das „Hl. Geistloch“ herabviel, einen zerstörenden Schwelbrand im Innern aus.

Als nach Jahren das Dorf wieder aufgebaut war, beschloss die Gemeindeversammlung mit knapper Mehrheit, auch die Johanneskirche wieder in neuem Glanz erstehen zu lassen.

So wurden zuerst das Notdach ersetzt und der hölzerne Turm mit Spitzhelm errichtet.

Wie die mündliche Überlieferung weiß, war die Inneneinrichtung durch Hitze, Ruß und Rauch so stark geschädigt, dass man sich zu einer Neuanschaffung des Inventars entschloss.

Über den Bestand und das Aussehen der alten Altäre ist nur sehr wenig bekannt. Vom Hochaltar weiß man, dass es ein gotischer Flügelaltar war, in den Ausmaßen wohl dem jetzigen entsprechend und dass er im Jahr 1662 neu restauriert wurde.

Der Altartisch war an den Stufen beidseitig rückspringend.

Der rechte Flügel des Mittelteils mit einer im Relief gestalteten Madonna konnte im neuen Altar wieder verwendet werden, alles andere war, wie die mündliche Überlieferung wusste, im Sinne der Kunst zerstört und entsorgt.

Umso mehr freute man sich, als über hundert Jahre später, Ende der 1990ger Jahre, bei einem auswärtigen Sammler die mit viel Text versehene vordere Altartischverkleidung (Antependium) des mittelalterlichen Altars wieder auftauchte.

Von den übertünchten Fresken an den Wänden war zu dem Zeitpunkt nichts mehr bekannt.

 

 

Aber zurück zur Brandsanierung.

Die Kirchenverwaltung beauftragte den damals bekannten Burghauser Bildhauer Paul Horchler die Altäre mit Statuen neu zu gestalten.

Durch großzügige Spenden finanziert, lieferte er sie im Jahr 1866.

Horchler stellt im 2 flügeligen Altarschrein die Taufe Jesu am Jordan durch Johannes dem Täufer dar. Über der Szene schwebt der Heilige Geist in Form einer Taube und darüber sitzt im Altarabschluss der segnende Gott Vater.

Die Fassung in Farbe und Gold stammt von dem ebenfalls aus Burghausen stammenden, damals 35jährigen Fassungsmaler Franz Xaver Schiegl, der viel mit Paul Horchler zusammenarbeitete.

 

 

Beim Zeichnen des Lebensbildes von Paul Horchler, der heuer vor 200 Jahren geboren wurde, war mir die Stadtarchivarin von Burghausen Frau Eva Gilch sehr behilflich, bei der ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke.

Am 16. Mai 1826 in Pfreimd / Oberpfalz geboren, erlernt Horchler zuerst bei seinem Vater das Seilerhandwerk. Schon bald ging er zu seinem Bruder nach Regensburg der dort Bildhauer war. Ab 1849 studierte er in München an der Akademie der bildenden Künste Bildhauerei und praktizierte anschließend bei verschiedenen Künstlern, so auch bei Ludwig v. Schwanthaler, dem Schöpfer der Bavaria.

1853 machte er sich in Laufen selbstständig, verzog aber schon nach einem Jahr nach Burghausen.

Als er in den Grüben, der damaligen Renommierten Handwerker und Künstlergasse (heute Fußgängerzone) sein Atelier und seine Werkstatt bezog, versprach er sich größeren wirtschaftlichen Erfolg.

Erleichtert wurde sein Vorhaben, da sein Schwiegervater Georg Blum Burghauser Bierbrauer und mit dem Wirtshaus Schießstatt angesehener Gastwirt war.

Künstlerisch etablierte sich Horchler in Burghausen schnell, da die im Jahr 1851 durch einen Einsturz schwer beschädigte Pfarrkirche statt der damaligen Barocken, eine neugotische Ausstattung bekam. Wie die Stadtarchivarin weiß, viel hier bei Planung und Ausführung Horchler eine wichtige Rolle zu.

Es folgten noch zahlreiche künstlerische Werke in Burghausen, wie zum Beispiel auch der Obelisk oben auf der Napoleonshöhe.

In seinem 33jährigen Schaffen in Burghausen schuf er 81 Altäre und 14 Kanzeln.

Hier nennen seine Aufzeichnen Orte von Tarsdorf im österreichischen Bezirk Braunau, über Grabenstätt bis Holzkirchen, von Herbertsfelden im Rottal bis Landau an der Isar.

Neben Arbeiten im kirchlichen Bereich gestaltete Paul Horchler auch Kreuzwege, Grabsteine und Gedenktafeln. Auch als Restaurator war er tätig, so renovierte er zum Beispiel die Mariensäule auf dem Tittmoninger Stadtplatz.

Horchler war ein ausgesprochen vielseitiger Mensch, so gab er 1866, in dem Jahr als der Grabenstätter Altar entstand im Burghauser Anzeigeblatt folgendes Inserat auf:

„Bildhauer und Photograph in Burghausen fertigt in seinem neu erbauten Glashause, zu jeder Tagesstunde, Photographien auf Papier und Glas zu den billigsten Preisen.“

Der überaus fleißige Mann gab aber auch sein Wissen weiter, unterrichtete an der gewerblichen Fortbildungsschule in Burghausen im Linearzeichnen und Modellieren.

Paul Horchler wurde nur 60 Jahre alt. Als er 1886 starb hinterließ er nicht nur künstlerisch eine Lücke, sondern auch auf kommunaler Ebene, war er doch in der Salzachstadt Gemeindebevollmächtigter und engagierter Gründer des Verschönerungsvereins.

Von seinen zahlreichen Werken sind heute nur mehr wenig erhalten, da dem Kunstgeschmack und Zeitgeist nach dem zweiten Weltkrieg die meisten seiner Arbeiten zum Opfer fielen.

Abschließend wäre zum Sagen:

Dass sich der Schleier des Vergessens über Paul Horchler legte ist äußerst bedauerlich.

Wenn auch heute andere künstlerische Strömungen populär sind, verdient seine Person der würdigenden Reputation und sein künstlerisches Lebenswerk, der verdienten Anerkennung und Würdigung.

Wer sich davon persönlich überzeugen will, unsere Johanneskirche lädt dazu ein.

Bericht unseres

Ortsheimatpflegers Gustl Lex