Seit dem Abriss des Gasthofs zur Post Ende vergangenen Jahres öffnet sich ein ungewohnter Blick vom Marktplatz gen Süden Richtung Pfarrkirche St. Maximilian. Ähnlich frei dürfte dieser zuletzt nach den verheerenden Dorfbränden von 1834 und 1862 gewesen sein, denen auch die Gebäude im Bereich des heutigen Marktplatzes zum Opfer gefallen sind. Zu den siebenundfünzig Firsten, die bei der ersten Feuersbrunst vernichtet wurden, zählte neben dem Schloss Grabenstätt auch die altehrwürdige Johanneskirche und die Maximilianskirche, von der laut Ortsheimatpfleger Gustl Lex „nur noch die Außenmauern ohne Dach standen und deren Turm nur noch aus einem Stumpf bestand“. Einzig das Gewölbe des Presbyteriums sei erhalten geblieben und bis heute Teil der Pfarrkirche St. Maximilian, die von 1838 bis 1849 im neuromanischen Stil wiedererrichtet wurde. Schon 13 Jahre nach deren Fertigstellung, genauer gesagt am 30. Juli 1862, kam es dann unglücklicherweise zur zweiten verheerenden Brandkatastrophe. Fast das gesamte Dorf wurde dadurch zerstört, doch wie durch ein Wunder blieb die Pfarrkirche dieses Mal verschont. Während einige Jahre nach dem zweiten Dorfbrand die Grabenstätter Feuerwehr gegründet wurde (1869), war schon infolge des ersten Dorfbrandes der Marktplatz entstanden, auf dem – daher rührt auch der Name – seither Märkte stattfinden. „Grabenstätt hat seit jeher das Recht, drei Märkte im Jahr auszurichten, wobei der Lichtmessmarkt 1934 aufgelassen wurde“, erzählt Lex. Gegenwärtig gibt es sogar fünf Märkte, nämlich den Mai- und Herbstmarkt sowie die drei jährlichen Bauernmärkte. Der Marktplatz sei traditionell für die Marktfieranten bestimmt gewesen und die mehrtägigen Viehmärkte seien bis in die 1930er Jahre des letzten Jahrhunderts um die Johanneskirche abgehalten worden, so Lex. Wohl auf Betreiben des damaligen Ortspfarrers, dem die Viehmärkte im Bereich des damaligen Friedhofs ein Dorn im Auge gewesen sein dürften, beschloss der Gemeinderat 1937, die Viehmärkte künftig auf dem Außengelände des ehemaligen Reitner Gasthauses im Südwesten des Marktplatzes zu verlegen. Der freie Blick über den Marktplatz zur Pfarrkirche wird indes schon bald wieder Geschichte sein, denn die Grassauer Immobilienfirma Wohnlinie GmbH plant am alten Standort des Gasthauses zur Post in Absprache mit der Gemeinde und der Bauaufsichtsbehörde Landratsamt Traunstein einen Neubau mit ähnlicher Kubatur.
Bericht und Bild vom örtlichen Presseberichterstatter Markus Müller.