Bereits im Jahr 2022 hat sich der Gemeinderat mit dem Zustand des gemeindlichen Hochbehälters in Marwang befasst. Dabei wurde festgestellt, dass die über 70 Jahre alten Kammern dringend saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden müssen. Eine daraufhin erstellte Studie verglich verschiedene Sanierungs- und Neubauvarianten. Der Gemeinderat entschied sich schließlich einstimmig für den Neubau als nachhaltigste Lösung.
Im April 2023 wurde das Ingenieurbüro mit der Planung beauftragt. Die Eingabeplanungen für den neuen Hochbehälter und das Mischgebäude wurden vom Gemeinderat im April 2025 verabschiedet; im Herbst erteilte das Landratsamt Traunstein dann die erforderlichen Genehmigungen.
In Vocking wurde ein geeignetes Grundstück erworben, auf dem zwei Standbehälter aus Edelstahl mit einem Volumen von jeweils 250 m³ entstehen sollen. Der neue Platz wurde u.a. gewählt, weil am bisherigen Standort in Marwang wegen des beengten Baufelds ein Neubau nicht möglich ist. Durch die höhere Lage des neuen Standorts verbessert sich zudem der Wasserdruck im Versorgungsnetz– ein Vorteil und gleichzeitig auch ein Anspruch, der in der Vergangenheit immer wieder eingefordert wurde.
Einige Bürgerinnen und Bürger haben sich wegen der Finanzierung des Projekts mit einer Eingabe an die Gemeinde gewandt. Dabei wurde die Sorge geäußert, dass hohe Verbesserungsbeiträge auf die Haus- und Grundeigentümer zukommen könnten. Diese Sorgen nimmt die Gemeinde sehr ernst. Da es sich bei der Wasserversorgung um eine kostenrechnende Einrichtung handelt, müssen die entstehenden Kosten grundsätzlich anteilig auf die Verbraucher umgelegt werden. Zum Versorgungsbereich der gemeindlichen Wasserversorgung gehören die Ortsteile Marwang, Hirschau, Hagenau und Obereggerhausen im Grabenstätter Gemeindegebiet sowie die Ortsteile Ober- und Unterhochstätt im Bereich der Gemeinde Chieming.
Aktuell prüft die Gemeinde verschiedene Finanzierungsmodelle, um eine möglichst verträgliche Lösung zu finden. Außerdem wird geprüft, welchen Eigenanteil die Gemeinde tragen darf, wie die Umsetzung in Bauabschnitten erfolgen kann und in welchem Umfang dann womöglich Fördermittel beantragt werden können. Eine öffentliche Informationsveranstaltung ist geplant, sobald belastbare Zahlen und Kalkulationen vorliegen. Erst dann können verlässliche Aussagen getroffen werden. Leider führt die Verzögerung dazu, dass die Planung von Teilen der Bevölkerung nun angezweifelt wird.
In der Eingabe an den Gemeinderat wurde auch die geplante Bauweise des Hochbehälters in Vocking kritisiert. Dabei wurde auf angeblich kostengünstigere Projekte in anderen Gemeinden – etwa den Neubau in Staudach-Egerndach – verwiesen. Dort wird ein Hochbehälter in Form liegender Edelstahlröhren umgesetzt. Kalkuliert wurde die dortige Lösung mit 630.000 € netto, ohne Technik und ohne Erd- und Tiefbauarbeiten.
Die Gemeinde hält eine erneute Kostenprüfung bzw. einen Kostenvergleich der verschiedenen Ausführungsvarianten grundsätzlich für berechtigt, weist jedoch darauf hin, dass örtliche Gegebenheiten und technische Anforderungen variieren. So beträgt das Volumen des Vockinger Hochbehälters 500 m³, das in Staudach-Egerndach dagegen nur 300 m³. Der Bau eines vergleichbaren Röhrenbehälters in Vocking würde nach einer ersten Schätzung voraussichtlich etwa 930.000 € netto kosten – zuzüglich Steuerungstechnik und Tiefbauarbeiten. Der Kostenunterschied resultiert daraus, dass bei kleineren Vorhaltevolumen fertige 100m³-Röhren angeliefert werden können - wie dies am Beispiel von Staudach-Egerndach der Fall ist. Bei einem größerem Gesamtvolumen sind jedoch mehrere Teilstücke vorzufertigen, welche erst auf der Baustelle zusammengeschweißt werden können. Dies erhöht den Aufwand und damit auch die Baukosten. Zudem sind liegende, erdüberdeckte Röhrenbehälter aufwendiger zu warten als freistehende Anlagen in einem Schutzgebäude, insbesondere im Falle von Schäden. Die vorgeschlagene Bauart wäre voraussichtlich nicht wirtschaftlicher, als der bereits geplante Edelstahlhochbehälter. Zur besseren Transparenz hat die Gemeinde das Ingenieurbüro jedoch damit beauftragt, noch einmal die Gesamtkosten eines erdüberdeckten Röhrenbehälters mit denen des genehmigten Neubaus in Vocking im Detail zu vergleichen. Nach Vorliegen der Ergebnisse wird die Gemeinde die Öffentlichkeit informieren.
Ausschlaggebend für die Wahl der geplanten Hochbehälterlösung war auch die gewünschte Druckverbesserung im Versorgungsnetz. Durch den künftigen Höchstwasserstand im Hochbehälter Vocking mit 585 m ü.NN gegenüber 571 m in den Trinkwasserkammern in Marwang steigt der Wasserdruck um mehr als 1 bar. Auch wenn nur auf das Niveau der jeweiligen Entnahmerohre in den jeweiligen Behältern abgestellt wird, ergibt sich ein Zugewinn von annähernd 1 bar. Diese Zunahme trägt wesentlich zur Versorgungssicherheit bei, die den langfristigen Betrieb und die Wartung technischer Druckerhöhungsanlagen überflüssig macht.
Ein weiterer Vorteil des neuen Standorts ist die Nähe zum Versorgungsnetz des „Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Mühlener Gruppe“. Dadurch kann neben der bereits bestehenden Verbindung zum Wasserbeschaffungsverband eine weitere Notverbundleitung geschaffen werden, die die Versorgungssicherheit künftig zusätzlich erhöht.
Auch das vorgesehene Mischgebäude wurde in der Bürgereingabe zur Diskussion gestellt und die rechtliche Notwendigkeit hinterfragt. Aufgabe des Mischgebäudes ist es, eine geregelte Verschneidung des Trinkwassers aus dem Brunnen „Eggerhauser Holz“ mit dem Wasser des Wasserbeschaffungsverbands Grabenstätt zu ermöglichen. Dieser bislang manuell vorgenommene Mischbetrieb besteht seit rund zehn Jahren und wurde ursprünglich auf Wunsch eines Teils der Bürgerschaft eingerichtet.
Da die Errichtung des Mischgebäudes zwangsläufig zusätzliche Kosten verursacht, prüft die Gemeinde derzeit, ob dessen Bau zeitlich versetzt und mit Fördermitteln verwirklicht werden kann. Die Qualität des gemeindlichen Trinkwassers ist seit jeher einwandfrei und hält alle Parameter der Trinkwasserverordnung ein. Hintergrund der Mischung ist die erhöhte Basekapazität im Rohwasser, welche natur- und bodenbedingt vorkommt und sich im Zusammenspiel mit anderen Parametern auf feuerverzinkte Rohrleitungen in Hausinstallationen auswirken kann.
Die Gemeinde betont, dass sie die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger ernst nimmt und ihr ein offener und ehrlicher Dialog wichtig ist. Bedauerlicherweise können noch nicht alle Fragen zur Finanzierung beantwortet werden, was verständlicherweise Verunsicherung auslöst. Gleichwohl muss die Gemeinde auf absehbare Zeit für eine sichere, leistungsfähige und zukunftsfähige Trinkwasserversorgung sorgen. Dieses Ziel möchte die Gemeinde verantwortungsvoll und mit Blick auf kommende Generationen umsetzen.