Titel Logo
Grassauer Gemeindezeitung
Ausgabe 10/2026
Das Rathaus berichtet
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Lange Vereidigung der neuen Marktgemeinderäte in konstituierender Sitzung

Neugewählter Marktgemeinderat

Scheidender Marktgemeinderat

Elf von 20 Marktgemeinderäte sind neu im Gremium - um Freundschaft geworben

 

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, so eröffnete Bürgermeister Stefan Kattari die konstituierende Sitzung und erklärte zugleich, dass die feierliche Begrüßung der neuen Marktgemeinderäte wie auch die Verabschiedung der ausgeschiedenen Räte eine gute Tradition in Grassau sei, folglich wurde auch nicht der Sitzungssaal, sondern der Hefterkultursaal hierfür gewählt. Zudem wurde die erste Sitzung auch musikalisch durch die Blechdachse, ein erfolgreiches Bläserquartett der Musikschule Grassau, umrahmt.

Rückblickend informierte Kattari, dass er drei sehr unterschiedliche konstituierende Sitzungen erlebt habe, die erste mit 19 Jahren als Gast, dann 2014 als frisch gewählter Gemeinderat und vor sechs Jahren als Bürgermeister unter Coronabedingungen. Heute freue er sich, einen vollen Saal und unbedeckte Gesichter zu sehen. Eine Gemeinde sei eine örtliche Gemeinschaft, nicht ausschließlich zweckorientiert, keine Firma, sondern eine Dorfgemeinschaft auf Verbundenheit ausgelegt. Man spüre diese besondere Verantwortung, so der Rathauschef. In Grassau setze man sich ausdrücklich gegen Partikularinteressen ein mit dem Ziel, die bestmögliche Lösung für alle zu erreichen über Parteigrenzen hinweg. Kattari betonte zugleich, dass nie vergessen werden dürfe, dass es sich bei den Räten um Menschen handle, mit ihren Erfahrungen, ihren sozialen Netzwerken, ihren Familien, ihrem Beruf und ihren Freundschaften. Als er vor 12 Jahren überraschend zum Marktgemeinderat gewählt wurde, habe er das mit großer Dankbarkeit erfahren. Seither sind viele Freundschaften entstanden und er habe gute Erfahrungen gemacht. Kattari sprach von Vertrauen untereinander, was eine Voraussetzung für kontroverse Diskussionen ist, von echten Lösungen und erklärte, dass es nicht nur schwarz oder weiß, links oder rechts gebe, vielmehr immer einen dritten und vierten Weg. Alle wollen das Beste für unsere Dörfer und man profitiere von gegenseitiger Wertschätzung. Er warb um Freundschaft, um zugewandte Diskussion als Freunde.

Als Freunde wurden somit die neuen Marktgemeinderäte in alphabetischer Reihenfolge vereidigt. Dabei schworen diese Treue dem Grundgesetz und der bayrischen Verfassung. Für die SPD mit sieben Sitzen als stärkste Fraktion wurden vereidigt: Susanne Speckbacher, Dr. Ulrich Warweg, Marianna Herzinger und Silke Schwinghammer. Fünf Plätze konnte die CSU für sich behaupten, darunter wurden vier Räte wiedergewählt. Lediglich Dr. Anton Sichler ist neu in den Marktgemeinderat eingetreten und wurde vereidigt. Ebenso stark ist die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft, wobei vier der fünf Sitze neu besetzt wurden. Vereidigt wurden Sebastian Bosch, Michael Förg, Alexandra Gricks und Peter Zeisberger. Die Fraktion stellt mit Josef Grießenböck auch den zweiten Bürgermeister, der in der Sitzung neu gewählt wurde. Mit drei Sitzen tritt die Allgemeine Einwohnerschaft im neuen Rat auf. Markus Straßer und Sebastian Stephan wurden vereidigt und sind neu im Gremium.

Emotional wurde die Verabschiedung der elf Marktgemeinderäte, die aus dem Gremium ausgeschieden sind. Bürgermeister Stefan Kattari fand für alle sehr persönliche Worte. Achim Stümpfl, der vier Jahre im Gremium war und dem die Förderung der Kultur sehr am Herzen liegt, hätte er gerne länger im Gremium gehabt, weil die Kultur einen starken Fürsprecher brauche. Katharina Schmuck brachte ihre Kenntnisse als Architektin bei Bauangelegenheiten ein. An der Planung des „Haus für Kinder am Gänsbach“ sei sie maßgeblich beteiligt gewesen. Tobias Beck war ebenfalls sechs Jahre im Amt, zeigte sich stets den Menschen zugewandt und vertrat die Interessen der Familien. Das Wissen in Personalangelegenheiten und tiefgehende Einschätzung der Eignung einer Person, eingebracht von Franz Pletschacher, ebenfalls eine Periode im Amt, habe Kattari sehr geschätzt. Pletschacher sei Sitzungskönig, inhaltlich wie zeitlich sehr engagiert. Auf zwei Perioden, zwölf Jahre, kommt Hans Genghammer und die Arbeit mit ihm habe er sehr geschätzt. Die oftmals abweichende Meinung habe dem Marktgemeinderat gutgetan und schärfte den Blick. In den letzten Jahren habe er als Dagegen-Genghammer etwas nachgelassen, so Kattari augenzwinkernd. Dr. Winfried Drost waren in den zwölf Jahren seiner Amtszeit Lösungen, die das Leben für Menschen verbessern, wichtig. Kattari schätzte die wissenschaftliche Herangehensweise und die tiefe Recherche, die Dr. Drost einbrachte. Auch Dr. August Trimpl gehörte dem Gremium ab 2014 an. Vor allem den Blick auf die Finanzen und die notwendige soziale Komponente habe er geschätzt, so Kattari. Der dritte Arzt im Bunde ist Dr. Ernst-Christoph Weindel, der ganze 30 Jahre dem Gremium angehörte und 1996 unter Bürgermeister Raimund Schupfner begonnen habe. Drei Bürgermeister habe Weindel neben sich gehabt. Fasziniert sei er, Kattari, wie unaufgeregt Weindel zur Meinungsbildung beigetragen habe. Wenn sich Weindel zu Wort meldete, dann wusste jeder, jetzt ist Feuer unterm Dach, so erinnerte Kattari.

 

 

Olaf Gruß – 36 Jahre Marktgemeinderat

Jedes Jahr aufs Neue, Haushalt aufstellen, immer wieder neue Kollegen, immer wieder dieselben Fragen und doch nie langweilig. Die langen Linien seien Olaf Gruß wichtig, die geschichtlichen Zusammenhänge. 36 Jahre wirkte Olaf Gruß im Marktgemeinderat mit, hielt dabei seine Meinung nie zurück, war offen und ehrlich, dabei stets sachlich, nie laut aber bestimmt. Bemerkenswert sei dessen Geduld und die soziale Ader in all den Jahren gewesen, so Kattari anerkennend.

Ehemalige Bürgermeistervertreter verabschiedet

 

 

24 Jahre im Marktgemeinderat, darunter zwölf Jahre dritter Bürgermeister - auf diese Zeit kann Manfred Huber zurückblicken. Kattari erklärte, dass man sich auf Manfred Huber immer habe verlassen können. Aussagen seien immer fundiert und bis zum Ende durchdacht gewesen. Huber habe auch nie jemanden nach dem Mund geredet. Für die freundschaftliche Begleitung dankte Kattari. „Mir war es eine große Ehre und eine prägende Zeit“, so Huber. Es habe auch Spaß gemacht und er wünsche seinen Nachfolgern eine gute Hand.

Zur ehemaligen zweiten Bürgermeisterin Daniela Ludwig gewandt, meinte Kattari, dass das Leben immer wieder Überraschungen bereithalte. Das persönliche Vertrauen sei in den letzten Jahren gewachsen und Daniela Ludwig habe auf Dinge aufmerksam gemacht, die ihm nicht aufgefallen wären. „Ich bin überzeugt, unsere Zusammenarbeit war gut für die Gemeinde“, so Kattari, der Daniela Ludwig nach sechs Jahren zweite Bürgermeisterin verabschiedete.

In ihrem Rückblick holte Daniela Ludwig weit aus, erinnerte an ihre Wahl zur CSU-Ortsvorsitzenden, dann an die Kommunalwahl 2014, bei der sie erstmals gewählt wurde. In ihrer ersten Wahlperiode sei sie Fraktionssprecherin und Jugendreferentin gewesen. In den Jahren haben sich viele Freundschaften entwickelt. 2020 wurde sie wiedergewählt und zur zweiten Bürgermeisterin gewählt. Neben Familie und eigenem Unternehmen war dies eine Herausforderung. Der „Bürgermeisterfluch“ habe sie getroffen im August 2020, während Kattari im Urlaub und in Grassau und Rottau „Land unter“ war. Hochwassermanagement war gefragt. Als zweite Bürgermeisterin waren die Aufgaben vielfältig und man musste flexibel sein, mal den Advent einleiten, Interviews geben und vieles mehr. „Es war eine sehr lehrreiche Zeit und ich bin daran gewachsen“, so Daniela Ludwig. „Freie Wirtschaft trifft auf kommunale Verwaltung“, auch das war neu. Sie sei aber sehr herzlich aufgenommen worden. Mit Bürgermeister Kattari und drittem Bürgermeister Huber sei man ein gutes Team gewesen und habe auch viel gelacht. An die neuen Räte gewandt, meinte sie: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und steht zu euren Entscheidungen“. Ihrem Nachfolger Sepp Grießenböck wünschte sie alles Gute. Neben einer Urkunde erhielten alle ausgeschiedenen Marktgemeinderäte ein blühendes Apfelbäumchen. Dieses soll immer an die gemeinsame Zeit im Gremium erinnern.

tb