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Grassauer Gemeindezeitung
Ausgabe 14/2023
Das Rathaus berichtet
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Weinfest zum diamantenen Jubiläum

Partnerschaft Grassau-Tscherms gemütlich gefeiert

Die seit 60 Jahren währende Freundschaft zwischen dem Markt Grassau und der Südtiroler Gemeinde Tscherms ist wahrlich eine gelebte Partnerschaft mit musikalischem Austausch und großem gegenseitigen Verständnis. Beim Weinfest wurde die Partnerschaft im Hefterstadel mit Frei-Wein und Brotzeiten und den Blaskapellen aus beiden Ortschaften gefeiert. Die Bewirtung übernahmen der Trachtenverein wie auch die Grassauer Bauernbühne.

Dass diese Partnerschaft nicht nur auf dem Papier besteht, sondern durch viele Freundschaften und Austausche gepflegt wird, spiegelten die Reden von Bürgermeister Stefan Kattari und der Bürgermeisterin Astrid Kuprian aus Tscherms wider. Zunächst wurden die Ehrengäste, darunter die Altbürgermeister Rudi Jantke, Grassau und Roland Perntahler aus Tscherms, sowie die Sprecher des Kontaktkomitees beider Gemeinden Magdalena Schweigkofler und Peter Zeisberger sowie der Träger der Tschermser Ehrennadel Dr. Manfred Huber sowie die Träger der Grassauer Bürgermedaillen Fritz Seibold und Stefan Kattari sen. begrüßt. „Mit der Musik hat die Freundschaft vor 60 Jahren ihren Anfang genommen und wird weitergetragen“, betonte Bürgermeister Stefan Kattari und verwies zugleich auf die gemischte Kapelle aus Tschermser und Grassauer Musikern, die den Festtag umrahmten. „Wir sind alle Kinder unserer Zeit. Als die Verbindung begründet wurde, war die Welt noch eine andere“, sagte Kattari und verwies darauf, dass das Farbfernsehen und der Kassettenrekorder gerade erfunden wurden, es noch weitere acht Jahre bis zum Bau der Brennerautobahn brauchte, Konrad Adenauer Bundeskanzler war und die Berliner Mauer, die bereits seit 34 Jahren der Geschichte angehört, gerade einmal zwei Jahre stand. Die Südtiroler erlebten damals eine unruhige Zeit. Österreich und Bayern sahen sich als Schutzmacht für die Südtiroler und übernahmen Patenschaften. Heute begegne man sich auf Augenhöhe, Südtirol wie auch Bayern haben sich gewandelt. Aus dem Agrarland Bayern wurde ein Wirtschafts- und Dienstleistungsstaat und aus Südtirol eine selbstbewusste, starke Wirtschaftsregion, die man vor allem als Urlaubsdestination wahrnimmt und deren Weine bekannt sind. Kurz ging er auf den europäischen Gedanken ein und meinte, dass die Partnerschaft vor 60 Jahren als außerordentlich empfunden wurde. „Wir sind Kinder unserer Zeit und so hat sich auch die Zeit der Begegnungen, vor allem ihrer Geschwindigkeiten gewandelt“, sagte er. Nicht verändert habe sich der Wert der persönlichen Freundschaften. Vor 60 Jahren wurde der Grundstein für viele außergewöhnliche Begegnungen und wunderbare Freundschaften gelegt. Darin liege auch der Unterschied zum Urlaub. Eine Partnerschaft sei nicht beliebig, nicht austauschbar. „Wir sind in der anderen Gemeinde auch immer irgendwie wie Daheim“, betonte Kattari. Es gebe keinen Automatismus für die Partnerschaft, sie müsse mit Leben gefüllt werden und eine Partnerschaft funktioniere nur auf Augenhöhe. Kattari wörtlich: „Der Geschichte der Partnerschaft wird nun das nächste Kapitel hinzugefügt“.

Mit viel Emotion wandte sich auch Bürgermeisterin Astrid Kuprian an die Festgäste und betonte: „Da fühlen wir uns wie daheim“. Sie lobte die Gastfreundschaft und betonte, dass die Partnerschaft auch in den Vereinen tief verankert sei. Sie hob die Bürgermeister Karl Huber und Roland Pernthaler hervor, die die Partnerschaft mit Herzblut voranbrachten wie auch Altbürgermeister Rudi Jantke und vor allem Dr. Manfred Huber. „Hier begegnen sich Freunde, aber auch die Bevölkerung begegnet sich“, sagte sie. Auch erinnerte sie an die gegenseitigen Besuche zur den Veranstaltungen. So sei der Birn-Pub Verein beim Nikolausmarkt in Tscherms nicht mehr wegzudenken und auch der Besuch der Tschermser zum Grassauer Adventsmarkt ist Tradition. Es sei eine Partnerschaft auf Augenhöhe, eine Beziehung, die gepflegt werden müsse. Astrid Kuprian rief die schwere Zeit während der Pandemie hervor. „Der Bund der Freundschaft konnte auch in der Krisenzeit aufrechtgehalten werde“, berichtete sie und informierte, dass das Kontaktkomitee damals digital kommunizierte. Dies sei wichtig gewesen, um das Band der Freundschaft nicht abreißen zu lassen. „Interessant ist, dass eure Themen auch unsere sind. Wir sind ein Stückchen entfernt und doch so nah“. Auch erinnerte sie an den Besuch im Vorjahr zum 50jährigen Jubiläum der Eingemeindung Rottaus. „Heute feiern wir diamantene Hochzeit. Ein Diamant steht für etwas Wertvolles, Schönheit, symbolisiert Kraft und steht für die Ewigkeit“, betonte sie. Es freue sie, dass die nächste Generation bereits in den Startlöchern stehe, um die Freundschaft bewusst weiterzutragen. „Wir dürfen ein neues Kapitel im Buch der Freundschaft schreiben“. Ein Schmunzeln ging durch den Raum, als sie auf schöne Erinnerungen und Ereignisse zu sprechen kam. Als Gruß und Gastgeschenk aus Tscherms wurde der schmackhafte Wein, der beim Fest kredenzt wurde, mitgebracht. Sie überreichte zudem zwei Weinreben, die am nächsten Tag gepflanzt wurden.

Mit einem Eintrag ins goldene Buch der Gemeinde verwies Bürgermeisterin Kuprian auf die Gastfreundschaft und die lebendige Partnerschaft.

Angestoßen wurde mit dem guten Wein, während die Kapelle aufspielte. Auch der Vorsitzende des Musik- und Gesangvereins Tobias Gasteiger hatte noch eine Überraschung und konnte dem Tschermser Dirigenten Michael Unterturner die Noten für das Stück „Gruß an Tscherms“, komponiert von Karl Kamml und arrangiert von Hans Kröll, überreichen. Bis in den späten Nachmittag wurde gemeinsam gefeiert.

Abends wurden die rund 50 Gäste aus Tscherms noch zu einem Abendessen eingeladen, das wiederum musikalisch begleitet wurde und Raum für viele persönliche Gespräche bot. Tb