Künftig wird nur ein Energiemix eine umweltverträgliche Stromversorgung sicherstellen können. Neben PV-Anlagen und Windrädern produzieren auch Wasserkraftwerke umweltfreundliche Energie und sind stets verfügbar. Energiereferent Thomas Hofmann hat sich dem Thema Wasserkraft angenommen. Seine Erkenntnisse teilte er mit dem Marktgemeinderat.
Die Thematik Wasserkraft wurde vor mehr als zehn Jahren vom Ökomodell Achental untersucht, erinnerte Bürgermeister Stefan Kattari. Die Herangehensweise sei damals eine andere gewesen, betonte er. So war angedacht, das Wasser mittels Schlauchwehren zu stauen und auszuleiten. Nach dem dramatischen Hochwasser 2013 wurden die Pläne eines Wasserkraftwerks in der Tiroler Ache nicht weiterverfolgt, wusste der Rathauschef. „Wenn heute ein erneuter Vorstoß betrieben wird, dann weil die Umstände deutlich anders sind“, betonte er. Die Tiroler Ache sei ein herausragender Alpenfluss, in dem die Geschiebeführung und die Sole des Flusses weitgehend intakt sind. In der Ache gebe es, bis auf das Wehr in Marquartstein, keine Querbauwerke. Dieses Querbauwerk, so wusste der Rathauschef, wurde ursprünglich vom Kloster Frauenchiemsee für den Fischfang errichtet und erst später als Energielieferant für eine Getreidemühle und danach als E-Werk betrieben. Kattari sprach sich für eine Betrachtung des Wasserkraftpotentials, jedoch ohne ökologische Eingriffe aus. Energiereferent und Marktgemeinderat Thomas Hofmann hat sich diesem Thema angenommen und ist dabei auf ein Schachtwasserkraftwerk gestoßen, das bereits als Pilotprojekt in der Loisach verbaut und von der TU München entwickelt wurde. Hier wurde ein Schacht ins Flußbett nach einem natürlichen Absturz gegraben und in dem Schacht Turbine und Generator verbaut. Das Wasser treibt die Turbine an und läuft zurück in den Fluss. Oberhalb des Schachts fängt sich Geröll und Geschiebe und wird mittels eines Rechens wieder in den Fluss flussabwärts gespült. Dieses Wasserkraftwerk, das kaum zu sehen und hören ist, schützt die Fische. Die Sogwirkung ist so gering, dass die Fische sie überbrücken können und sie den Weg flussabwärts finden. Flussaufwärts gelangen die Fische über eine Fischtreppe. Durch die ökologische Ausrichtung kann das Schachtwasserkraftwerk auch in Naturschutzgebieten verbaut werden. Wie Hofmann erklärte, betrug die Bauzeit des Werks in der Loisach zwei Jahre. Bei Hochwasser läuft das Wasser einfach über das Werk. Er fragte dort auch nach den Fischen und erhielt als Auskunft, dass der Bestand eher zu- als abgenommen habe. Kattari ergänzte, dass Fische die Strömung wahrnehmen und dadurch den Zugang zur Fischtreppe erkennen. Tom Hagl fügte an, dass die Ache mindestens ein halbes Jahr lang nur wenig Wasser führe und fragte, ob dies dann reiche. Laut Thomas Hofmann sei genau dies zu prüfen. Er halte ein derartiges, ökologisch vertretbares Bauwerk als einen guten Beitrag zur klimafreundlichen Energiegewinnung. Möglich sei solch ein Bauwerk bei natürlichen Wasserabstürzen, wie sie in Almau oder Marquartstein vorhanden sind. Laut Kattari wolle man nur den Anstoß bieten, eine Zusammenarbeit mit den Achentalgemeinden forcieren und so wolle man den Ball nun an das Ökomodell Achental weiterspielen. Daniela Ludwig betonte, dass ihr diese Art der Energiegewinnung besser gefalle als Windräder, es ein Gewinn fürs gesamte Achental wäre und man damit die Energiewende mitgestalten könnte. Katharina Schmuck hob die Grundlastfähigkeit hervor. Christoph Bauhofer, Geschäftsführer des Ökomodell Achental, fügte hinzu, dass man sich jede Energieform neutral ansehe, auch die Wasserkraft. Ein Vorteil sei, so Bauhofer, dass die Ache nicht gletschergespeist werde und somit auch die Gefahr von weniger Wasser künftig nicht gegeben sei. Laut Richard Schreiner soll dies weiterverfolgt werden. Er fragte nach dem Haken. Gemäß Hofmann sei dies natürlich auch ein Eingriff in die Natur. Im Gegensatz zu einem normalen Wasserkraftwerk, oftmals als Fischhäcksler verschrien, schützt das Schachtkraftwerk die Fische. Hofmann folgerte, dass die Wirtschaftlichkeit geprüft werden sollte. Seine Intention sei, auf diese Möglichkeit eines umweltfreundlichen Wasserkraftwerks aufmerksam zu machen und möglichst den Stein ins Rollen zu bringen.
Einhellig votierte der Rat, die Prüfung eines umweltverträglichen Wasserkraftwerks an der Tiroler Ache zu unterstützen. tb