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Grassauer Gemeindezeitung
Ausgabe 14/2026
Das Rathaus berichtet
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Das Rathaus berichtet

v.l. In unmittelbarer Nähe des Gasthofs zur Post ist eine Traudlstation Bürgermeister Stefan Kattari, Tobias Gasteiger, Sebastian Schallinger Abteilungsleiter Mobilität im Landratsamt und Seniorenreferent Franz Heuberger warteten gemeinsam auf die Traudl.

Anbindung an Marquartstein fehlte den Interessierten

 

Wenn der öffentliche Nahverkehr nicht genutzt werden kann, dann kommt der Rufbus „Traudl“ mit mittlerweile 64 Haltestellen im Gemeindegebiet zum Einsatz. Das System ist ausgereift, leicht erklärbar, schnell buchbar, bargeldlos oder bar bezahlbar, flexibel und behindertengerecht einsetzbar. Eine besonders wertvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr, davon sind nicht nur Bürgermeister Stefan Kattari und Tobias Gasteiger, Gemeindeverwaltung sondern auch Sebastian Schallinger Sachgebiet Mobilität im Landratsamt Traunstein überzeugt. Auf Initiative des Behinderten- und Seniorenreferenten Franz Heuberger wurde eine gut besuchte Informationsveranstaltung im Gasthof „Zur Post“ angeboten.

„Mit den drei Nachbargemeinden Übersee, Grabenstätt und Chieming haben wir uns auf den Weg gemacht, mit dem Rufbussystem die Mobilität vor Ort zu verbessern“, so erklärte Bürgermeister Kattari nach einleitenden Worten des Senioren- und Behindertenreferenten Heuberger. Wer abgelegen in einem Weiler wohnt oder auf einer Berganhöhe, der kann nun ebenfalls zu einer Haltestelle nur wenige Meter entfernt und wird dort abgeholt. Traudl ist für die Feinerschließung zuständig. Den ungedeckten finanziellen Bedarf zahlen die Gemeinden, er liegt nach Abzug der Förderung in einem sechsstelligen Bereich. Kattari lobte das Sachgebiet Mobilität im Landratsamt, welches das Prozedere abgewickelt habe und hier besonders Leiter Sebastian Schallinger und Marco Just. Auf die Frage, warum die Traudl nicht nach Marquartstein fährt, antwortete Kattari, dass die Nachbargemeinde bei dem Projekt nicht mitzahlt. Schallinger betonte, dass es ein Anliegen sei, in den teilnehmenden Gemeinden alle Personenkreise, alle Altersschichten, Einheimische wie Touristen bedienen zu können. Wichtig sei dies, da der Landkreis ländlich geprägt mit verteilter Struktur sei. Dieser „on demand“ (auf Abruf) -Verkehr sei eine sehr gute Lösung für die Feinsterschließung. Er verwies auf das Rufbussystem „Rosi“ im Landkreis Rosenheim und auch „Rupi“ im Waginger Bereich, die erfolgreich laufen. Schallinger erklärte die Funktionsweise der Traudl, wobei über 90 Prozent der Buchungen über die App laufen, aber ebenso einfach telefonisch der Bus bestellt werden kann. Die Traudl fährt von Haltestelle zu Haltestelle, sei kein Taxi, leite zu den Bushaltestellen, sofern in nächster Zeit eine Möglichkeit besteht, den OPNV zu nutzen, oder bringt den Fahrgast zur Bahn. „Wir haben in den vier Gemeinden auch sehr gute Bus- und Bahnlinien“, betonte Schallinger.

Gefragt wurde, ob mit dem Schwerbehindertenausweis auch kostenlos gefahren werden kann. Tobias Gasteiger, der das Traudlprojekt in der Marktgemeinde Grassau betreut, erklärte, dass hierzu ein Schwerbehindertenausweis mit Wertmarke vorliegen müsse. Nur wenn der Behinderungsgrad hoch ist, kostet die Wertmarke nichts und eine Begleitperson kann ebenfalls kostenlos chauffiert werden. Diesbezüglich gilt es, sich jeweils vorab zu informieren.

Die Preise für die Traudl sind nach Kilometern gestaffelt. Von null bis vier Kilometer kostet die einfache Fahrt nur 2,50 Euro, maximal fallen Kosten von 11 € (bei über 26 km einfach) an. Zudem könne das Deutschlandticket angerechnet werden, da die Traudl Teil des öffentlichen Nahverkehrs ist. Eine Fahrt, egal wie viele Kilometer, kostet dann maximal vier Euro. Kinder bis 5 Jahre fahren immer kostenlos.

Martin Baumann fragte, welche technischen Voraussetzungen notwendig seien. Die App könne auf fast allen Handys, sofern sie nicht zu alt sind, heruntergeladen werden. Auf dem I-Pad funktioniert die App noch nicht. Eine Dame regte an, neben PayPal auch Wero (europäisches Bezahlsystem) anzubieten. Sie habe Traudl schon mehrfach genutzt und der Rufbus sei für sie, die sie kein Auto besitze, eine Bereicherung, vor allem am Wochenende. Schallinger freute dies, er erklärte, dass die Traudl täglich von 6 bis 22 Uhr fährt. Ab 22 Uhr besteht dann am Freitag und Samstag die Möglichkeit, auf den Nachtexpress zu wechseln. Dieser fährt von 22 bis drei Uhr nachts. Fünf Busse fahren für den Nachtexpress im Landkreis. Leider können die beiden Apps nicht zusammengefasst werden. Gefragt wurde weiter nach der Beförderung von Rollstuhlfahrern. Hierfür sei das Fahrzeug mit einer Rampe ausgestattet. Auch interessierte, ob sich Marquartstein noch umentscheiden könne. Dies verneinte Bürgermeister Kattari, zumindest nicht in den kommenden vier Jahren, denn in dieser Zeitspanne sind die Gemeinden vertraglich gebunden. 2. Bürgermeister Sepp Grießenböck fragte nach, ob man sich während der Fahrt bezüglich Haltestellen umentscheiden könne. Laut Schallinger geht das nicht, da die Strecke vorab gebucht werden müsse. Bei mehreren Personen sei es auch nicht möglich, zwischen der Strecke eine Haltestelle anzufahren, da sonst die Taktung nicht mehr stimmt. Es könne aber jede Person der Gruppe die Fahrt mit seiner Haltestelle buchen. Ob zwei Fahrzeuge reichen, um das Gebiet abzudecken, interessierte Martin Baumann. Kattari informierte, dass die Option auf ein drittes Fahrzeug bestehe, man aber glaube, dass zwei Fahrzeuge reichen. Tobias Gasteiger ergänzte, dass planbare Fahrten bis zu einer Woche vorher gebucht werden können.

Die vielen Besucher zeigten sich dankbar für die Informationen und dem ein oder anderen wurde zudem beim Einrichten der Traudl-App geholfen. tb