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Grassauer Gemeindezeitung
Ausgabe 2/2023
Das Rathaus berichtet
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Aus der Sitzung des Tourismus-Ausschusses

Max Felber leitet seit Juli die Tourist-Information Grassau

Übernachtungen weiterhin leicht rückläufig, Ferienwohnungen werden immer beliebter

Der Übernachtungsrückgang während der Pandemie konnte im vergangenen Jahr noch nicht überwunden werden. Dennoch zeigte sich der neue Leiter der Grassauer Touristinformation Maximilian Felber in der Tourismus-Ausschusssitzung zuversichtlich. Die Tendenz steigt und nähert sich den Werten von 2019. Auch die neue Strategie im Tourismus wurde besprochen.

Im Juli 2022 trat Max Felber die Stelle als Leiter der Tourist-Information an. Er kehrt damit zu seinem Ausbildungsbetrieb nach dem Studium in Salzburg und weiterer Berufserfahrungen in Tourismusbetrieben an seine ehemalige Wirkungsstätte Grassau zurück. Er informierte über den personellen Bestand der Tourist-Info wie auch über die Verbandsarbeit. Interessant waren die Übernachtungszahlen in 2022. Insgesamt konnten 118.675 Übernachtungen gezählt werden, was ein Minus an 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Dafür ist die Zahl der Gäste gleich über 42 Prozent auf 31.743 gestiegen. Besonders in Rottau nahmen Übernachtungen und Gästeankünfte erheblich zu. So konnte Rottau 25.403 Übernachtungen, ein Plus von 17 Prozent und 7628 Gäste - einen Zuwachs von 67 Prozent – verbuchen. In Mietenkam hingegen sind die Übernachtungen um knapp 21 Prozent auf 3658 gesunken. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 3,05 Tagen je Gast und reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Tage. Bereits während der schwierigen Coronajahre zeigte sich eine steigende Beliebtheit von Ferienwohnungen. Dieser Trend, so Felber, hält weiter an und im vergangenen Jahr konnten die Hälfte aller Übernachtungen in Ferienwohnungen und Urlaub auf dem Bauernhof verbucht werden. Die größte Gästegruppe stellen die 50 bis 65jährigen. Zur alltäglichen Arbeit zählt, so Felber die Bewerbung des Ortes über das Internet auf den Kanälen von Facebook und Instagram. Durch Landschaftserlebnisse sollen die User die Gemeinde besser kennenlernen. Knapp eine halbe Million Klicks könne die Homepage aufweisen. Auch zur Unterhaltung der Gäste vor Ort werde einiges getan. Felber erinnerte an die Führungen, darunter die beliebte Führung „Galgen und Gericht“ wie auch die Bergführungen, deren Teilnahmen jedoch verhalten waren. Hier werde man sich ein neues Konzept überlegen. Tobias Beck fragte nach einer Statistik, die den Erfolg der einzelnen Werbemaßnahmen belegen könne. Dies sei, so Felber, schwierig zu messen. Franz Heuberger erkundigte sich nach der Entwicklung des größten Vermieters im Ort, dem Hotel „Achental“. Felber erklärte, dass die Zusammenarbeit mit der Tourist-Information verstärkt werde, sich das Hotel derzeit in einer Transformation befinde.

Strategieplanung der Tourist-Information

Bürgermeister Stefan Kattari informierte, dass die Tourist-Information weiterhin Vorschläge aus dem Markenbildungskonzept umsetzen möchte. Laut Felber wurde beim Markenbildungsprozess herausgearbeitet, welche Werte die Gemeinde besonders auszeichnet und einen Besuch so besonders macht, um herauszufinden, welche Gäste sich wohl fühlen und gezielt beworben werden sollen. Herausragende Merkmale der Gemeinde sind Landschaft zwischen See, Berg und Filzen, breites Sportangebot, Wander- und Radwege, Museen, gute Verkehrsanbindung, Familienfreundlichkeit, großes kulturelles Angebot. Aufgrund dieser Basis wurde als Zielgruppen die junge Familie wie auch die bürgerliche Mitte ermittelt. Die junge Familie kommt auch in der Nebensaison. Um ein Bild vor Augen zu haben, wurde Kerstin Schnell als fiktive Person erfunden. Kerstin Schnell ist 39 Jahre, verheiratet, Mutter eines fünfjährigen Kindes und verfügt über ein Familiennettoeinkommen von 3500 Euro. Sie ist sozial verwurzelt, umwelt- und ernährungsbewusst. Sie bucht online. Die zweite Personengruppe sei die bürgerliche Mitte, die Stammgäste der Gemeinde. Auf diese müsse man nicht eigens zugehen, dennoch darauf achten, dass die gewohnte Qualität bleibt. Ein wichtiges Thema sei die Mobilität. So sei es gelungen, das gesamte Angebot des Regionalverkehrs Oberbayern den Gästen mit der Gästekarte kostenlos anzubieten. Stelle man sich Kerstin Schnell vor, so sei ein ständiger Internetzugang wichtig. Für Vermieter bedeute dies die Bereitstellung von W-Lan.

Dr. Winfried Drost kritisierte die Strategie und die zwei Zielgruppen als altbacken und sehr konservativ. Hierzu betonte Felber, dass nicht nur diese zwei Zielgruppen beworben, doch das Hauptaugenmerk auf diese Personengruppen gelenkt werden. Laut Drost könnten auch Mountainbiker als Zielgruppe aufgenommen werden. Gerade im Bereich E-Biker sehe er Potential. Bürgermeister Kattari ergänzte, dass das Angebot auch mit der Zielgruppe kooperieren müsse. Oftmals wollen Vermieter ihr Angebot nicht für eine Nacht zur Verfügung stellen. Gemäß Felber müsse so viel wie möglich digitalisiert werden, darunter Wanderkarten, Touren, Outdooraktivitäten, diese optimiert und mit neuen Layout versehen und neue Datenbanken bespielt werden. Der Gast solle bei der Buchung bereits die Möglichkeit haben, noch mehr Aktivitäten zu buchen. Zudem solle, so Felber, die Webseite, die nun sechs Jahre alt ist, einen Relaunch mit neuem Bildmaterial und einer einfachen, direkt adressierten Sprache erhalten. tb