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Grassauer Gemeindezeitung
Ausgabe 3/2023
Das Rathaus berichtet
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Aus dem Gemeinderat

Leere Bereiche des Friedhofs werden nun für Rosengräber für die Urnenbestattung verwendet. Neue Bäume und Bereiche für die Trauerarbeit sollen entstehen.

Neues Friedhofskonzept in Grassau

Die Bestattungskultur unterliegt einem Wandel. Dies zeigt sich auch darin, dass immer mehr Erdgräber im alten Grassauer Friedhof aufgelassen werden. Zudem steigt die Nachfrage nach möglichst pflegefreien Grabstätten. Um den traditionellen Grassauer Friedhof als Begegnungs- und Trauerort zu erhalten und gleichzeitig neuen Bestattungsformen gerecht zu werden, wurde bereits im Sommer 2022 ein Planungskonzept in Auftrag gegeben.

Michael Hartl vom Friedhofkompetenzzentrum stellte dem Gemeinderat Grassau den ersten Teil des Konzepts für den hinteren Teil des alten Friedhofsbereichs in Grassau vor.

Bestattungskosten müssen bezahlbar bleiben

Gehandelt werden müsse auch, um die Bestattungskosten bezahlbar zu halten und den Pflegeaufwand nicht steigen zu lassen, so Bürgermeister Stefan Kattari. Der Bedarf an pflegefreien Bestattungsformen steige. Kattari erklärte, dass vorerst nur über einen Teil des Konzepts beraten werde. Die restlichen Planungen für die Friedhöfe in Grassau und Rottau werden vor Ende des Jahres erwartet.

Das Planungskonzept für den Friedhofsbereich A – 5 und A – 6, hinter dem alten Teil mit Aussegnungshalle, stellte Michael Hartl vom Friedhofkompetenzzentrum nun vor. Er verdeutlichte, dass eine Urnenwand als Aufbewahrungsform keine endgültige Bestattung darstelle und die Urne nach der Ruhezeit in ein endgültiges Grab in der Erde mit erneuten Kosten umgebettet werden müsse. Folglich werde nach endgültigen Bestattungsformen gesucht. Der Wunsch vieler Angehöriger sei eine personalisierte Grabstelle, an der getrauert werden könne, ohne die Verpflichtung der Pflege.

Konzept soll 30 bis 50 Jahre halten

Man wolle die geradlinige Struktur des alten Friedhofs nicht durchbrechen und neue Bestattungsformen harmonisch in den Bestand integrieren. Das Konzept solle 30 bis 50 Jahre halten, mit einem attraktiven Bestattungsangebot.

Eine dieser neuen Formen sei das Rosengrab. Eine mit Rosen und Blühstauden bepflanzte Fläche werde mit einer Reling eingefasst. Entlang dieser Reling werden Tafeln mit Kerzenhaltern angebracht, welche die jeweiligen Urnengrabstellen markieren. Die Tafeln können von den Graberwerbern individuell beschriftet und gestaltet werden. So entstehen pro angelegtem Rosengrab zwischen 32 und 40 Urnengrabstellen. Vorgesehen ist es, Einzelgrabstätten wie auch Partnergrabstätten anzubieten. Für die Graberwerber ist die Grabstätte pflegefrei.

Eine weitere Form sei das pflegefreie Urnengemeinschaftsgrab. Hier werden aufgelassene Wandgräber in Urnenerdgräber umgewandelt. Die bisherige Form und Größe der Grabstätte mit Grabumfassung bleibt bestehen, jedoch wird die Fläche am Boden in vier Bereiche unterteilt. So entstehen pro bisherigem Wandgrab vier Urnengräber für jeweils zwei Urnen. Mit Bronzetafeln an der Wand wird an die Verstorbenen erinnert. Die Gräber werden bepflanzt und sind für die Angehörigen pflegefrei.

Geplante Auswahl an Bestattungsmodulen

Vorteil der modularen Bauweise sei, dass Grabfelder erweitert werden können und ein Lückenschluss möglich sei. Die Planung zeige, in welchem Bereich keine Grabstelle für Erdbestattung mehr vergeben werden sollen. Es solle darauf geachtet werden, dass im vorderen Friedhofsteil Lücken geschlossen werden. Mit dem vorliegenden Konzept können ca. 200 neue Urnengrabstellen, 32 in den Gemeinschaftsgräbern und ca. 160 in den Rosengräbern, geschaffen werden.

Wichtig, so Hartl, sei es auch, Räume für die Trauerarbeit zu bieten, das Ablegen von Blumen und Kerzen zu ermöglichen sowie Angebote wie Schiefertafeln zur Beschriftung mit Sprüchen, Versen und Zeichnungen oder auch einen Trauerbriefkasten bereit zu stellen. Auch die Trauerrituale hätten sich geändert. Der jetzige Plan sehe im Durchgangsbereich zum hinteren Friedhofsteil drei Schiefertafeln zum Beschreiben vor. Wo ein Leerstand an Gräbern ist, werden Säulen-Hainbuchen gepflanzt. Er betonte, dass die Bäume mehrere Funktionen erfüllen, die Aufenthaltsqualität erhöhen und Schatten spenden. Auch mehrere Sitzbänke sowie ein weiterer Brunnen sind vorgesehen. Der Hauptweg in der Mitte solle drei Meter betragen.

Hartl erklärte, dass es weitere Bestattungsmodule gebe, die in die weiterführende Planung aufgenommen werden können, wie das Baumgrab, in dessen Zentrum der Baum, herum die Erdurnengräber liegen und eine Stele an die Verstorbenen erinnert. Ein Wiesengrab, eventuell mit Streublumenwiese, eine Felsbestattung, wobei im Zentrum eine Art Felsenlandschaft zu sehen ist, seien möglich.

Der Friedhofsbesuch werde angenehmer und sei nicht mit aufwendiger Pflegearbeit verbunden, erklärte Hartl zu dem neuen Konzept.

Kosten belaufen sich voraussichtlich auf 165.000 Euro

Die Umsetzung der aktuellen Planung kostet voraussichtlich 165.000 Euro, schätzt der Planer. Darin enthalten sei neben der Anlage der neuen Gräber eine automatische Bewässerungsanlage, Bereiche für die Trauerarbeit, Fundamente entfernen und erneuern sowie Wegebau. Kattari gefiel die Planung, die den Friedhofsteil, der etwas an Attraktivität verloren habe, aufwertet. Begeistert zeigte sich auch 2. Bürgermeisterin Daniela Ludwig. Sie plädierte zudem dafür, Partnerschaftsgräber anzubieten.

Fragen aus dem Gemeinderat

Ob die Rosengräber auf freien Flächen realisiert werden können, wollte Richard Schreiner wissen. Laut Hartl seien diese dort geplant, wo Leerstand ist. Es werden keine Grabnutzungsrechte durch diese Planung eingeschränkt. Auf die Frage von Tom Hagl, ob die Fläche an den Beeten für die Angehörigen an Allerheiligen ausreiche, informierte Hartl, dass man rund um die Bereiche stehen könne. Erfahrungsgemäß seien die Gräber nicht so frequentiert wie Familiengräber. Ob die Erinnerungstafeln, die an den Gemeinschaftsgräbern und Rosengräbern angebracht werden, genormt seien, interessierte Schreiner. Geplant seien diese quadratisch im Ausmaß von 15 auf 15 Zentimetern aus Bronze. Die Beschriftung kann individuell gestaltet werden. Die einheitliche Größe halte Hartl für wichtig. Ob sich der Bauhof die Pflege zutraue, wollte Hans Genghammer wissen. Wie dies organisiert werde, sei noch nicht entschieden, so Kattari. Die Pflege könnte auch extern vergeben werden. Laut Hartl fließen die Kosten für die Pflege in die Grabnutzungsgebühr ein.

Einstimmig wurde die Planung angenommen. Es wird ein Werksplan erstellt und die Arbeiten ausgeschrieben. An Allerheiligen soll die Umgestaltung abgeschlossen sein. tb