Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs soll durch den Rufbus „Traudl“ erweitert und verbessert werden. Für die Einführung des Rufbusses stimmte nun auch der gesamte Marktgemeinderat. Bis zur Umsetzung wird es dennoch etwas dauern, wie Bürgermeister Stefan Kattari erklärte.
Der Abstimmung für den Rufbus gingen viele Beratungen voraus. Mit großem Interesse wurde der Rufbus „Rosi“ im Landkreis Rosenheim verfolgt und auch gesehen, wie gut dieser Rufbus bei der Bevölkerung ankommt und genutzt wird. Man wollte sich, so Kattari, ebenfalls an „Rosi“ beteiligen, was aber aufgrund von Ausschreibungen und zeitgebundenen Verträgen nicht möglich war und so habe man sich nach einem eigenen, ähnlichen Modell umgesehen. Wie er weiter ausführte, wurden dann zwölf Gemeinden im Landkreis Traunstein nach einer möglichen Beteiligung gefragt. Mit fünf dieser Gemeinden seien dann konkrete Planungen begonnen worden, darunter Übersee, Grabenstätt, Chieming, Seeon und Seebruck. Drei haben bereits positive Beschlüsse gefasst. Zur Finanzierung informierte der Rathauschef, dass der Landkreis einen jährlichen Zuschuss von 16.000 Euro pro Gemeinde und Jahr gewähre, also insgesamt 80.000 Euro. Zudem sei der Landkreis bereit, über das Sachgebiet Mobilität die Ausschreibung zu übernehmen, wie Kattari betonte, eine sehr komplexe Angelegenheit. Auch wurde bereits ein gemeinsames Konzept für die fünf Gemeinden erarbeitet, das stark an das Konzept vom Rufbus Rosi angelehnt ist. Zum Konzept ergänzte er, dass in Grassau, Rottau und Mietenkam neben den bestehenden neun Haltestellen des ÖPNV weitere knapp 40 Rufbus- Bedarfshaltestellen eingerichtet werden. In der Regel sollen alle Bürger nicht weiter als 400 Meter von der nächsten Haltestelle entfernt wohnen. Sinn des Rufbusses sei es nicht, den ÖPNV auszugrenzen, sondern vielmehr diesen zu ergänzen und einzubeziehen sowie eine Feinerschließung möglichst wohnortnah zu bieten. Angefordert wird der Rufbus über eine App, in der auch die Haltestellen hinterlegt sind. Algorithmen in der App verhindern zudem, dass es Parallelfahrten zum ÖPNV geben wird. Der Rufbus kann zudem auch telefonisch geordert werden, ist behindertengerecht ausgestattet und habe zudem Kindersitze an Bord, ergänzte Kattari. Zu den Fahrpreisen berichtete er, dass diese sich im Bereich des ÖPNV bewegen werden. Wer das 49-Euro-Ticket besitzt, kann mit Traudl günstiger fahren.
Neben der Anschaffung von zunächst zwei Kleinbussen mit jeweils acht Sitzen mit Option auf ein drittes Fahrzeug müssen auch die Betriebskosten und Fahrer sowie die Betriebszeiten kalkuliert werden. Vor Abzug der Förderung ist mit 732.000 Euro, verteilt auf fünf Gemeinden, zu rechnen. Nach Abzug der Landkreisförderung von 80.000 Euro ist mit einer staatlichen Förderung von bis zu 65 Prozent im ersten Jahr zu rechnen. Da es sich um eine Anschubförderung handelt, sinkt dieser Prozentsatz in den ersten fünf Betriebsjahren auf 35 Prozent. „Das ist eine freiwillige Angelegenheit, aber zugleich eine große Chance“, betonte der Rathauschef. Einnahmen aus dem Ticketverkauf werden erwartet. Hierbei handle es sich vorerst um eine grobe Kostenschätzung.
Noch werde keine Entscheidung über die Art der Fahrzeuge getroffen, wobei E-Fahrzeuge wahrscheinlich aufgrund der Ladezeiten problematisch sein könnten. Die Busse sollen täglich, auch an den Wochenenden, kursieren und von Sonntag bis Donnerstag von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr zur Verfügung stehen. Wie lange die Busse an den Wochenenden fahren, ob bis ein Uhr nachts oder bis drei Uhr früh, wird in den Gemeinden diskutiert. Die Gemeinden, die bereits für den Rufbus votiert haben, sehen ein Uhr nachts als ausreichend an, ergänzte der Rathauschef. Auch konnte er mitteilen, dass voraussichtlich der Nacht-Express für die Nachschwärmer wieder fahren werde.
Dass dieses Projekt nicht von heute auf morgen umzusetzen ist, liegt auch am Vergabeverfahren. Man gehe davon aus, dass bis zum Jahresbeginn 2025 der Zuschlag an eine Firma erfolgen und diese dann mit der Akquise des Personals beginnen könne.
Wie Kattari ausdrücklich betonte, handle es sich beim Rufbus nicht um ein Taxi, folglich werden die Fahrgäste auch nicht bis zu der Haustüre, sondern bis zu den Haltestellen gefahren. Allerdings können die Haltestellen so gewählt werden, dass diese möglichst nahe dort positioniert werden, wo mobilitätseingeschränkte Personen wohnen. Das Konzept sehe vor, dass ein Ringschluss zum Rufbus Rosi im Landkreis Rosenheim möglich wird. Hierfür wird eine Haltestelle in Bernau eingerichtet und auch in Traunstein wird es eine Haltestelle geben. Der Rufbus fährt jedoch nur dann, wenn weder Bus noch Bahn zur Verfügung stehen.
Daniela Ludwig erkundigte sich, ob sich der Vertrag nach sechs Betriebsjahren automatisch verlängern werde und befürwortete zudem eine Betriebszeit bis drei Uhr nachts an den Wochenenden. Laut Kattari müsse nach sechs Jahren eine erneute Ausschreibung erfolgen. Auch Thomas Göls sprach sich für eine Fahrzeit bis drei Uhr aus, zumal es an den Wochenenden schwierig werde, ohne Auto nach Hause zu kommen. Als kleinen Hinweis ergänzte er, dass mit dem Rufbus auch Auszubildende gesammelt gefahren werden könnten. Thomas Hofmann sieht den Rufbus als einmalige Chance und meinte, es sollte zudem das Signal für eine längere Fahrzeit bis drei Uhr nachts gegeben werden. Achim Stümpfl fand es schade, dass sich einige Gemeinden zurückgezogen haben und betrachtet den Rufbus auch als Chance, der Kulturlandflucht entgegenzuwirken. Dr. Winfried Drost freute es, dass die Busse behindertengerecht mit Rampe ausgestattet werden.
Einhellig sprach sich das Gremium für den Rufbus Traudl aus, sofern die staatliche Förderung gewährleistet werde. Eine Betriebszeit bis drei Uhr nachts an den Wochenenden wurde ebenfalls als sinnvoll angesehen. Tb