Das bürgerschaftliche Interesse an der Grassauer Entwicklung zeigte sich in der sehr gut besuchten Bürgerversammlung im Hefter-Kultursaal. In erster Linie widmete sich Bürgermeister Stefan Kattari den großen zukunftsweisenden, wie er betonte Generationen- Bauprojekten, wie Schule, Feuerwehr Rottau und Kindertagesstätte Gänsbach.
Mit der „großartigen Nachricht“, dass das Turnhallendach nun saniert werden dürfe, leitete Bürgermeister Kattari zu den Bauprojekten über. Der Markt Grassau sei gut vorbereitet und die Sanierungskosten von geschätzten 160.000 Euro längst im Haushalt vorgesehen. „Wir gehen hier in Vorleistung und streiten dann um den Betrag vor Gericht“, erklärte Kattari. Er hofft, dass die Sanierung noch in diesem Jahr zum Abschluss kommt und die Halle wieder freigegeben werden kann. Die Dachsanierung sei auch wichtig, da erst dann, wenn die Halle wieder genutzt werden kann, die alte Turnhalle aus den 80er Jahren abgerissen und an dieser Stelle ein weiterer Schultrakt gebaut werden kann. Der erste Teil der Schulhaussanierung neigt sich dem Ende zu und noch vor den Sommerferien wird das Hochgebäude bezugsfertig sein. Dann wird mit der Sanierung des Grundschulgebäudes begonnen, dies wird rund eineinhalb bis zwei Jahre dauern. Die Aula sei bereits zur Mensa umgebaut. In den Sommerferien werde auch der älteste zweistöckige Schulcontainer abgebaut und durch einen eingeschossigen Schulküchen-Container ersetzt. Die gesamte Sanierung mit Neubau wird derzeit auf 29 Millionen Euro geschätzt und mit 15 Millionen Euro gefördert. Kattari vermutet, dass sich aufgrund der Preissteigerungen die geschätzten Baukosten noch erhöhen könnten. Die Förderungen werden jedoch nicht steigen und nicht angepasst.
Der Kindergarten an der Gänsbachstraße ist seit einem halben Jahr in Betrieb und noch immer sind die Außenanlagen nicht hergestellt. „Das haben wir nicht erwartet und werden es auch nicht billigend in Kauf nehmen“, betonte Kattari, der auf die Metallbaufirma verwies, die mit den Arbeiten nicht fertig wird, stattdessen stets Ausreden findet. „Seit Monaten kommunizieren nun die Anwälte miteinander, was aber nichts daran ändert, dass die Kinder die Leidtragenden sind“, sagte Kattari. Es fehlen der Balkon und die Fluchttreppe. Ein Teil des Gartens werde nun hergestellt, damit die Kinder zumindest diesen Bereich nutzen können. Die Kosten für den Kindergarten belaufen sich derzeit auf 4,8 von fünf geschätzten Millionen Euro. Der Bedarf an Betreuungsplätzen reißt nicht ab, so Kattari und so werde im Herbst der Waldkindergarten in Rottau in Betrieb gehen. Das neue, fertiggestellte Feuerwehrhaus in Rottau kostete vier Millionen Euro. Hier lobte der Rathauschef die Arbeit der Feuerwehraktiven, die sich auch bei der Planung sehr eingebracht habe.
Bei diesen drei großen Bauprojekten habe die Gemeinde die Weltkrisen deutlich zu spüren bekommen. So seien die Kosten jeweils zwischen 16 und 22 Prozent gestiegen und an vielen Stellen war man mit der Bauausführung nicht zufrieden, aufgrund ausgelasteter Firmen oder weil unzuverlässig gearbeitet wurde. „Trotz der Schwierigkeiten ist es gelungen, in allen Bereichen voranzukommen.“
Finanzielle Ausstattung der Marktgemeinde angespannt
Trotz angespannter Haushaltslage ist die Marktgemeinde in der Lage, alle Pflichtaufgaben zu erfüllen, weiter in die Zukunft zu investieren und auch Vereine und Institutionen in gewohnter Weise weiter zu unterstützten. Der Gesamthaushalt habe sich im Vergleich zum Vorjahr um knapp 20 Prozent reduziert und der Vermögenshaushalt sogar mehr als halbiert. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer reduzierten sich von 3,8 auf 2,7 Millionen Euro. Die Personalaufwendungen wie auch die Kosten für Einrichtungen (Kindergärten, Musikschule) steigen. Es konnte eine Zuführung von 773.000 Euro aus dem Verwaltungshaushalt erwirtschaftet werden. Ausschlaggebend für die wirtschaftliche Lage seien nicht die Investitionen, sondern die Entwicklungen der Ein- und Ausgaben im Verwaltungshaushalt. Unverständlich sei dabei, dass auch der Kreis seine Umlage erhöhte und damit zur Belastung beiträgt. „Wir zahlen eine Rekordumlage von 4,6 Millionen Euro. Eine dreiviertel Million mehr als im vergangenen Jahr und das verkraftet ein Haushalt nicht so einfach“, sagte Kattari. Natürlich sei es wichtig, dass der Kreis die Krankenhäuser stützt. Dass dieser jedoch investiert und gleichzeitig auf Kosten der Kommunen seine Schulden abbaut, sei für ihn, Kattari, eine nicht akzeptable Diskrepanz. Er habe folglich auch als einziger Bürgermeister gegen den Kreishaushalt gestimmt. Derweil steigt der Grassauer Schuldenstand auf 14 Millionen an. Werden die Rücklagen von 2,3 Millionen gegengerechnet, so belaufen sich die Schulden auf 11,7 Millionen Euro. „Besser als prognostiziert“, so Kattari. „Alle Vorhaben und Projekte stehen ausschließlich in den Diensten der Allgemeinheit. Dass die Gemeinde dennoch alle Pflichtaufgaben und freiwilligen Ausgaben leisten könne, liege darin, dass man in der Lage sei, gute und sinnvolle Kompromisse zu schließen und ein Ergebnis jahrelanger, solider und sparsamer Haushaltsführung, betonte der Rathauschef mit einem Lob an Kämmerer Tobias Gasteiger und dessen Vorgänger und Geschäftsführer Peter Enzmann.
Ortsentwicklung und Infrastruktur
Die Aufstellung des zukunftsweisenden Flächennutzungsplans sei angelaufen und der erste Vorentwurf liege zur Einsicht bis zum 17. Mai aus. Im Plan, der nicht in Baurecht eingreift, dennoch behördenverbindlich sei, werde festgelegt, in welche Richtung sich Grassau baulich entwickeln soll. Kattari rief zur Bürgerbeteiligung auf. Der Plan könne sowohl im Rathaus wie auch auf der Homepage der Gemeinde eingesehen werden und Wünsche und Anregungen hierzu vorgebracht werden. Die Bautätigkeiten in der Gemeinde gehen zurück. Waren es in den Vorjahren noch weit über 100 Bauanträge, so halbierte sich dies. Zur Planung Gewerbegebiet und Gewerbepark erklärte er, dass hier möglichst viel gewerbliche Nutzung vorgesehen sei. Im letzten Jahr habe die Hoffnung bestanden, sich mit den Investoren zu einigen, was jedoch in weite Ferne gerückt sei. Stattdessen habe, so berichtete Kattari, der Investor versucht, die Gemeinde unter Druck zu setzen und sein Gebäude im Gewerbepark der Regierung als Unterkunft für 200 Geflüchtete angeboten. Mit Unterstützung von Landrat Walch sei es gelungen, diese Bürde abzuwenden.
Im gemeindeeigenen Gebäude in diesem Gewerbegebiet sind alle Flächen vermietet und es haben sich viele junge Firmen angesiedelt. Das in diesem Bereich bestehende Einzelhandelskonzept, das unter anderem das Anbieten von ortskernrelevanten Produkten untersagt, habe einige Aufregungen ausgelöst. Dieses Konzept diene dem Schutz der Geschäfte im Ortskern und dem Erhalt der Kaufkraft. Auslöser der Diskussion war, dass im neuen Ärztehaus im Gewerbegebiet keine Apotheke zulässig ist. Aktuell drehe sich die Diskussion um Brillen. Kattari informierte, dass zwischenzeitlich fast alle Gewerbetreibenden wünschen, dass an dem Einzelhandelskonzept festgehalten werde.
Des Weiteren berichtete er, dass die Sudentenstraße mit einem Aufwand von 250.000 Euro hergerichtet werde und die Schlesierstraße im kommenden Jahr folgen werde. Der Radweg von Mietenkam nach Übersee werde kommen. Leider bestehe bei den Mietenkamern keine Bereitschaft, Grundstücksflächen für einen Radweg abzutreten. Im Bereich Mobilität konnte das Carsharing Projekt mit dem Ökomodell Achental und Unterstützung des Agenda 21 Arbeitskreises schnell umgesetzt werden und befindet sich in der Testphase. Auch die Zeichen für den Rufbus Traudl stehen gut. Mit derzeit 48 geplanten Haltestellen würden auch weitentfernte Bereich erschlossen und der Zugang zum ÖPNV verbessert. Keine Neuigkeiten gab es im Bereich Hochwasserschutz Tennbodenbach. Das Projekt wird vom Wasserwirtschaftsamt aufgrund fehlender personeller Kapazitäten derzeit nicht weiterverfolgt.
Grassau wächst weiter und erreichte knapp 7250 Einwohner mit Hauptwohnsitz und 303 Nebenwohnsitze. Dies macht sich auch in der Kinderbetreuung bemerkbar und so musste eine zusätzliche Kinderkrippe im Familientreff installiert werden. Die im kommenden Jahr fehlenden Kindergartenplätze können durch den neuen Waldkindergarten aufgefangen werden. In den Kindergärten gebe es genügend Personal, nur fehle es an Fachpersonal. „Wir benötigen dringend Erzieherinnen“, betonte Kattari.
Kattari informierte weiter über die Familienstelle als wichtige Einrichtung in der Gemeinde, die neue Ehrenamtsstelle, wie auch den gut laufenden Jugendtreff und die sehr gut besuchte Ganztagesschule und verwies auf die großen Festlichkeiten des vergangenen Jahres, darunter das Jubiläum des Birn- Pub Vereins und die Feierlichkeiten zur 60jährigen Partnerschaft mit Tscherms und die sich gut entwickelnde Partnerschaft zu Raschau im Erzgebirge. Nun freue man sich auf das Kulturfest 2025 anlässlich der 60jährigen Markterhebung.
Die Buchungslage im Tourismus verbessert sich weiter, die Übernachtungen steigen und auch das Prädikat Luftkurort wurde erneut erteilt. Als Kulturhauptstadt des Landkreises beherberge Grassau nicht nur die größte Musikschule mit über 1000 Schülern und über 40 Lehrkräften, sondern verleihe zudem Preise, darunter den Hans Josef Crump Preis an Musiker und den Literaturpreis Deichelbohrer, der am 4. Mai wieder vergeben werde. Kattari lobte die Grassauer Bücherei und das engagierte Team, verwies auf die vielen Konzerte und auf die Outdoorgalerie. Schließlich dankte er allen ehrenamtlich tätigen Bürgern und das bürgerschaftliche Engagement.
Vorhaben in 2024
Die laufenden und begonnenen Projekte wie die Schulhaussanierung werden fortgeführt. Neben dem Waldkindergarte, wird auch eine Pumptrack-Anlage in Rottau gebaut und die neuen Feuerwehrfahrzeuge der Rottauer Wehr in Dienst gestellt. Des Weiteren wird mit der Sanierung von Brücken begonnen und das Friedhofskonzept weitergeführt. Auch an einer Wärmeplanung werde gearbeitet. Am ersten Mai eröffnet das Museum Salz und Moor mit einer Sonderausstellung zum Thema Wolf und in der Ortsmitte wird der Maibaum aufgestellt. Die Grassauer Chronik soll um ein weiteres Themenheft ergänzt werden.tb