Am 18. Februar 2026 setzte die Albert-Einstein-Schule Groß-Bieberau mit einem ganztägigen Pädagogischen Tag unter dem Motto „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ein deutliches Zeichen für demokratische Werte und gegen jede Form von Diskriminierung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie das Kollegium in Zeiten zunehmender Polarisierung und demokratiefeindlicher Tendenzen seinen Bildungs- und Erziehungsauftrag in der Demokratiebildung weiter schärfen kann.
Die Bürgermeisterin und Patin des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, Frau Vogt, eröffnete den Tag mit einem Grußwort, in dem sie die Bedeutung von Schule als Ort der Demokratie hervorhob und dem Kollegium für sein Engagement dankte.
Es folgte ein Vortrag von Herrn Karakaya vom Polizeipräsidium Südosthessen, Abteilung Prävention, zum Thema „Zwischen Nähe und Distanz – Warum verändert sich unser Zusammenleben in der demokratischen Gesellschaft?“. Er zeichnete aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen nach, sprach über Erfahrungen aus der polizeilichen Präventionsarbeit und zeigte Spannungsfelder auf, in denen sich Schule täglich bewegt. Dabei machte er deutlich, wie wichtig klare Haltung, reflektierte Nähe zu Schülerinnen und Schülern und gleichzeitig professionelle Distanz sind, um ihnen Orientierung zu geben und sie vor Radikalisierungstendenzen zu schützen. Nach einer kurzen Kaffeepause startete die Workshop-Phase, in der vier parallel angebotene Arbeitsgruppen unterschiedliche Aspekte des Themas vertieften.
Die Workshops wurden von externen Fachleuten aus Präventionsarbeit, Beratungsnetzwerken und zivilgesellschaftlichen Initiativen geleitet und boten den Lehrkräften Raum für fachliche Impulse, Austausch und Reflexion in Kleingruppen. In einem Workshop stand das BETZAVTA-Konzept im Mittelpunkt, das demokratische Entscheidungsprozesse erlebbar macht und zeigt, wie Vielfalt und Konflikte konstruktiv ausgehandelt werden können. Ein weiteres Angebot widmete sich Symbolen, Codes und Marken aus der Erlebniswelt des Rechtsextremismus und schärfte den Blick für subtile Zeichen, die im schulischen Alltag schnell übersehen werden. In einem dritten Workshop wurde die Problematik religiös begründeten Extremismus im schulischen Kontext beleuchtet, während eine vierte Arbeitsgruppe Wege der Bewusstseinsbildung und sensiblen Erziehungs- und Bildungsarbeit im Kontext von Antirassismus und Antidiskriminierung diskutierte.
Deutlich wurde, wie vielfältig die Perspektiven auf das Oberthema waren – von konkreten Unterrichtsideen über Fragen professioneller Haltung bis hin zu strukturellen Herausforderungen im Schulalltag.
Nach der Mittagspause folgte ein weiterer Höhepunkt: Herr Prof. Dr. Dr. Michel Friedman hielt einen Impulsvortrag unter der Überschrift „Schule braucht Haltung“. In eindringlichen Worten betonte er, dass Neutralität gegenüber menschenfeindlichen Positionen keine Option sei und Schule die Pflicht habe, für Menschenwürde, Vielfalt und demokratische Grundwerte einzustehen.
Den inhaltlichen Abschluss des Tages gestaltete Frau Plavcic vom Landesamt für Verfassungsschutz mit ihrem Vortrag „Tiktokisierung des Extremismus“. Sie zeigte anhand eindrucksvoller Beispiele, wie extremistische Akteure soziale Medien und insbesondere Kurzvideo-Plattformen nutzen, um junge Menschen niedrigschwellig anzusprechen und zu beeinflussen. Dabei wurde deutlich, wie zentral Medienbildung, Sensibilisierung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und außerschulischen Partnern sind, um dieser Entwicklung wirksam zu begegnen.
Insgesamt bot der Pädagogische Tag nicht nur fachlich fundierte Impulse, sondern stärkte vor allem die gemeinsame Haltung der Schulgemeinde: Rassismus, Ausgrenzung und Extremismus soll an der AES keinen Platz haben – dafür wird sich die Schule weiterhin aktiv einsetzten.