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Groß-Bieberauer Nachrichten
Ausgabe 31/2026
Kirchliche Nachrichten
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Kath. Kirchengem. Reinheim und Groß-Bieberau

Im Jahr 2014 wurde ich für sechs Jahre zum Provinzial meiner Ordensgemeinschaft gewählt. Danach durfte ich weitere sechs Jahre als Stellvertreter des Generaloberen Verantwortung übernehmen.

Auf meinem priesterlichen Lebensweg durfte ich vielen Menschen auf ihrem Glaubensweg zur Seite stehen. Dabei hat mich besonders ein Wort aus der Heiligen Schrift inspiriert:

„Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ (Jak 1,19)

Dieses Wort erinnert mich daran, Menschen mit offenem Herzen zu begegnen, zuzuhören und sie geduldig auf ihrem Weg zu begleiten.

Wir sind alle Kinder Gottes und der Glaube kann alle Menschen über Grenzen von Sprache, Kultur und Nation hinweg miteinander verbinden.

Wir leben heute in einer Zeit großer Veränderungen. Gerade in Europa stehen Kirche und Glaube vor neuen Herausforderungen. Viele Menschen fragen sich, welche Bedeutung der Glaube noch für ihr Leben hat. Die zunehmende Säkularisierung, Einsamkeit, gesellschaftliche Unsicherheit und ein starkes Streben nach Individualität führen dazu, dass religiöse Traditionen oft an Bedeutung verlieren. Für manche scheint Gott im Alltag kaum noch eine Rolle zu spielen.

Gleichzeitig spüren viele Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Orientierung, Hoffnung und einem tragenden Sinn. Gerade in einer Zeit, in der vieles unsicher geworden ist, kann der christliche Glaube eine Quelle der Kraft sein. Glauben heute bedeutet vielleicht weniger Selbstverständlichkeit als früher – aber gerade deshalb eine bewusste Entscheidung.

Als Priester sehe ich darin nicht nur eine Schwierigkeit, sondern auch eine Chance: Kirche kann heute neu lernen, Menschen zuzuhören, ihre Fragen ernst zu nehmen und den Glauben nicht aufzudrängen, sondern glaubwürdig vorzuleben. Besonders wichtig erscheint mir dabei die Begegnung – ein offenes Herz, ehrliches Zuhören und das gemeinsame Suchen nach Gottes Spuren im Alltag. Ein Wort Jesu schenkt mir dabei Hoffnung: „Habt keine Angst!“ (Mt 14,27)

Denn auch in schwierigen Zeiten bleibt Gott gegenwärtig. Der Glaube wächst dort, wo Menschen Gemeinschaft erfahren, Vertrauen lernen und die Liebe Gottes konkret erleben. Papst Franziskus erinnert uns immer wieder daran, dass die Kirche eine Kirche der offenen Türen sein soll – eine Kirche, die hinausgeht, Menschen begleitet und ihnen die barmherzige Liebe Gottes erfahrbar macht.

Ich wünsche mir, gemeinsam mit Ihnen Wege zu entdecken, wie wir den Glauben heute in unserer Umgebung lebendig und glaubwürdig leben können. Dabei möchte ich nicht nur Priester für die Gemeinde sein, sondern mit Ihnen gemeinsam als Pilger des Glaubens unterwegs sein – im Vertrauen darauf, dass Gott uns führt und begleitet.

Ich freue mich sehr darauf, Sie wiederzusehen, Sie kennenzulernen, mit Ihnen Glauben zu leben und gemeinsam Kirche zu gestalten.

Gottes reichen Segen für uns alle!

Ihr Pater Biju Joseph Chirathara