Der Saisonausklang im Kapitelsaal des Hirschhorner Klosters war ganz der Romantik gewidmet. Tayuko Nakao-Seibert am Flügel und der Posaunist Henning Wiegräbe sind bei den Klosterkonzerten keine Unbekannten und immer wieder Garanten für hochkarätigen Musikgenuss. So gab es am Ende viel Applaus und eine Zugabe.
Zu Corona-Zeiten durften 10 Leute in den Saal, jetzt war er wieder gerammelt voll. „Da spielt man viel lieber", so Henning Wiegräbe. Mit „Romantik" war sowohl die Epoche gemeint als auch die Charakteristik. Dabei wird erstere von den Lebensdaten zweier Komponisten markiert, die prominent vertreten waren: Carl Maria von Weber und Johannes Brahms.
Weber, dessen Todesjahr sich 2026 zum zweihundertsten Mal jährt, war mit einer Romanze vertreten, bei der man an eine Opernszene aus dem „Freischütz" denken konnte, Brahms mit seinem Intermezzo op. 117, Nr. 1, am Flügel solistisch vorgetragen von Tayuko Nakao-Seibert. Beide Künstler sind mit Stuttgart verbunden. Die Pianistin ist dort Dozentin, der Posaunist hat eine Professur für Posaune inne. Und das war zu hören: Agil, auch in chromatischen Passagen sehr sauber, im Legato kantabel, bei Tonrepetitionen rhythmisch sauber pointiert – damit ist Wiegräbe ein Vorbild seiner Zunft. Gleiches gilt für Nakao-Seiberts Klavierspiel, das namentlich in vier lyrischen Stücken des Norwegers Edvard Grieg aufblühte und eine breite Palette nuancierter Anschlagskunst vor dem angetanen Publikum ausbreitete.
Einer der Höhepunkte im Duospiel war schon das Eingangsstück, eine Cavatine von Camille-Saint-Saëns, in ihrem optimistisch aufwärtsstrebenden Überschwang. Eine Sonata „Vox Gabrieli" von Stjepan Sulek (1914-86) war der Idee der Programm-Musik verhaftet, das heißt, hinter der Musik steht eine Story. Hier war es die Schilderung der Stimme des Erzengels Gabriel aus dem Buch Daniel: Machtvoll und laut wie das Grollen des Donners, die Augen wie die Blitze eines Gewitters. Etwas gesitteter ging es zum Finale in einer Suite des Dänen Axel Jørgenson zur Sache, die romantische Tradition Skandinaviens mit Meistern wie Sibelius oder Nielsen klang immer wieder durch.
Der herzhafte Schlussapplaus war erst durch eine Zugabe zu besänftigen. Eine elegische Melodie aus der Feder des Franzosen Gabriel Fauré machte Lust auf die im Juni beginnenden sommerlichen Ausklangabende.
Aloisia Sauer zeigte sich überwältigt und war sich darin mit dem Publikum einig, Christina Lechner, der die Programmgestaltung der Reihe obliegt, überreichte den Künstlern Blumen.
Das Schlusswort im Kloster ist stets ein Abendsegen, den sich der Fördervereinsvorsitzende Paul Keßler und Karmeliten-Pater Sijoy teilten.
Text: R. Autenrieth